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Fragen und Antworten Fälle nach Corona-Infektionen: Was über die seltene Erkrankung "Schwarzer Pilz" bekannt ist

Mukormykose Schwarzer Pilz: Ein Patient wird untersucht
Ein Patient mit Verdacht auf Mukormykose wird in Indien von einem Arzt untersucht. Die Aufnahme entstand im Mai.
© Javed Dar/ / Picture Alliance
Derzeit wird im Zusammenhang mit Corona-Infektionen viel über die Erkrankung "Schwarzer Pilz" berichtet. Eine Infektion ist normalerweise sehr selten und für gesunde Menschen keine Gefahr. Ein Überblick über die wichtigsten Infos. 

Infektionen mit dem "Schwarzen Pilz" sind normalerweise extrem selten und werden am ehesten unter Menschen mit geschwächtem Immunsystem beobachtet. In dem besonders von Corona gebeuteltem Indien mehrten sich die Infektionen zuletzt jedoch – Tausende Menschen erkrankten. Allein im Bundesstaat Maharashtra starben nach Angaben von "The Indian Express" bislang mehr als 1200 Menschen daran.

Auch anderswo auf der Welt wird von Mukormykose-Fällen in Zusammenhang mit Covid-19-Erkrankungen berichtet, etwa in Bolivien oder dem Irak. Was ist über die Ursachen bekannt? Und welche Faktoren tragen zu einer Infektion bei? Ein Überblick.

Was weiß man über den Erreger der Krankheit?

Nach Angaben der US-Gesundheitsschutzbehörde CDC löst eine bestimmte Gruppe von Schimmelpilzen – Pilze der sogenannten Ordnung Mucorales – die Erkrankung aus. Mucorales kommen weltweit vor und leben natürlicherweise in der Umwelt, vor allem in Böden und sich zersetzenden organischen Stoffen wie Laub. Die Erreger sind unter anderem auch in Komposthaufen oder morschem Holz zu finden. 

Die meisten Arten dieser Pilze sind für den Menschen "vollkommen harmlos", heißt es dazu auf der Seite des Leibniz-Instituts für Naturstoff-Forschung und Infektionsbiologie. Nur einige wenige von ihnen könnten bei Menschen, die entsprechend gesundheitlich vorbelastet sind, zu einer Infektion führen.

Wie kommt es zu Infektionen?

Durch Kontakt mit den Erregern: Menschen können die Sporen der Pilze einatmen oder aber sie dringen in selteneren Fällen durch verletzte Hautstellen in den Körper ein. Die gute Nachricht ist: Das Immunsystem von gesunden Menschen ist in der Lage, die Infektion abzuwehren.

Es kann aber vorkommen, dass die körpereigene Abwehr geschwächt ist – beispielsweise durch Medikamente, die das Immunsystem unterdrücken, oder durch bestimmte schwere Erkrankungen. In seltenen Fällen kann es dann zu einer Infektion kommen.

Gibt es Menschen, die besonders gefährdet sind?

Die wenigen Mukormykose-Infektionen, die es gibt, finden sich vor allem bei Menschen mit einem geschwächten oder unterdrückten Immunsystem. Betroffen können mitunter Krebspatientinnen und -patienten sein oder Personen, die eine Organspende beziehungsweise eine Stammzellenspende erhalten haben. Auch Frühgeborene oder Menschen mit einem Mangel an bestimmten weißen Blutkörperchen haben ein erhöhtes Risiko. Schwere Verletzungen, Mangelernährung, Diabetes oder eine länger andauernde Therapie mit Kortisonpräparaten können Patienten ebenfalls anfälliger für eine Infektion machen. Kortison ist einer von vielen Wirkstoffen aus der Gruppe der Glukokortikosteroide. Die Präparate kommen vor allem bei entzündlichen Erkrankungen zum Einsatz und schwächen die Immunabwehr.

Ist die Infektion ansteckend?

Nein. Nach Angaben der CDC kann sich die Infektion nicht von Mensch zu Mensch übertragen. Auch eine Übertragung zwischen Mensch und Tier gilt als ausgeschlossen.

Welche Symptome treten auf?

