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Ein Ehec-Patient erzählt: "Vor Schmerzen konnte ich kaum laufen"

Markus Boeddeker erkrankte an Ehec. Nach einer Woche am Tropf geht es dem Hamburger wieder besser. Doch Angst hat er noch immer.

Von Peter Neitzsch

Markus Boeddeker hatte Glück im Unglück. Nach acht Tagen auf der Magen-Darm-Station hat sein Körper Ehec besiegt. "Mir geht es wieder relativ gut", sagt Boeddeker. Aber er merke, dass er noch geschwächt sei. Die Ärzte der Asklepios Klinik in Hamburg-Altona rechnen mit etwa einer Woche bis der 37-Jährige wieder fit ist. Aber das sind nur Vermutungen, Erfahrungswerte mit anderen Erregern. Genaueres weiß niemand über die Variante des Ehec-Bakteriums, das für die Epidemie in Norddeutschland verantwortlich ist.

Boeddeker war einer der ersten Erkrankten mit der Diagnose: Ehec. Als der Hamburger vor etwa zwei Wochen wegen Magenschmerzen und Durchfall einen Arzt aufsuchte, konnte der die Symptome noch nicht deuten. 48 Stunden vergingen, in denen die Schübe immer heftiger wurden. Schließlich rief Boeddeker ein Taxi und ließ sich in die Notaufnahme bringen. Nach Rücksprache mit den Ärzten brachte man ihn auf die Magen-Darm-Station. Wenig später wurde er in ein Einzelzimmer verlegt.

Die ersten drei, vier Tage waren die schlimmsten - mit ständigen Krämpfen und Blut im Stuhl. An Schlaf war die ersten Nächte nicht zu denken: "Man ist total hilflos, weil man vor Schmerzen kaum laufen kann." Die Krämpfe kämen schubweise, von einer Minute auf die andere, berichtet Boeddeker, der als freier Übersetzer arbeitet. "Das ist ein nebulöser Zustand, in dem man lebt. Man kann nicht viel machen außer fernsehen. So verfolgt man alles, was mit Ehec zu tun hat, natürlich sehr intensiv." Die Epidemie findet er "gespenstisch".

"Die Verunsicherung war auch bei den Ärzten groß"

Eltern und Freunde konnten Boeddeker nur in Schutzkleidung mit Handschuhen, Mundschutz und Kopfbedeckung besuchen. Auch das Personal trug Schutzkleidung. "Die Verunsicherung war auch bei den Ärzten groß", sagt Boeddeker. Als sich die Zahl der Ehec-Patienten fast täglich verdoppelte, habe man schon gemerkt, "dass die Hütte brannte". Mit einem vom Robert-Koch-Institut entwickelten Fragebogen versuchten die Ärzte herauszufinden, woher der Erreger stammt. Fragen nach den genauen Ernährungsgewohnheiten wurden gestellt und danach, was der Patient gegessen hatte. "Gar nicht gefragt wurde dagegen, wo ich gegessen hatte", sagt Boeddeker. "Dabei habe ich selbst die ganze Zeit darüber gegrübelt, aber das hat niemanden interessiert."

Möglicherweise eine Spur, die jetzt im Sande verlaufen ist: Zwei Bekannte von Boeddeker, die in den gleichen Lokalen in Altona verkehrten wie er, waren ebenfalls an Ehec erkrankt. Beiden erging es nicht so gut wie ihm: Der Mann musste, nachdem sich sein Zustand zuerst stabilisiert hatte, an die Dialyse, um das Blut von den Giftstoffen zu säubern. Die Frau verlor eine gespendete Niere, mit der sie bis dahin gut gelebt hatte.

Da der Körper gegen Ehec keine Antikörper bildet und ein Medikament noch nicht entwickelt wurde, muss das Immunsystem allein mit dem Keim fertig werden. Boeddeker bekam Infusionen "in rauen Mengen", um den Flüssigkeitsverlust auszugleichen und Tabletten, um die Magenschleimhaut zu beruhigen. Später kam noch ein leichtes Schmerzmittel hinzu. Dann ging es allmählich aufwärts. Nachts konnte er wieder schlafen, tagsüber essen: "Als es mir endlich wieder besser ging, nach sieben Tagen Zwieback und Krankenhaussuppe, aß ich in der Klinik Rinderbraten und Kartoffelpüree", sagt Boeddeker. "Dabei bin ich eigentlich Vegetarier."

Heute sagt der Hamburger: "Ich bin wahnsinnig froh, dass ich so glimpflich davon gekommen bin." Und fügt hinzu: "Ich hatte das Glück, einen relativ milden Krankheitsverlauf zu haben." Aber die Angst, ob sein Zustand stabil bleibt, geht nicht: "Die Blutproben waren okay, ich bin toxin- und beschwerdefrei, aber ob ich den Erreger noch in mir habe, kann man nicht sagen." Was Essen betrifft, sei er misstrauisch geworden: "Man lässt jetzt erstmal alles liegen: Salat, Gemüse, Obst."

Von Peter Neitzsch

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