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Corona-Pandemie Arzt umarmt Covid-19-Patienten – Mediziner arbeitet seit mehr als acht Monaten ohne freien Tag

Arzt im Schutzanzug umarmt Patienten
Dr. Joseph Varon nimmt auf der Intensivstation einen Patienten in den Arm. Um sich nicht anzustecken, trägt er seinen Schutzanzug.
© Go Nakamura / Getty Images North America / AFP
Ein Arzt im Schutzanzug nimmt einen in Tränen aufgelösten Patienten in die Arme – das Bild aus einer Intensivstation in Texas geht um die Welt. Es zeigt, wie Krankenhauspersonal und Erkrankte am Ende ihrer Kräfte angekommen sind.

Täglich spielen sich in Krankenhäusern auf der ganzen Welt Dramen ab. Während der Covid-19-Pandemie sind viele Intensivstationen überlastet, Patienten leiden, das Gesundheitspersonal in den Kliniken arbeitet teils am Rand der Belastungsgrenze. Mit steigenden Fallzahlen spitzt sich die Situation zu.

Ein Foto aus den USA ist das neueste Symbol dafür. Das Bild hat der Pressefotograf Go Nakamura im United Memorial Medical Center in Houston aufgenommen. Es zeigt, wie ein Arzt einen Corona-Patienten fürsorglich in den Arm nimmt. Um sich selbst nicht anzustecken, trägt er dabei seinen Schutzanzug. Das Foto hat weltweit für Aufmerksamkeit gesorgt und wurde von vielen Medien aufgegriffen. Auch auf Twitter teilen viele User diesen menschlichen Moment zwischen Mediziner und Patient.

252 Arbeitstage am Stück – und kein Ende in Sicht

Der Arzt auf dem Bild ist Dr. Joseph Varon. Mit dem US-Portal "Chron" sprach er über die Geschichte hinter dem Foto. Die Szene trug sich am US-amerikanischen Feiertag Thanksgiving zu. "Als ich meine Station betrat und in eines der Zimmer ging, sah ich diesen älteren Patienten, der dort stand und weinte", erzählt Varon. Er umarmte den Mann daraufhin, um ihn zu trösten. "Er sagte nur: 'Ich möchte bei meiner Frau sein'", berichtet Varon. "Er brauchte jemanden, der ihn umarmte."

Wie viele andere Krankenhausangestellte befindet sich wie Joseph Varon seit Beginn der Corona-Pandemie im Dauereinsatz. Dem Fernsehsender CNN sagte er, der Tag, an dem er den Patienten umarmte, sei sein 252. Arbeitstag gewesen – ohne Unterbrechung. Und auch danach gab es keine Pause für den Mediziner. Im Gegenteil: Er erwarte, dass nach den Familienfeiern zu Thanksgiving die Zahl der Patienten noch einmal deutlich steige, so Varon.

Viele Patienten sind psychisch am Ende

In dem Krankenhaus, in dem er arbeitet, gehen längst alle auf dem Zahnfleisch – Patienten und Personal. Viele Erkrankte kämpfen nicht nur mit Covid-19, sondern auch mit der Abgeschiedenheit von der Welt. "Man kann sich vorstellen, wie schwierig das ist", sagt Varon. "Sie sind in einem Raum, in den nur Menschen mit Raumanzügen kommen, und können mit niemandem sonst kommunizieren. Höchstens per Telefon, wenn sie Glück haben."

Dass Varon sich auch um die mentale Gesundheit seiner Patienten kümmern muss, ist kein Ausnahmefall. Viele brauchen ein tröstendes Wort oder eine Berührung. Laut Varon habe ein Patient neulich sogar versucht, durch das Fenster aus dem Krankenhaus zu fliehen. Dem Mann, mit dem das berühmte Foto entstanden ist, geht es mittlerweile allerdings besser. Er könne bald wieder zu seiner Frau, sagte Varon CNN.

Quellen: "Chron" / CNN

epp

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