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Laufen und Gewicht Warum es beim Laufen nicht nur ums Abnehmen gehen sollte

Eine Frau joggt an einem Sommertag und freut sich über ihren Trainingserfolg
Laufen taugt nur bedingt zum Abnehmen. Die Gute Nachricht: Ein paar Kilo zu viel sind überhaupt nicht schlimm.
© Getty Images
Viele laufen, um abzunehmen. Leider funktioniert die Rechnung "Mehr Bewegung gleich weniger Gewicht" nicht so einfach. Wir erklären, wie Laufen uns trotzdem gesünder werden lässt.

Gerade Frauen joggen, um sich wohl zu fühlen. Und dazu gehört auch, dass sie immer gerne ein paar Gramm weniger auf den Hüften und am Bauch hätten. Leider funktioniert die Rechnung mehr Bewegung gleich weniger Gewicht nicht so einfach.

Denn Sport ist viel weniger effektiv, als wir gerne glauben. Hier die brutale Wahrheit. Wer ungefähr 500 Gramm abnehmen will, müsste jede Woche 56 Kilometer stramm laufen, sagt die Deutsche Gesellschaft für Sportmedizin und Prävention. Und wer jede Woche 32 Kilometer schnellen Schrittes geht, nimmt in acht Monaten gerade mal frustrierende 3,5 Kilogramm ab. Das scheint auf den ersten Blick viel Aufwand für wenig Effekt zu sein.

Aber, nicht gleich die Schuhe in die Ecke pfeffern. Denn es lohnt sich trotzdem weiter rennen. Weil wir uns danach besser und glücklicher fühlen. Und weil wir uns nach der erfolgreichen Laufrunde manchmal für kleine Superheldinnen halten. Natürlich hellt Laufen die Stimmung auf. Studien haben inzwischen belegt, dass regelmäßige Bewegung bei Depressionen und depressiven Verstimmungen so gut wirken kann wie Medikamente.

Aber es gibt auch Hoffnung, was unser "Hüftgold" angeht. Denn hat man sein Gewicht durch eine Diät reduziert, hilft Sport sehr effektiv dabei, es zu halten. Ohne ständig auf die Kalorien achten zu müssen. Denn durch regelmäßiges Lauftraining bauen wir im Laufe der Zeit Muskelmasse auf. Und Muskeln verbrauchen mehr Energie als Fett. Eine Faustformel sagt, jedes Kilo Muskeln verbrennt pro Woche bis zu 700 Kalorien mehr. Sogar wenn wir faul auf dem Sofa hocken, verbrauchen die neu aufgebauten Muskeln noch Energie.

Ohnehin ist das ein oder andere Pfund mehr wohl gar nicht so schädlich. Es gibt mittlerweile Studien, die den Idealgewichts-Wahnsinn entschärfen. Einige Forscher wollen sogar Belege gefunden zu haben, dass Dicke länger leben als Schlanke. Laut der Gesundheitswissenschaftlerin Ingrid Mühlhauser von der Universität Hamburg haben Menschen mit einem Body Mass Index (BMI) von 27 eine höhere Lebenserwartung als die mit niedrigeren BMI. Bei einer Körpergröße von 1,70 Metern sind das etwa 78 Kilogramm. Viel mehr sollte es nicht sein, ab einem BMI von 30 steigt die Sterblichkeitsrate deutlich. Entscheidend dafür scheint zu sein, wo das Fett am Körper sitzt. An den Hüften oder Po ist es nur ein harmloser Energie-Speicher. Am Bauch und rund um die inneren Organe sendet es gefährliche entzündungsfördernde Stoffe ab. 

Laufen senkt das Unfallrisiko

Und auch jenseits des Gewichts lohnt es sich Laufen zu gehen. Die gesundheitlichen Effekte sind enorm. Eine halbe Stunde körperliche Aktivität am Morgen senkt zum Beispiel den systolischen Blutdruck für den ganzen restlichen Tag. Und zwar genauso gut wie eine Tablette gegen Bluthochdruck. Forscher des angesehenen Cooper Institutes in Dallas fanden heraus, dass selbst Läufer, die nur langsam und sporadisch trainieren, im Durchschnitt bis zu drei Jahre länger leben als ihre inaktiven Zeitgenossen. Sogar Raucher und Übergewichtige profitieren.  

Und zu guter letzt erinnere ich mich auch an die wichtige Geschichte, dir mir mal ein Sportwissenschaftler erzählt hat. Er sagte: ""Wenn Sie irgendwann alt sind und an einer Bordsteinkante ins Stolpern kommen, ist es entscheiden, ob Sie vorher durch regelmäßige Bewegung Muskeln aufgebaut haben. Mit Muskeln bleibt es bei einem Stolperer - ohne landen Sie mit einem Oberschenkelhalsbruch im Krankenhaus." Er schob dann lächelnd hinterher: "Sie sollten auch nie einer alten Dame im Zug ihren Platz anbieten. Stehen hält fit." Fies – aber wahr.


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