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Coronavirus-Tote Das Sterben geht weiter – und beschert Deutschland traurigen Platz in weltweiter Statistik

Ein Mann mit grau melierten Locken und randloser Brille schaut ernst. Im Hintergrund eine blaue Wand
Sehen Sie im Video: RKI-Präsident Lothar Wieler fordert strengere Corona-Maßnahmen.






Lothar Wieler, Präsident des RKI, sagt am 14. Januar 2021 zur Corona-Lage in Deutschland: "Es ist die Möglichkeit, dass man hier und da einfach noch ein bisschen nachschärft. Das kann ich nur anekdotisch belegen, nicht systematisch erfasst, aber ich weiß es, dass es in manchen Städten könnte man auch z.B. Homeoffice durchführen. Man würde schlichtweg dem Virus weniger Chancen geben." "Der Begriff Lockdown ist ein sehr unspezifischer Begriff. Ich denke, Professor Borgmann hat sehr schön gezeigt, dass dieser Lockdown nicht so effektiv ist wie derjenige, den wir im Frühjahr hatten. Also ganz offensichtlich wird er nicht mit demselben Verve durchgezogen. Woran das liegt, das kann ich im Einzelnen nicht sagen. Ich weiß nur, dass es in allen Bereichen noch Luft nach oben gibt, diese Dinge wirklich genau so konsequent zu machen, wie sie gewünscht und gefordert werden." "Der Aspekt mit den Toten bedrückt mich enorm. Und da bin ich ja nicht der Einzige. Und es ist auch nicht so, dass ich jede Nacht gut schlafe mit diesen Todeszahlen. Die Mehrheit dieser Toten, sehr, sehr viele dieser Toten, finden wir leider in Pflegeheim und Altenheim und diese müssen schlichtweg besser geschützt werden. Die Konzepte müssen in jedem Alten- und Pflegeheim umgesetzt werden." "Auch ich wünsche Ihnen ein gutes neues Jahr und am Ende dieses Jahres werden wir diese Pandemie kontrolliert haben, meine Damen und Herren."
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Fast elf Menschen auf eine Million Einwohner sterben derzeit täglich in Deutschland mit oder am Coronavirus – mehr als in den Vereinigten Staaten, Italien oder Brasilien.

Vom Musterschüler zum Sorgenkind: In Deutschland kennt die Zahl der Menschen, die infolge einer Coronavirus-Infektion sterben, seit Oktober nur eine Tendenz: Sie steigt.

Zuletzt verzeichnete das Robert-Koch-Institut (RKI) einen traurigen Rekord: 1244 neue Tote – an nur einem Tag. Insgesamt sind laut RKI bislang 43.881 Menschen in Deutschland an oder mit einer Sars-CoV-2-Infektion gestorben.

Die dramatisch hohen Sterbezahlen hierzulande führen inzwischen dazu, dass Deutschland sich in den globalen Statistiken zur Covid-19-Sterblichkeit immer weiter nach vorne schiebt.

Im Verhältnis zur Einwohnerzahl liegt die Sterberate hier bereits höher als in den Vereinigten Staaten, die als der globale Hotspot der Pandemie gelten. 

Grafiken zeigen hohen Anteil an Coronavirus-Toten

Den Zahlen der Johns-Hopkins-Universität in Baltimore zufolge sterben im gleitenden Sieben-Tage-Schnitt inzwischen täglich 10,68 Menschen auf eine Million Einwohnerinnen und Einwohner, in den USA hingegen "nur" 10,2. Die Kurve für Deutschland zeigt dabei weiterhin nach oben, während jene der Vereinigten Staaten sich offenbar abflacht, wie die Visualisierung des Datendienstleisters "Our World in Data" zeigt.

Anmerkung: Die Darstellung zeigt den sogenannten gleitenden Sieben-Tages-Mittelwert. Bei gleitenden Mittelwerten werden Zeitreihen durch das Entfernen von Ausschlägen geglättet.

Was die derzeitige Todesrate gemessen an der Bevölkerungsgröße angeht, liegt Deutschland global aktuell auf Platz sieben. Einstige Hotspots wie Italien, Spanien oder Brasilien folgen erst mit Abstand. Trauriger Spitzenreiter ist derzeit unser Nachbarland Tschechien, gefolgt vom Vereinigten Königreich und Litauen.

Gründe für die hohen Todeszahlen in Deutschland gibt es viele, zum Beispiel die hohe Zahl der Infizierten unter den hochbetagten Personen, die besonders von einem tödlichen Verlauf einer Covid-19-Erkrankung gefährdet sind. Aber vor allem zeigen die Zahlen eines: dass von einer Entspannung der Lage hierzulande noch lange nicht die Rede sein kann.

Vor dem Hintergrund der weiter alarmierend hohen Zahlen von Neuinfektionen und Toten hat am Donnerstag das RKI weitere Verschärfung der Lockdown-Regelungen auf Basis von Rechenmodellen als sinnvoll bezeichnet. Aus Modellierungen ergebe sich, dass die Regeln, die zu weniger Kontakten führen, verschärft werden müssten, sagte Dirk Brockmann, Epidemiologe am RKI. "Alle Modelle sind sich einig, dass das massiver und effektiver passieren muss", ergänzte er. "Damit wir in eine Phase kommen, dass die Inzidenz substanziell und schnell runtergeht. Das ist das Fazit, dass man aus den Fakten ziehen muss." RKI-Präsident Lothar Wieler sprach mit Blick auf strengere Ausgangsbeschränkungen von einer "Option".

Hinweis: Aufgrund unterschiedlicher Erhebungsmethoden können die Werte in den jeweiligen Statistiken von Robert-Koch-Institut und Johns-Hopkins-Universität in Einzelfällen geringfügig voneinander abweichen. Auch können sich die Erhebungsmethoden von Land zu Land unterscheiden.

Quellen: Robert-Koch-Institut, Johns-Hopkins-Universität, "Our World in Data", Nachrichtenagentur DPA

wue / Mitarbeit: roe

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