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Meinung

Care Klima Index: Wie hart Pflegende mit ihrer Branche abrechnen und was daraus folgen muss

Sie fühlen sich nicht wertgeschätzt, einige fürchten sogar um die Sicherheit von Patienten: Eine Umfrage offenbart, wie unzufrieden viele Pflegende mit den Zuständen in ihrem Job sind. Die Ergebnisse müssen ein Weckruf sein.

Care Klima Index: Pflegende sind mit Situation in ihrer Branche unzufrieden

40.000 Arbeitsplätze in der Pflege sind derzeit nicht besetzt

Getty Images

Einmal im Jahr misst sich die Pflege Fieber. "Die Pflege", das sind bei uns in Deutschland mehr als zwei Millionen Menschen, die sich im Krankenhaus, im Altenheim und ambulant um uns kümmern. Sie sorgen für Junge und Alte, für chronische und akut Erkrankte, arbeiten im Schichtdienst, brauchen Ausdauer und gute Nerven – und produzieren täglich Menschlichkeit. Ihr Fieberthermometer, das ist der "Care Klima Index": Alljährlich werden dafür repräsentativ Menschen, die in Pflegeberufen arbeiten, nach Meinung und Stimmung befragt. Auf dem Deutschen Pflegetag, der heute in Berlin zu Ende geht, werden die Ergebnisse bekanntgegeben. Und sie sind nicht gut:

  • Es fehlt an Wertschätzung: Die Achtung, die ihre Arbeit im Vergleich zu anderen Berufen erfährt, empfinden die Pflegekräfte um zehn Prozentpunkte geringer als noch im letzten Jahr.
  • Patientensicherheit – das ist der Schutz von Kranken und Pflegebedürftigen zum Beispiel gegen Behandlungsfehler oder Krankenhauskeime – sehen 53 Prozent der Befragten aus ihrer täglichen Erfahrung als nur "teilweise gewährleistet" an. 
  • 76 Prozent glauben nicht, dass Deutschlands Bedarf an ausgebildetem Pflegepersonal in den kommenden zehn Jahren gedeckt werden kann. 
  • Die Gesamtzufriedenheit ist gegenüber 2017 gefallen.

Wer sich im Alltag der Gesundheits- und Altenversorgung auskennt, wundert sich darüber nicht. Auch alle anderen sollten die Sorgen der Leistungsträger am Bett teilen – denn Deutschlands geburtenstärkste Jahrgänge, in den 1960er Jahren zur Welt gekommen, nähern sich dem Alter, in dem sie helfende Hände immer häufiger brauchen werden. Ärztinnen und Ärzte, pflegende Angehörige, chronisch Kranke, sie alle bestätigen: Professionelle Pflege entscheidet wesentlich darüber, ob eine Behandlung glückt. Ob Einsamkeit ertragen werden kann. Und Selbstständigkeit erhalten. Pflegende Angehörige tragen jedes Jahr mit Millionen unbezahlter Arbeitsstunden dazu bei, ohne sie geht nichts, und die Leistungen der Pflegeversicherung wiegen ihr Engagement bei weitem nicht auf. Aber auch sie brauchen Fachpersonal an ihrer Seite, damit sie selbst den Alltag schaffen.

Die Bundesregierung, beim Pflegetag vertreten durch den Staatssekretär Andreas Westerfellhaus, räumt ein: Im vergangenen Monat waren fast 40.000 Arbeitsplätze in der Pflege nicht besetzt. Nur 25 Bewerber kommen auf 100 offene Stellen. Doch wundert sich die Koalition auch, dass ihre Bemühungen auf diesem Gebiet – Gesundheitsminister Jens Spahn hat die Pflege zur Chefsache gemacht – noch nicht so recht gewürdigt würden. Schließlich sei erst am 1. Januar 2019 ein eigenes "Pflegepersonalstärkungsgesetz" (PpSG) in Kraft getreten. Und tatsächlich bringt das Gesetz Verbesserungen. Nur, dass viele davon schlichtweg Korrekturen vormaliger Verrücktheiten und Absurditäten der deutschen Gesundheits- und Sozialpolitik sind.

Beispiel: Wann immer sich das Pflegepersonal Tariferhöhungen erstritt und seinen Beruf damit attraktiver machte, war die zuverlässige Reaktion von Krankenhäusern, Stellen abzubauen und ihre Kosten sofort wieder zu senken. Die Pflegekosten wurden in das Fallpauschalen-System DRG miteingerechnet. Seit vielen Jahren ist bekannt, dass diese Abrechnungsart, bei denen jede Behandlung einen festen Preis hat, zu teils grotesken Fehlanreizen führt: Die Krankenhäuser sind voll mit Patienten, die dort nicht sein müssten, aber die Fallzahlen auf das ökonomisch einträglichste Maß schrauben. Die Pflege wurde in diese Kostenoptimierungs-Spirale brutal hineingezogen. Das geschah sehenden Auges – und wird erst jetzt, 15 Jahre nach Einführung der Pauschalen, korrigiert, indem die Pflegekosten gesondert verrechnet werden.

Herzkatheter-Platz? Dann lieber fünf Pflegende anstellen

Franz Wagner, der Präsident des Deutschen Pflegerates hat deshalb recht, wenn er sagt: "Wir erreichen mit den vorhandenen Ressourcen und Strukturen offensichtlich mittelmäßige bis schlechte Qualität in der Wahrnehmung der Befragten. Der Ansatz, Effizienzsteigerung und Kostendämpfung durch Wettbewerb zu erreichen, hat das Gegenteil erreicht." Experten, sofern sie nicht radikalen Marktideologien anhängen, bestätigen das. Internationale Vergleichsstudien ebenfalls: Deutschland erreicht in der Versorgung alter und kranker Menschen nicht das Niveau, das seinem Wohlstand entspricht. Deshalb muss in den nächsten Jahren mehr getan werden: Es kann uns allen, einfaches Beispiel, viel mehr nützen, fünf Pflegekräfte einzustellen statt noch einen Tomografen oder Herzkatheter-Platz aufzustellen. Maschinen, auch Pflege-Roboter, auf die das völlig überalterte Japan setzt, sind nicht sexier als Menschen, die Zuwendung, Professionalität und Engagement an die Krankenbetten tragen. Die Älteren von uns wissen das. Die Jüngeren werden es noch erleben.

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Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.