Diabetesprävention Regelmäßig den Blutzucker checken


Bundesweit leiden rund sieben Millionen Erwachsene an der Volkskrankheit Diabetes. Die Zahl der betroffenen Kinder steigt jährlich um drei bis vier Prozent. Zum Weltdiabetestag hat stern.de die wichtigsten Fakten zur Vorbeugung und Behandlung zusammengefasst.
Von Marika Muster

Als der Arzt und spätere Nobelpreisträger Frederick Banting 1921 das Insulin erstmals als Wirkstoff gegen den Diabetes mellitus entdeckte, war das eine Sensation. Denn obwohl man die Zuckerkrankheit schon seit mehr als 2000 Jahren kannte, endete die chronische Stoffwechselerkrankung bis dahin fast immer tödlich. Heutzutage können Betroffene dank der Medikamente weitestgehend beschwerdefrei leben. Dennoch sollte die Erkrankung nicht unterschätzt werden. Wird der Diabetes nicht rechtzeitig behandelt, kann es zu Durchblutungsstörungen, Herzinfarkt oder Schlaganfall kommen, aber auch zu Nervenschäden, Nierenleiden oder Veränderungen der Netzhaut. "Nicht selten gehen Patienten mit Sehstörungen zum Augenarzt und erhalten die Diagnose Diabetes", erklärt Dr. Hermann Finck (60), Facharzt für Innere Medizin, Diabetologe und stellvertretender Bundesvorsitzender des deutschen Diabetiker Bundes. Dabei kann man mit Blutzuckertests die Werte ganz leicht kontrollieren. Anlässlich des Weltdiabetestages bieten zahlreiche Apotheken Präventionsaktionen an, auch für Kinder und Jugendliche, die immer häufiger betroffen sind.

Zerstörerische Antikörper und fehlende Zellschlüssel

Doch was ist Diabetes überhaupt? Unser Organismus benötigt das Hormon Insulin, das der Körper normalerweise in der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) produziert, um den Blutzuckerspiegel zu regulieren. Bei einer Diabeteserkrankung findet die Produktion je nach Variante gar nicht oder nur eingeschränkt statt. Bei dem Typ-1-Diabetes werden die zuständigen Zellen von körpereigenen Antikörpern zerstört. "Wieso der Organismus so reagiert, ist noch nicht vollständig geklärt", sagt Finck. "Häufig spielen aber Virusinfekte eine Rolle." Fest steht aber, dass die Autoimmunerkrankung meist schon im Kindes- oder Jugendalter auftritt und ein Leben lang mit Insulin behandelt werden muss.

Wesentlich häufiger tritt allerdings Typ-2-Diabetes auf. Über 90 Prozent der Diabetiker sind von ihm betroffen. Bundesweit leiden nach Schätzungen rund sieben Millionen Erwachsene am Typ-2-Diabetes, der oft auch als Altersdiabetes bezeichnet wird. Bis zum Jahr 2010 rechnen Experten mit bis zu zehn Millionen Betroffenen. Während man früher dachte, der Typ 2 käme nur bei älteren Menschen vor, weiß man heute, dass auch Jugendliche betroffen sind. Mittlerweile erkranken jährlich rund 200 Kinder in Deutschland am Typ-2. Meist ist Übergewicht mit im Spiel, außerdem eine zu geringe Insulinproduktion oder eine Unempfindlichkeit gegenüber dem Hormon. "Ist der Insulin-Rezeptor, der wie ein Schlüssel funktioniert, defekt, gelangt der lebensnotwenige Zucker nicht in die Zelle", erklärt Finck. Dort soll er eigentlich verbrannt werden, um Energie zu gewinnen. Stattdessen staut er sich in der Blutbahn auf, verstopft die Gefäße und hemmt die Nervenfunktion. Ein Teil des Zuckers wird in die Niere gespült und über den Urin ausgeschieden. Daher hat der "Diabetes mellitus" auch seinen Namen: Aus dem griechischen und lateinischen übersetzt heißt die Krankheit "honigsüßer Durchfluss".

Durst und Heißhunger können Warnsignale sein

Da dem Körper, vor allem den Muskeln, durch das mangelnde Insulin Energie fehlt, fühlen sich Betroffene extrem abgeschlagen und müde. Zudem sind sie besonders infektanfällig. In Extremfällen kann es sogar zu Bewusstlosigkeit kommen. Weitere Warnsignale sind starker Durst, vermehrtes Wasserlassen, Heißhunger und Juckreiz. Wer solche Symptome hat, sollte den Blutzuckerspiegel beim Arzt oder in der Apotheke prüfen lassen. Auch wer Diabetiker in der Familie hat oder ein paar Kilo zu viel auf den Hüften, sollte zum Blutzucker-Check gehen. Denn anders als beim plötzlich auftretenden Typ 1 entwickelt sich Typ 2 schleichend und kann bei frühzeitiger Erkennung mit einem gesunden Lebensstil aufgehalten werden.

Um Diabetes vorzubeugen, ist eine ausgewogene Ernährung wichtig. "Die Nahrung sollte mindestens zu 50 Prozent aus Kohlenhydraten und Ballaststoffen bestehen", sagt Finck, "denn die erhöhen den Blutzuckerspiegel nur langsam." Auf den Speiseplan gehören daher vor allem Kartoffeln, Nudeln, Reis, Brot, aber auch Obst und Gemüse. Eiweiß, etwa aus Fleisch oder Milchprodukten, sollte nur in Maßen gegessen werden (maximal 15 Prozent des Speiseplans) ebenso wie Fett (maximal 30 Prozent). Vor allem auf versteckte Fette aus Wurst und Käse sollte man achten, auf Süßigkeiten und Softdrinks lieber öfter verzichten.

Mit richtiger Ernährung vorbeugen

Um den Blutzuckerspiegel konstant zu halten, sind drei vollständige Mahlzeiten und drei Zwischenmahlzeiten ideal. Wer bereits vom Diabetes betroffen ist, sollte sich nach dem eigenen Geschmack vom Ernährungsberater einen Speiseplan zusammenstellen lassen. Anders als jahrelang geglaubt wurde, muss keine spezielle Diät mit Verzicht auf Zucker eingehalten werden. Vielmehr erfolgt eine genaue Abstimmung zwischen Medikamenten und Ernährung. Nur wer unter der selten Form des Schwangerschaftsdiabetes (ein bis fünf Prozent der Schwangeren) leidet, sollte den Zucker möglichst weglassen. Wichtig ist es, viel Wasser (mindestens 1,5 Liter pro Tag), aber möglichst wenig Alkohol zu trinken.

Zusätzlich zur gesunden Ernährung empfiehlt sich Sport, da er den Blutzuckerspiegel senkt. Gerade weil Diabetiker schwieriger abnehmen, sollten regelmäßig Ausdauersportarten wie Joggen, Walken, Inlineskating, Radfahren und Schwimmen auf dem Plan stehen.


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