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Altersforschung: Forscher sicher: So alt kann ein Mensch maximal werden

Können Menschen praktisch unbegrenzt leben oder gibt es eine natürliche Obergrenze? Über diese Frage streitet die Fachwelt seit langem. Eine aktuelle Studie liefert nun neuen Zündstoff für die Diskussion.

Jeanne Calment hält eine CD in der Hand

Nahm mit 120 Jahren noch eine Techno-CD auf: die Französin Jeanne Calment

Die Französin Jeanne Calment war ihrerzeit ein kleines medizinisches Wunder: 1875 in Arles geboren, gilt sie als bislang ältester Mensch aller Zeiten. Calment war bis ins hohe Alter fit und wurde in Frankreich als Nationalheldin gefeiert: Mit 100 Jahren fuhr sie noch Fahrrad, mit 120 Jahren nahm sie eine Techno-CD auf, und sie rauchte bis kurz vor ihrem Tod. Sie starb 1997 – mit 122 Jahren und 164 Tagen.

Auch der Indonesier Mbah Gotho war zuletzt in den Schlagzeilen: Er soll schier unglaubliche 145 Jahre alt sein. Allerdings ist dieses Rekordalter nicht durch unabhängige Gutachter bestätigt.

Fälle wie diese faszinieren, werfen sie doch die Frage auf, wie alt der Mensch maximal werden kann. US-amerikanische Forscher haben sich nun mit der Frage beschäftigt, ob es für die natürliche Lebenszeit des Menschen eine Obergrenze gibt. Dafür werteten sie demografische Daten aus mehr als 40 Ländern aus. Das Ergebnis: Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Mensch jemals älter als 125 Jahre werde, sei extrem gering, heißt es im Fachblatt "Nature".

Maximale Lebensdauer wird wohl nicht weiter steigen

Was ist der Hintergrund? Seit dem 19. Jahrhundert ist die Lebenserwartung in den meisten Ländern der Welt kontinuierlich gestiegen. Lag sie bei Menschen, die im Jahr 1900 etwa in Frankreich geboren wurden, noch bei wenig mehr als 45 Jahren, werden im Jahr 2000 geborene Kinder ein durchschnittliches Alter von mehr als 75 Jahren erreichen. Den Anstieg der Lebenserwartung um 30 Jahre innerhalb eines Jahrhunderts führen Experten vor allem auf medizinischen und technologischen Fortschritt zurück. Der habe zunächst die Säuglings- und Kindersterblichkeit eingedämmt, heute vor allem die Sterblichkeit im höheren Alter.

Auch das maximale Alter zum Zeitpunkt des Todes ist in den vergangenen Jahrzehnten erheblich gestiegen. Doch wie geht es weiter? Nähern wir Menschen uns mittlerweile einem Lebenszeit-Limit, das nicht mehr überschritten werden kann? Oder können wir unter optimalen Bedingungen noch älter werden? Diese Frage ist bisher unbeantwortet.

Forscher um Jan Vijg vom Albert Einstein College of Medicine in New York werteten Geburts- und Sterbedaten aus. Im Anschluss analysierten sie Daten aus Frankreich, Japan, Großbritannien und den USA zum maximalen Lebensalter. Das Ergebnis: Seit den 1990er Jahren ist das maximale Lebensalter nicht weiter nach hinten verschoben worden. "Demografen und Biologen haben argumentiert, es gebe keinen Grund anzunehmen, dass der derzeitige Anstieg der maximalen Lebenspanne demnächst endet", erläutert Studienleiter Vijg. "Aber unsere Daten sprechen dafür, dass das bereits geschehen ist, und zwar in den 1990er Jahren." Das bekannt gewordene Maximalalter eines Menschen liege für diese Zeit im Durchschnitt bei 115 Jahren.

Maximal ein Mensch von 10.000 wird 125 Jahre alt

Aus weiteren statistischen Berechnungen schlossen die Forscher, dass ein Alter von 125 Jahren mit großer Sicherheit die absolute Obergrenze sei. Die Wahrscheinlichkeit, dass in einem gegebenen Jahr irgendeine Person auf der Welt so ein Alter überschreite, liege bei weniger als 1 zu 10.000, schreiben die Forscher. 

Andere Experten äußern sich hingegen kritisch zu der Studie: Die Studie sei selektiv und ziehe einseitige Schlüsse, kritisiert James Vaupel, der am Max-Planck-Institut für demografische Forschung in Rostock arbeitet. Studien wie diese würden veröffentlicht, weil es vielen Leuten plausibel erscheine, dass die maximale Lebensspanne nicht viel weiter ansteigen kann.

Weltrekorde: Die ältesten Menschen der Welt - und ihre Tipps für ein erfülltes Leben
Mbah Gotho von der indonesischen Insel Java soll schier unglaubliche 146 Jahre geworden sein – damit wäre er der mit Abstand älteste Mensch in der dokumentierten Geschichte. Sein Geheimnis fürs Altwerden? "Geduldig sein", erklärte er gegenüber dem News-Netzwerk "Liputan 6". Gotho starb laut "BBC" am 30. April diesen Jahres.

Mbah Gotho von der indonesischen Insel Java soll schier unglaubliche 146 Jahre geworden sein – damit wäre er der mit Abstand älteste Mensch in der dokumentierten Geschichte. Sein Geheimnis fürs Altwerden? "Geduldig sein", erklärte er gegenüber dem News-Netzwerk "Liputan 6". Gotho starb laut "BBC" am 30. April diesen Jahres.

Seiner Ansicht nach gibt es keine Hinweise auf eine natürliche Obergrenze der Lebenszeit. In der Vergangenheit ausgerufene Grenzen seien wiederholt widerlegt worden. "Vor 100 Jahren nahm man an, dass die durchschnittliche Lebenserwartung niemals 65 Jahre überschreiten werde. Als dann der Gegenbeweis sichtbar wurde, wurde die Grenze wieder und wieder nach oben verschoben", so Vaupel.

Das Team um Vijg hingegen ist überzeugt: "Weitere Fortschritte bei der Bekämpfung von Infektions- und chronischen Krankheiten können die durchschnittliche Lebenserwartung weiter anheben, aber nicht die maximale Lebenserwartung." Die genauen biologischen Gründe für die Begrenzung der Lebensspanne kennen die Wissenschaftler indes nicht. Es gebe keine Gene, die unmittelbar das Altern oder den Todeszeitpunkt festschrieben.


Ilona Kriesl / DPA

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