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Sars-CoV-2 bei Haustieren: Katzen können sich mit dem Coronavirus infizieren - Hunde eher nicht

Das Coronavirus breitet sich von Mensch zu Mensch aus. Doch wie steht es um Haustiere wie Hunde und Katzen? Eine kleine Studie liefert erste Hinweise. Grund zur Sorge besteht aber nicht.

Coronavirus: Hunde und eine Katze sitzen auf einem Sofa

Der Ursprung vieler Coronaviren liegt im Tierreich: Das Sars-1-Virus stammt vermutlich von sogenannten chinesischen Schleichkatzen - das Mers-Virus von Kamelen. Die Quelle des aktuellen Coronavirus Sars-CoV-2 ist dagegen nicht bekannt. Ähnliche Viren fanden Forscher zwar zunächst bei Fledermäusen, doch wahrscheinlich nutzte der Erreger einen Zwischenwirt, ehe er auf den Menschen überging.

Die ersten Fälle von Covid-19 wurden auf einem Wildtiermarkt in der chinesischen Metropole Wuhan festgestellt. Seitdem verbreitet sich das Virus rasend schnell über den gesamten Globus: Mehr als eine Million Menschen weltweit sind offiziell mit Sars-CoV-2 infiziert. Die Dunkelziffer dürfte beträchtlich sein.

Glückt dem Virus auch wieder der Sprung zurück ins Tierreich? Ist das Virus damit auch eine potenzielle Gefahr für Haustiere wie Hunde und Katzen? Das fragen sich aktuell viele Tierbesitzer. Für Schlagzeilen sorgte unter anderem der Fall eines Hundes aus Hongkong, bei dem genetisches Material der Viren nachgewiesen werden konnte. Unklar ist jedoch, ob das Tier wirklich mit dem Erreger infiziert war. Möglicherweise hatte es schlicht ein benutztes Taschentuch gefressen - oder seinem erkrankten Herrchen über die Hand geleckt. Auch das könnte einen Virennachweis zur Folge haben. Der Nachweis von viraler RNA allein bedeutet nicht, dass sich der Erreger im Wirt auch tatsächlich vermehren kann.

Chinesische Forscher sind dieser Frage nun unter wissenschaftlicheren Bedingungen nachgegangen: im Labor. Die Studie veröffentlichten sie auf einem sogenannten Pre-Print-Server. Sie wurde also noch nicht von unabhängigen Experten begutachtet.

Für die Untersuchung infizierten sie Haustiere mit einer größeren Virusmenge. Vor allem bei Katzen lieferte der Versuch interessante Erkenntnisse: In dem Hals-Nasen-Rachenbereich der Tiere, aber auch in den Mandeln konnten die Forscher mehrere Tage nach der Viren-Gabe lebensfähige Coronaviren nachweisen - ein Hinweis darauf, dass sich der Erreger in den Tieren vermehrt haben muss und damit eine Infektion vorliegt. In den Lungen der Tiere fanden die Forscher dagegen keine Viren.

Offenbar kann der Erreger auch von Katze zu Katze übertragen werden. Dies legt ein zweiter Versuch der Forscher nahe. Neben die Käfige von drei infizierten Tiere stellten sie je einen Käfig mit einer gesunden Katze. Im Kot eines der Tiere konnte im Anschluss das Virus nachgewiesen werden. Außerdem hatte es Antikörper gegen Sars-CoV-2 gebildet. Die Forscher glauben daher, dass das Virus via Tröpfcheninfektion von Tier zu Tier gelangt. Dass sich die anderen zwei Katzen nicht angesteckt haben, spricht jedoch nicht für eine hohe Infektiosität. Möglicherweise hatte sich die zuvor gesunde Katze auch anderweitig mit Sars-CoV-2 infiziert. Auch ein Verunreinigung bei der Auswertung der Proben wäre theoretisch denkbar. 

Erste Entwarnung geben die Forscher dagegen für Hunde: Bei mehreren Beagles konnte trotz ähnlichem Versuchsaufbau kein lebendes Virus nachgewiesen werden. "Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass Hunde eine geringe Anfälligkeit für Sars-CoV-2 haben", schreiben die Forscher. Gleiches gelte für Schweine, Hühner und Enten.

Coronavirus in Katzen - kein Grund zur Sorge

Dass das Virus in Katzen nachgewiesen werden konnte, bedeutet jedoch nicht, dass die Tiere im Umkehrschluss Menschen damit anstecken können. Zum einen war die Anzahl der getesteten Tiere sehr gering, sodass sich daraus keine allgemeinen Schlüsse ableiten lassen. Zum anderen wurden die Tiere mit einer hohen Dosis Viren infiziert - eine Situation, die es in einem normalen Haushalt nie geben wird. Wie die Virologin Linda Saif gegenüber "Nature" erläuterte, gebe es keinerlei Hinweise, dass Katzen genügend Viren ausstoßen um einen Menschen infizieren zu können.

Coronavirus: Hunde und eine Katze sitzen auf einem Sofa

Keine der Sars-Katzen habe Krankheitssymptome gezeigt. Zudem habe sich nur eine Katze im Käfig-Versuch mit dem Erreger angesteckt. "Das deutet darauf hin, dass das Virus bei Katzen möglicherweise nicht hoch übertragbar ist", so Saif. 

Sollten Haustierbesitzer aber trotzdem auf Nummer sicher gehen und Abstand zu ihren Liebsten einhalten? Kuscheln muss auch trotz Corona nicht verboten sein, sagte der Tierarzt Achim Gruber kürzlich im Gespräch mit der Deutschen-Presse-Agentur: "Wenn ein Tier gut geschützt ist, also regelmäßig entwurmt und durchgeimpft, birgt Nähe aus medizinischer Sicht auch jetzt überhaupt kein großes Risiko - Kuscheln ist erlaubt. Vorsichtig sollten jedoch wie sonst auch Menschen mit einer schweren Immunschwäche sein. Sie sollten grundsätzlich mehr Abstand zu Tieren halten."

ikr
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