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Konflikt beigelegt Zoff um Booster-Impfung: Spahn und Ärzte werben gemeinsam für Auffrischung nach sechs Monaten

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn spricht auf einer Pressekonferenz
Sehen Sie im Video: Gesundheitsminister Jens Spahn – "Erleben gerade eine Pandemie der Ungeimpften".




Jens Spahn (CDU), geschäftsführender Bundesgesundheitsminister: "Wir erleben gerade vor allem eine Pandemie der Ungeimpften. Und die ist massiv. Die Infektionszahlen steigen, die Zahl der Corona-Toten mit ihnen und auch vor allem die Zahl der intensivpflichtigen Patientinnen und Patienten in einigen Regionen in Deutschland. Im Übrigen Regionen, wo auch die Impfquoten teilweise nicht so hoch sind wie in anderen Regionen. In einigen Regionen in Deutschland werden die Intensivbetten wieder knapp, über Verlegungen in andere Regionen wird nachgedacht, sie werden konkret geplant. Zur Wahrheit gehört im Übrigen auch: Auf den Intensivstationen würden deutlich weniger Covid 19-Patienten liegen und behandelt werden müssen, wenn alle, die es könnten, sich auch impfen lassen würden. Ich verstehe daher den Frust vieler Pflegekräfte sehr, sehr gut, die sich eben angesichts dieser Belastung, die sie in ihrem Alltag dadurch haben, schon die Frage stellen, warum denn nicht mehr sich impfen lassen. Das weiß ich aus vielen Gesprächen. Es ist eine Situation, mit der wir umgehen müssen, wo es jetzt eben darum geht für Herbst und Winter insgesamt. Für den Einzelnen, zum Schutz des Einzelnen, aber eben auch vor allem für die Vermeidung der Überlastung, der Belastung des Gesundheitswesens einen Unterschied zu machen. Dafür braucht es aus meiner Sicht drei Punkte, von denen ich mir auch wünsche, dass Bund und Länder sie gemeinsam mit Nachdruck unterstützen. Das erste sind die beschlossenen Vorsichtsmaßnahmen 3G und AHA-Regeln konsequent umzusetzen und im Übrigen, wo nötig, auch durch 2G zu ergänzen. Das zweite sind verpflichtende Test-Konzepte für die Pflegeheime, für die Orte, an denen die besonders Verwundbaren leben. Und das gilt eben auch mit verpflichtenden Testung für auch geimpftes oder genesene Personal und Besucherinnen und Besucher. Und zum Dritten geht es um viele, viele Auffrisch-Impfungen. Denn die Auffrisch-Impfungen helfen, die vierte Welle zu brechen. Ich meine, das ist jetzt nur ein Bild aus Israel, wo man einfach sehr, sehr deutlich sieht, mit den Auffrisch-Impfungen ist es gelungen, die Kurven nach unten zu bringen. Man sieht einfach am Beispiel Israel, dass das Boostern tatsächlich einen echten Unterschied macht in ganz vielen Aspekten. Und deswegen möchte ich eben auch mit den Kolleginnen und Kollegen in den Ländern darüber reden, wie wir das, was grundsätzlich möglich ist, die Zulassung dafür gibt es ja, nämlich allen, die wollen, jenseits derjenigen, für die es empfohlen ist, auch für alle, die wollen, nach sechs Monaten eine Auffrisch-Impfung möglich zu machen.
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Bei der Frage nach dem Sinn einer Auffrischungsimpfung war es zum Streit gekommen zwischen den Kassenärzten und Gesundheitsminister Jens Spahn. Effekt: eine Kakophonie aus widersprüchlichen Ratschlägen und verunsicherte Patienten. Damit soll nun Schluss sein.

Der geschäftsführende Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) und Ärzteverbände wollen mit einer einheitlichen Linie für mehr Auffrischungsimpfungen werben. Eine solche Impf-Verstärkung ("Booster") soll demnach allen Geimpften angeboten werden, die vor sechs Monaten ihre Impfserie abgeschlossen haben, wie es nach einer Videokonferenz Spahns mit mehreren Verbänden am Donnerstag aus Teilnehmerkreisen hieß. Insbesondere sollten Ältere, medizinisches Personal und Menschen mit Immunschwäche "geboostert" werden.

Die Kampagne für Auffrischungsimpfungen solle so vereinheitlicht und angepasst werden, hieß es aus den Kreisen. Vorgesehen ist demnach auch eine Information dazu an die Praxisärzte. Zuletzt hatte es Diskussionen gegeben, wie groß der Kreis für Impf-Verstärkungen sein soll. Die Ständige Impfkommission (Stiko) empfiehlt sie vorerst in engerem Rahmen unter anderem ab 70 Jahre, worauf sich auch Ärztevertreter bezogen. Spahn setzt sich für "Booster" auf breiterer Front ein, die laut Impfverordnung generell für alle möglich sind.

Die Sechs-Monats-Frist erreiche nun zunächst Menschen, die ohnehin noch nach der damals geltenden Prioritäts-Reihenfolge geimpft wurden, hieß es zur Erläuterung - rein kalendarisch also, wenn man bis Anfang Mai seine vollständige Impfung bekommen hatte. Demnach in Frage kämen momentan mehr als zehn Millionen Menschen, einbezogen auch Geimpfte mit Johnson & Johnson sowie Menschen mit Immunschwäche. Geimpfte mit Johnson & Johnson sollen generell bereits vier Wochen nach Abschluss der Impfserie einen "Booster" bekommen.

Eine Auffrischungsimpfung erhalten haben laut Robert-Koch-Institut bisher 2,36 Millionen Menschen. Informationen zu "Boostern" sollen jetzt auch über die offizielle Corona-Warn-App ausgespielt werden. Vorgesehen sind demnach auch Hinweise, wenn man in Frage kommt.

kng DPA AFP

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