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Pflegedienst in Großbritannien: Plötzlich krank - Pfleger müssen 55 Euro Strafe zahlen

Pfleger in Großbritannien müssen 55 Euro Strafe zahlen, wenn sie überraschend krank werden. Selbst bei einem Unfall auf dem Weg zur Arbeit wurde das Geld vom Lohn einbehalten.

Newcross Healthcare bestraft kranke Mitarbeiter (Symbolfoto).

Newcross Healthcare bestraft kranke Mitarbeiter (Symbolfoto).

Getty Images

Newcross Healthcare ist einer der größten Personaldienste für medizinisches Personal in Großbritannien. Der "Guardian" hat nun aufgedeckt, dass Mitarbeiter, die sich per Telefon krank melden, eine Strafe von 50 Pfund zahlen müssen. Umgerechnet sind das etwa 55 Euro.

Krank werden ist nur erlaubt, wenn es mindestens 24 Stunden vor Schichtbeginn "angemeldet" wird. Dann wird die Buße nicht fällig. Derartige Bußen sind nicht legal, darum wartet Newcross Healthcare wohl auch nicht ab, dass die Mitarbeiter die Summe überweisen. Die Firma nutzt ihre Position als Arbeitgeber schamlos aus, die Buße wird kurzerhand vom Gehalt abgezogen.

Nach dem Bericht des "Guardian" kündigte Newcross Healthcare an, dass es diese Gebühr bis April 2019 streichen würde. Die Firma wollte sich nicht zu einzelnen Fällen äußern, betonte aber, dass alle Mitarbeiter die "wirklich krank" waren, keine Buße hätten zahlen müssen.

Einnahmen auf Kosten der Beschäftigten

Die Informationen der Zeitung besagen freilich etwas anderes. Schon im Mitarbeiterhandbuch des Unternehmens heißt es: "Es ist wichtig, dass Sie eine geplante oder ungeplante Abwesenheit so schnell wie möglich mitteilen, da dies erhebliche Schwierigkeiten und Kosten verursachen kann. (…) Wenn Sie einen Auftrag von uns angenommen haben und später nicht ohne angemessene Vorankündigung oder triftigen Grund teilnehmen, behalten wir uns das Recht vor, eine Verwaltungsgebühr zu erheben, die gemäß Ziffer 6.14 Ihres Arbeitsvertrags von Ihnen eingezogen werden kann".

Eine Angestellte sagte dem "Guardian", sie hätte einen Autounfall auf dem Weg zur Arbeit gehabt und sei schwer verletzt worden. Auch ihr habe man die 50 Pfund berechnet. Als sie sich beklagte, sei sie am Telefon ausgelacht worden. Eine Arbeitnehmerin, die unter Schwindelanfällen wegen einer Schwangerschaft litt, wurde trotz eines ärztlichen Attestes bestraft. Ein weiterer Arbeiter gab an, er habe die Gebühr sogar nach Fehlzeiten wegen einer Krebserkrankung bezahlen müssen.

Eileen Chubb, von Compassion in Care, einer NGO, die sich für die Verbesserung der Pflege einsetzt, sagte dem Blatt zu der Praxis: "Es ist obszön, dass ein Unternehmen, das Millionen von Pfund Gewinn macht, 50 Pfund von den Löhnen der Pflegekräfte, die sich krank melden, abziehen ", sagte sie. "Es erhöht das Risiko, dass Pflegekräfte zur Arbeit kommen, wenn es ihnen nicht gut geht." Das gefährde auch die älteren Menschen, die auf die Pflege angewiesen sind. "Wenn jemand schlecht bezahlt wird, sind 50 Pfund eine Menge Geld." Ins Bild passt, dass das Unternehmen unter der Kontrolle einer Firma steht, die im Steuerparadies Gibraltar registriert ist. 

Quelle: "Guardian" - British care company fines workers £50 for calling in sick

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