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Covid-19 Wer kann sich testen lassen? Wer zahlt dafür? Das hat sich bei den Corona-Tests geändert

Wer sollte sich aktuell auf Corona testen lassen?
Rund eine Million Corona-Tests pro Woche können die Labore in Deutschland mittlerweile durchführen.
© Getty Images
Vor einigen Wochen haben die Testlabore noch geächzt unter dem Ansturm der Corona-Verdachtsfälle. Heute sind die Testkapazitäten groß, doch die vermutlich Infizierten bleiben weg. Das könnte dramatische Folgen haben. Wer sich aktuell testen lassen sollte, erfahren Sie hier. 

Während das öffentliche Leben langsam wieder in Gang kommt und die Corona-Fallzahlen weiter sinken, wird es auch in den Testlaboren immer ruhiger. Zu ruhig, könnte man sagen. Obwohl mittlerweile rund eine Million Tests pro Woche möglich wären, werden die Kapazitäten nur zu etwa einem Drittel ausgeschöpft, wie das Robert Koch-Institut (RKI) berichtet. Dabei könnte eine flächendeckende Testung eine zweite Infektionswelle in Deutschland verhindern – besonders jetzt, da sich die Begegnungsorte wieder füllen. Warum lassen sich so wenige Menschen testen?

Wer sich aktuell testen lassen sollte

Zu Beginn der Corona-Pandemie waren die Hürden für einen Test zugegebenermaßen recht hoch. Überall hörte man von Verdachtsfällen, die Kontakt zu infizierten Personen hatten, aber nirgendwo getestet werden konnten. Die Labore brauchten Zeit, um die aktuellen Kapazitäten aufzubauen. Jetzt ist der Stand ein anderer, und auch die Vorraussetzungen für einen Test wurden vom RKI deutlich gelockert. Jede Atemwegserkrankung mit gewöhnlichen Symptomen wie Husten oder Fieber ist nach Angaben des Instituts Grund genug, um auf Coronaviren getestet zu werden. In einem Infoblatt für Ärzte nennt das RKI drei grundlegende Testkriterien:

  • Akute respiratorische (die Atmung betreffende) Symptome jeder Schwere und/ oder Verlust von Geruchs-/ Geschmackssinn bei allen Patienten unabhängig von Risikofaktoren.
  • Kontakt zu bestätigtem Covid-19 Fall bis max. 14 Tage vor Erkrankungsbeginn und jegliche mit Covid-19 vereinbare Symptome.
  • Klinische oder radiologische Hinweise auf eine virale Pneumonie (Lungenentzündung) und Zusammenhang mit einer Häufung von Pneumonien in Pflegeeinrichtung/ Krankenhaus.

Wo muss ich mich melden?

Treffen einer oder mehrere dieser Punkte auf Sie zu, sollten Sie sich testen lassen. Dafür müssen Sie sich telefonisch beim Hausarzt, dem Gesundheitsamt oder dem ärztlichen Bereitschaftsdienst (unter der Nummer: 116 117) anmelden. Ihr Hausarzt, bzw. die Ärzte beim Gesundheitsamt und dem Bereitschaftsdienst entscheiden dann anhand einer kurzen telefonischen Sprechstunde, ob ein Corona-Test sinnvoll und notwendig ist. Ist das der Fall, werden Sie zu einem Testzentrum weitervermittelt oder erhalten einen Termin für einen Hausbesuch. 

Was kann ich tun, wenn mir ein Test verweigert wird?

Nicht alle Ärzte sind gut informiert oder haben genug Zeit, die Beschwerden ihrer Patienten am Telefon richtig einzuordnen. Selbst die offiziellen Seiten der Bundesländer verweisen teils auf veraltete Testkriterien, wie im Falle des Landes Niedersachsen. Auf dessen Seite heißt es weiterhin, der Kontakt zu einem Infizierten oder bestimmte Vorerkrankungen seien notwenig, um einen Test durchführen zu lassen (Stand: 10.06.20, 15 Uhr).

Wenn Ihnen ein Test verweigert wird, sollten Sie sich auf die aktuellen Testkriterien des RKI (oben aufgelistet) berufen. Nutzen Sie auch die Anmeldungswege über das Gesundheitsamt oder den ärztlichen Bereitschaftsdienst, sollte Ihr Hausarzt Ihr Anliegen zurückweisen. Viele Bundesländer haben außerdem spezielle Corona-Hotlines eingerichtet, die Informationen bereithalten und in solchen Fällen helfen können. 

Wer bezahlt den Corona-Test?

Einmal vorweggenommen: Niemand, der sich testen lassen möchte, muss diesen Test mit eigenen Mitteln bezahlen. Aus einer Verordnung, die Gesundheitsminister Jens Spahn am Dienstag veröffentlichte, geht das deutlich hervor. Bisher wurden Tests auf Covid-19 nur von den gesetzlichen Krankenkassen gezahlt, wenn der zu Testende die typischen Symptome aufwies. Nach den neuen Beschlüssen können rückwirkend ab dem 14. Mai auch Laborkosten für Tests bei Personen übernommen werden, die keine Symptome zeigen. Damit ebnet Spahn den Weg für umfassende Tests in Gesundheitseinrichtungen, Schulen und Kitas. In Schulen und Kitas sollen Testungen erfolgen, wenn mindestens ein Corona-Fall innerhalb der Einrichtung bestätigt wurde. Für Pflegeheime können präventive Reihentests verordnet werden, ohne dass ein bekannter Fall vorliegt. Ob so ein Reihentest durchgeführt wird, entscheidet das zuständige Gesundheitsamt. In Krankenhäusern soll nach der neuen Verordnung konkret jeder neu eingewiesene Patient präventiv getestet werden.

Werden Privatpatienten jetzt auf Kosten der gesetzlichen Krankenkassen getestet?

Das Gesundheitsministerium legt die Kosten für die neuen, präventiven Reihentests ausschließlich in die Hände der gesetzlichen Krankenkassen. Private Krankenkassen und Nicht-Versicherte bleiben von der Kostenübernahme ausgenommen. Sollten die groß angelegten Tests so durchgeführt werden, wie Spahn vorschlägt, könnten enorme Kosten auf die gesetzlichen Krankenkassen zukommen. Wie ein Pressesprecher der Techniker Krankenkasse auf Nachfrage berichtet, setzen sich die Gesetzlichen für eine Erstattung dieser Kosten durch den Staat ein.

Was kostet ein Corona-Test?

Für jeden Test werden pauschal 50,50 Euro berechnet. Diese kosten beinhalten den Nukleinsäurenachweis des beta-Coronavirus Sars-CoV-2 sowie die ärztlichen Laborleistungen, Versandmaterial und Transportkosten.

Quellen: Robert Koch-Institut, Bundesministerium für Gesundheit, Deutscher Hausärzteverband, Techniker Krankenkasse

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