Die Infektion äußert sich in der Regel mit schwarzen Stellen, die sich auf der Nase oder im Mund bilden und schnell größer werden. Das bedrohliche Erscheinungsbild hat der Infektion auch den Namen "Schwarzer Pilz" eingehandelt. Betroffene können zudem Schwellungen im Gesicht entwickeln, sie klagen über Fieber und Kopfschmerzen. 

Grundsätzlich kann die Infektion aber auch andere Körperstellen betreffen – etwa die Haut, die Lunge oder den Magen-Darm-Trakt. Je nach betroffener Körperstelle können die Symptome variieren.

Wie häufig sind Infektionen?

Üblicherweise ist die Infektion eine Rarität, vor allem in westlichen Ländern. In den USA untersucht die CDC nach eigenen Angaben nur einige wenige Fälle pro Jahr. Anhand von Daten aus den 90er Jahren schätzt die Behörde, dass die Häufigkeit bei etwa 1,7 Fällen je einer Million Menschen und Jahr liegt. 

Wie gefährlich ist eine Infektion mit dem "Schwarzen Pilz"?

Wenn es zu der seltenen Erkrankung kommt, schreitet sie schnell voran und ist sehr aggressiv – Gegenmaßnahmen müssen früh eingeleitet werden. Die Therapie besteht unter anderem darin, infiziertes und abgestorbenes Gewebe zu entfernen. Erkrankte können mitunter Teile ihres Gesichts verlieren. Patientinnen und Patienten erhalten zudem Antimykotika – also Mittel, die Pilzinfektionen bekämpfen. 

Die Sterblichkeit ist dennoch sehr hoch und liegt nach Angaben der CDC bei etwa 54 Prozent.

Wenn die Erkrankung nicht neu und so selten ist – warum wird dann aktuell so viel über sie berichtet?

In Indien häuften sich zuletzt die Fälle der Erkrankung, während gleichzeitig viele Menschen am Coronavirus erkrankten. Aktuell wird zudem über den Fall eines Covid-19-Genesenen in Bolivien berichtet.

Dass die Infektion aktuell häufiger beobachtet wird, liegt aber nicht daran, dass sich die Schimmelpilze ausbreiten oder gehäuft auftreten, sondern womöglich an der wachsenden Zahl schwer erkrankter Covid-Patienten, die anfällig für den Erreger sind. Schwere Corona-Verläufe werden unter anderem mit Steroiden, darunter Kortison, behandelt. Studien zeigten, dass diese Medikamente die Sterblichkeit von Covid-Erkrankten deutlich reduzieren können.

Werden Steroide jedoch unsachgemäß angewendet, kann das Nebenwirkungen zur Folge haben – zum Beispiel kann das Risiko für weitere Infektionen steigen, wenn das Immunsystem über einen längeren Zeitraum unterdrückt wird. "Die Leute haben angefangen, sie reichlich, übertrieben und unangebracht einzusetzen", wird etwa Srinath Reddy von der Public Health Foundation of India von der "Tagesschau" zitiert. 

Hinzu kommt: In Indien war die Mukormykose-Quote schon vor der Corona-Pandemie mit schätzungsweise 140 Erkrankten pro einer Million Einwohnern vergleichsweise hoch. Wahrscheinlich liegt das an der hohen Diabetes-Rate im Land – die Erkrankung ist ein Risikofaktor für die Infektion. Eine kürzlich veröffentlichte Studie kommt zudem zum Ergebnis, dass 94 Prozent der untersuchten Covid-19-Patienten, die sich zusätzlich mit dem "Schwarzen Pilz" infiziert hatten, auch an Diabetes litten. Wahrscheinlich spielt also eine ungünstige Konstellation mehrerer Faktoren eine Rolle.

Welche weiteren Faktoren begünstigen Erkrankungen mit dem "Schwarzen Pilz"?

Die meisten Erkrankungen mit dem "Schwarzen Pilz" treten sporadisch auf. Es kann jedoch auch lokal zu Häufungen kommen, zum Beispiel infolge von Naturkatastrophen und damit einhergehender Traumata. Infektionen werden teils auch in Kliniken aufgrund von mangelnder Hygiene erworben, was vor allem in Ländern mit schlechter medizinischer Versorgung ein Problem sein kann. Als mögliche Auslöser gelten eine schlechte Luftfilterung oder kontaminierte Gebäude. 

Quelle: Centers for Disease Control and Prevention (CDC) / Leibniz-Institut / mit DPA-Informationen


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