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Ehec-Infektionen in Hamburg Droht wieder eine Epidemie?


Fünf Menschen haben sich in Hamburg mit Ehec infiziert, ein Mädchen ist gestorben. Viele erinnert das an den Beginn des Ausbruchs vor einem Jahr. Doch es gibt Unterschiede.
Von Lea Wolz

Ehec - dieses Kürzel hielt im vergangenen Jahr die Bundesbürger in Atem. Vor allem im Norden Deutschlands verbreitete sich der aggressive Darmkeim damals rasch. Bundesweit erkrankten 3800 Menschen, 53 starben. Nun sind in Hamburg innerhalb kurzer Zeit erneut fünf Infektionen mit dem Erreger aufgetreten, für ein Kind endete die Erkrankung tödlich. Droht eine neue Ehec-Welle? stern.de beantwortet die wichtigsten Fragen zum Thema.

Wie viele Ehec-Fälle gibt es bereits?

Momentan sind vier Menschen an Ehec erkrankt - alle in der vergangenen Woche. Betroffen sind laut Hamburger Gesundheitsbehörde ein elfjähriger Junge, ein dreijähriges Kita-Kind und zwei Frauen im Alter von 68 und 88 Jahren. Sie alle wurden positiv auf Ehec getestet. Ein sogenanntes hämolytisch-urämisches Syndrom (Hus) - also ein schwerer Verlauf der Erkrankung - wurde bei ihnen nicht diagnostiziert. Die Kinder und die beiden älteren Frauen seien wieder wohlauf, meldet die Gesundheitsbehörde. Neue Fälle seien bis jetzt noch nicht bekannt, heißt es dort. "Doch wir müssen damit rechnen, dass weitere auftreten", so ein Sprecher der Behörde. Er warnte allerdings vor Panik, die Fallzahl sei bis jetzt gering. Nach dem Tod einer sechsjährigen Schülerin aus Hamburg, die vor über zehn Tagen an den Folgen einer Ehec-Infektion verstorben war, ging die Behörde noch von einem "tragischen Einzellfall" aus. Das Mädchen war allerdings nicht an dem Erregertyp erkrankt, der im vergangenen Jahr die Epidemie ausgelöst hatte.

Droht eine neue Ehec-Welle?

"Wir sind aufmerksam, aber mit dem Ausbruch vom vergangenen Jahr ist das nicht vergleichbar", sagt der Sprecher der Hamburger Gesundheitsbehörde. "In einem kurzen Zeitraum hatten wir damals viel mehr Erkrankungen und viele schwere Verläufe." Alleine an dem Maiwochenende im vergangenen Jahr, an dem die ersten Fälle bekannt geworden seien, habe es einen regelrechten Sturm auf die Notaufnahmen gegeben. "Nun sind wir in der dritten Woche und wissen von fünf Infektionen." Ehec-Infektionen treten immer wieder auf, ohne dass sich dahinter ein außergewöhnliches Geschehen verbirgt. Nach Angaben des Berliner Robert-Koch-Institutes (RKI) gibt es jährlich zwischen 800 bis 1200 gemeldete Fälle in Deutschland. Die Dunkelziffer dürfte noch höher sein: Denn eine Infektion kann auch ohne Beschwerden verlaufen - und damit unerkannt bleiben. In diesem Jahr hat das RKI schon 121 Ehec-Erkrankungen registriert - etwa 13 Fälle im Regierungsbezirk Arnsberg, jeweils acht in Koblenz und acht in Thüringen. Ganz aktuell ist die Statistik allerdings nicht - in Hamburg weist sie noch drei Infektionen aus.

Ist die Quelle der Infektion bekannt?

Noch nicht. Um die Infektionsquelle zu finden, gehen die Behörden ähnlich vor wie im vergangenen Jahr: Sie nehmen Lebensmittelproben aus den Haushalten und suchen nach Gemeinsamkeiten - etwa wo die Betroffenen einkaufen oder welche Restaurants sie besucht haben. "Eine nachvollziehbare Verbindung zwischen den vier infizierten Personen haben wir allerdings noch nicht gefunden", sagt der Sprecher der Hamburger Gesundheitsbehörde. Dabei gab es kurzzeitig schon einmal eine heiße Spur: Auf einem mittlerweile aus dem Handel gezogenen Rohmilchkäse fanden die Behörden Ehec-Bakterien. Allerdings handelte es sich dabei nicht um den Erregertyp, der bei dem verstorbenen Mädchen nachgewiesen werden konnte. Als Infektionsquelle des Kindes kommt er daher nicht infrage.

Handelt es sich um den gleichen Erreger wie 2011?

Vermutlich nicht. Bei dem verstorbenen Mädchen wurde nicht der aggressive Erreger aus 2011 nachgewiesen, sondern ein anderer Typ. Dieser wird nun am Institut für Hygiene des Universitätsklinikums Münster genauer untersucht. "Um den Stamm besser einordnen zu können, schauen wir zum Beispiel, wo er schon einmal aufgetreten ist", sagt ein Sprecher des Klinikums. Wann genau mit Ergebnissen zu rechnen ist, will er noch nicht sagen. Um welchen Erregertyp es sich bei den anderen Infektionen handelt, ist laut Hamburger Gesundheitsbehörde noch nicht bekannt. Allerdings ist diesmal noch etwas anders: Bei der Ehec-Welle im vergangenen Jahr erkrankten vor allem Menschen mittleren Alters. Diesmal sind Kinder und Ältere betroffen.

Was sind die Symptome einer Ehec-Erkrankung?

Ehec-Erreger (Enterohämorrhagische Escherichia coli) sind eine gefährliche Form des nützlichen Darmbakteriums Escherichia coli. Bei einer Infektion mit diesem Keimen kommt es zu wässrigem Durchfall. Auch Übelkeit, Erbrechen oder Bauchschmerzen können auftreten. Bei fünf bis zehn Prozent der Erkrankten nimmt die Erkrankung laut RKI einen schweren Verlauf - sie entwickeln eine blutige Darmentzündung, die zu Nierenschäden oder sogar Nierenversagen führen kann.

Wie kann ich mich schützen?

Da die Infektionsquelle noch nicht bekannt ist, ist auch diesmal Hygiene der beste Schutz. Die Hamburger Gesundheitsbehörde empfiehlt daher etwa, Fleisch gut durchzugaren. Vorsicht ist auch bei Rohmilch oder Rohkäse geboten. Obst, Gemüse oder Salate sollten vor dem Verzehr gründlich gewaschen werden. Auch wer Kontakt zu Tieren hat, sollte sich im Anschluss die Hände gründlich einseifen.


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