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Arzneimittel: Pfizer nimmt Rheumamittel Bextra vom Markt

Nach Vioxx wird ein weiteres Medikament aus der Gruppe der Cox-2-Hemmer vom Markt genommen. Für die US-Arzneimittelbehörde seien die möglichen Nebenwirkungen von Bextra nicht tolerierbar.

Der weltgrößte Pharmakonzern Pfizer hat den Verkauf des Schmerz- und Rheumamittels Bextra gestoppt. Das teilte das US-Unternehmen am Donnerstag in New York mit. Angesichts des hohen Risikos für Herzkreislauf-Erkrankungen und für schwere Hautreaktionen hatten die Arzneimittelbehörden der EU und der USA das Unternehmen Pfizer zu diesem Schritt aufgefordert. Im Februar wurden laut Pfizer in Deutschland 67.000 Patienten mit Bextra behandelt. Im Gesamtjahr 2004 seien es 500.000 gewesen.

Die US-Arzneimittelbehörde FDA begründete ihre Forderung damit, dass das Risiko von Nebenwirkungen bei Bextra schwerer wiege als mögliche positive Effekte. Im Jahr 2004 hatte der US-Konkurrent Merck & Co bereits das Mittel Vioxx vom Markt genommen. Dieses gehörte - ebenso wie Bextra und Celebrex - zu den so genannten Cox-2-Hemmern.

Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) riet Ärzten, keine neuen Behandlungen mit Bextra zu verschreiben. Patienten sollten wegen der Therapie ihren Arzt um Rat fragen.

Warnhinweis für Celebrex

Die US-Behörde FDA forderte von Pfizer zudem einen Warnhinweis für das Präparat Celebrex, das ebenfalls bei Rheuma eingesetzt wird. In der EU darf Celebrex bereits nicht mehr an Menschen mit schwerer Herzkreislauf-Erkrankung, Herzinfarkt oder Schlaganfall gegeben werden.

Celebrex, Vioxx und andere Cox-2-Hemmer waren von Ärzten verstärkt verschrieben worden, weil ältere Mittel gegen Rheuma und weitere Gelenkerkrankungen bei einigen Menschen zu Magen-Darm-Blutungen geführt hatten. Die älteren Präparate gelten aber weiterhin als alternative Medikamente.

Mitte Februar hatte sich eine Expertenkommission der FDA im Streit um Risiken zahlreicher der zu den Cox-2-Hemmern gehörenden Schmerzmittel noch für eine weitere Marktzulassung von Celebrex und Bextra ausgesprochen.

"Berechtigter politischer Druck"

Der Vorsitzende der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft, Bruno Müller-Oerlinghausen, sagte zu dieser Entscheidung im Gespräch mit der Agentur dpa-AFX: "Es ist schon merkwürdig, dass sich noch im Februar ein Beratergremium der FDA mit starker Beteilung der Pharmabranche für eine weitere Zulassung von Bextra und Celebrex ausgesprochen hat und nun der Vermarktungsstopp für Bextra kommt."

"Die erste Entscheidung im Februar ist auch in den USA massiv kritisiert worden und ich glaube, dass berechtigter politischer Druck auf die FDA ausgeübt wurde, sich mit der Frage der Sicherheit der Wirkstoffklasse der so genannten Cox-2-Hemmer weiter zu beschäftigten", sagte Müller-Oerlinghausen weiter.

Bextra hatte Pfizer 2004 einen Umsatz von 1,3 Milliarden Dollar und Celebrex 3,3 Milliarden Dollar gebracht.

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