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Embryonale Selektion: Britisches "Design-Baby" geboren

Vor neun Monaten wurde in Großbritannien der erste Embryo für eine künstlichen Befruchtung danach ausgewählt, ob er ein mutiertes Brustkrebs-Gen trägt oder nicht. Dieses Baby ist jetzt in London zur Welt gekommen. Doch die Möglichkeit, an Brustkrebs zu erkranken, besteht für das Mädchen nach wie vor.

Die genetische Veranlagung für Brustkrebs kann schon beim Embryo festgestellt werden

Die genetische Veranlagung für Brustkrebs kann schon beim Embryo festgestellt werden

Künstlichen Befruchtungen sind in Deutschland enge Grenzen gesetzt. In einigen Ländern ist das anders, etwa in Großbritannien. Dort ist es Ärzten gestattet, Embryonen im Reagenzglas auf verschiedene Gene zu untersuchen, die sicher Krankheiten übertragen, zum Beispiel das Gen, das Mukoviszidose verursacht. Vor der Einpflanzung in die Gebärmutter können sie die Embryonen dementsprechend selektieren.

Gesteigertes Brustkrebsrisiko bei mutiertem Gen

Doch nach einer Gesetzesänderung 2006 ist in Großbritannien sogar erlaubt, Embryonen auf Risikogene zu testen, die nicht in jedem Fall zu einer Krankheit führen. Das sogenannte Brustkrebsgen BRCA1 gehört zu dieser Gruppe von Genen. Forscher gehen davon aus, dass es zusammen mit dem verwandten Gen BRCA2 für rund fünf bis zehn Prozent der Brustkrebserkrankungen verantwortlich ist, sofern es eine Mutation trägt oder komplett fehlt. Das erste Baby, das auf Grund einer solchen Vorauswahl entstanden ist, wurde nun in London von einer 27-jährigen Frau geboren. Dem kleinen Mädchen und der Mutter gehe es sehr gut, teilten die Ärzte vom University College London mit.

Die Eltern hatten sich für eine künstliche Befruchtung und die anschließende Auswahl eines Kindes mit Hilfe der sogenannten Präimplantationsdiagnostik (PID) entschieden, nachdem in der Familie des Vaters in den vorherigen drei Generationen Brustkrebs aufgetreten war. Ohne die Untersuchung und Auswahl der Embryonen läge die Möglichkeit, dass eine Tochter des Paares ebenfalls Brustkrebs bekommt, bei 50 bis 85 Prozent.

Doch die genetische Auswahl von Babys ist umstritten. Kritiker befürchten, das Verfahren könnte missbraucht werden, um "Designer-Babys" zu züchten. In Großbritannien wird die PID schon länger verwendet, bisher jedoch nicht gezielt für die Suche nach dem Brustkrebsgen. Das geschah in diesem Fall zum ersten Mal. Für die PID ist aber trotz der Gesetzeslockerung von 2006 eine Genehmigung der Behörde für Embryonenschutz (Human Fertilisation and Embryology Authority) notwendig.

Von elf Embryonen wurden zwei verpflanzt

Den Ärzten standen nach der künstlichen Befruchtung im Reagenzglas elf Embryonen zur Verfügung. Drei Tage nach der Befruchtung untersuchten sie diese auf das Risikogen BRCA1. Sechs der Embryonen trugen nicht die normale, "gesunde" Form des Brustkrebsgenes und wurden aussortiert, zwei ohne die gefährliche Veränderung des Erbgutes wurden in die Gebärmutter verpflanzt. Die junge Frau wurde mit einem Kind schwanger. Der andere Embryo hatte sich nicht eingenistet.

Für das Mädchen besteht jedoch weiterhin die Möglichkeit, dass es an Brustkrebs erkranken kann. Zwar wurde durch die Vorauswahl auf genetischer Ebene das Risiko für eine Krebserkrankung gesenkt, jedoch gibt es noch viele weitere nicht voraussehbare Faktoren, die einen Einfluss auf den Ausbruch der Krankheit haben können.

wal/DPA/DPA
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