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Bundeswehreinsatz verlängert "Jedes einzelne Leben zählt" – Oberstarzt über Corona-Lage in Portugal


Seit zwei Wochen ist ein Sanitätsteam der Bundeswehr im Corona-Einsatz in Portugal. Trotz der sinkenden Infektionszahlen berichtet Oberstarzt Dr. Evers von vollen Intensivstationen und erklärt, warum die Verlängerung der Unterstützung vor Ort "unheimlich wichtig" ist.

Im Januar hatte sich die Corona-Lage in Portugal dramatisch zugespitzt. Die Krankenhäuser füllten sich rasant, Intensivbetten und Sauerstoff wurden knapp und vor den Notaufnahmen stauten sich die Rettungswagen. Einige Hospitäler mussten sogar externe Kühlcontainer aufstellen, um die Menge an Covid-Toten zu bewältigen.

Nach einem Hilferuf des portugiesischen Gesundheitsministeriums, startete am 3. Februar ein Bundeswehr-Sanitätsteam mit 26 Soldatinnen und Soldaten in Richtung Lissabon. "Der erste Eindruck war ganz klar die überschwängliche Dankbarkeit der portugiesischen Bevölkerung, die wir auch heute noch erleben", berichtet Kommandeur Oberstarzt Dr. Jens-Peter Evers im Gespräch mit dem stern.

Einsatzleiter: "Wir sind also auf jeden Fall gut beschäftigt"

Sein Team hat im Krankenhaus Hospital da Luz eine eigene Intensivstation übernommen, da aufgrund der vielen Covid-Patienten dort nicht mehr genügend Personal für alle Stationen verfügbar war. Im Moment seien dort sechs von acht Intensivbetten belegt. "Aber immer, wenn wir anzeigen, dass wir weitere aufnehmen können, dann kriegen wir auch direkt neue schwerkranke Fälle aus anderen Krankenhäusern zugewiesen", erzählt der Oberstarzt. "Wir sind also auf jeden Fall gut beschäftigt."

Wie groß in Lissabon der Bedarf an Intensivbetten ist, zeige auch, dass in anderen Hospitälern viel Arbeit anfalle und täglich viele Rettungswagen unterwegs seien. "Es gibt einfach immer noch viel zu viele schwer an Covid erkrankte Patienten", sagt Dr. Evers.

Zum Glück sei das Hospital da Luz sehr gut ausgestattet und auch die Zusammenarbeit mit den portugiesischen Kollegen laufe "hervorragend", berichtet der Einsatzleiter. Für sein eigenes Team findet er ebenfalls lobende Worte: "Ich bin echt stolz auf die Jungs und Mädels! Die arbeiten wie aus einem Guss und das ist wirklich fantastisch."

"Wir können da wirklich was zu beitragen"

Seit circa zwei Wochen gehen die Infektionszahlen in Portugal deutlich zurück – von täglich über 10.000 auf nur noch 1500. Verteidigungsministerin Kramp-Karrenbauer hat den Bundeswehr-Einsatz am 12. Februar dennoch auf weitere sechs Wochen verlängert. Eine Entscheidung, die Oberstarzt Dr. Evers "für vollkommen richtig" hält.

Die sinkenden Infektionszahlen bedeuteten ja nicht automatisch, dass das Gesundheitssystem weniger stark belastet werde – und dass es weniger Patienten gäbe, die intensiv gepflegt werden müssen, erklärt Dr. Evers. Jede Unterstützung sei hier daher "unheimlich wichtig". "Auch wenn die Zahlen sinken, jedes einzelne Leben zählt und wir können da wirklich was zu beitragen", bringt es der Einsatzleiter auf den Punkt.

Um eine reibungslose Übergabe zu gewährleisten, werden die nachfolgenden Kameraden schon jetzt durch Videokonferenzen auf ihren Einsatz vorbereitet. Für Oberstarzt Dr. Evers und sein Team geht es am 25. Februar wieder zurück nach Deutschland – und dann heißt es erstmal alle für 14 Tage in Quarantäne.


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