HOME
Interview

P.M. Fragen & Antworten: Macht gesunde Ernährung wirklich schlauer?

Wie sehr kann die eigene Ernährung die Leistungsfähigkeit des Gehirns beeinflussen? Das fragte P.M. Fragen & Antworten den Experten Professor Gunter P. Eckert. Er erforscht die Wirkung von Nahrung auf unser Gehirn - und verrät, wie man sich für Prüfungen fit futtert.

Eine Frau beißt lächelnd in einen Apfel

Dass das Hirn Energie braucht, lernen selbst Schulkinder. Aber macht es einen Unterschied, was man zu sich nimmt?

Herr Eckert, kann man durch bestimmte Ernährung seine Gehirnleistung steigern?

Professor Gunter P. Eckert: Es gibt es ein paar Nährstoffe, die besonders wichtig für das Gehirn sind und auf die man ein Auge haben sollte. Vitamin B12 etwa. Es ist an der Bildung der Botenstoffe des Gehirns entscheidend beteiligt und steckt vor allem in tierischen Lebensmitteln wie Fleisch und Milchprodukten. In Pflanzen dagegen ist dieses Vitamin kaum enthalten. Darum sollten Veganer entsprechende Nahrungsergänzungsmittel nehmen, denn auch die geringen B12-Mengen in von Mikroorganismen fermentierten veganen Speisen reichen nicht aus. Wer dauerhaft zu wenig Vitamin B12 zu sich nimmt, kann schlimmstenfalls unter ähnlichen Symptomen wie bei einer Demenz leiden.

Fragen. Verstehen: Ist (zu) salziges Essen wirklich schädlich?

Was ist mit ungesättigten Fettsäuren, die für das Gehirn angeblich auch wichtig sind?

Da ist vor allem die Omega-3-Fettsäure Docosahexaensäure (DHA) unverzichtbar. Sie sorgt in den Membranen der Hirnzellen für die nötige Flexibilität, um Impulse übertragen zu können. DHA steckt fast ausschließlich in kalten Seewasserfischen wie Lachs, Makrele und Hering – die sollten ein bis zweimal pro Woche auf den Tisch kommen. Wer Fisch nicht mag, kann auch Fischölkapseln nehmen.

Kann man seine Leistung auch kurzfristig steigern, etwa für eine Prüfung? Macht Traubenzucker Sinn?

Das Gehirn braucht Energie in Form von Glukose. Die kann es nicht speichern, braucht also stetig Nachschub. Traubenzucker ist reine Glukose. Insofern kann es einen kurzen Energieboost liefern. Wer allerdings über mehrere Stunden oder den ganzen Tag Leistung bringen muss, sollte lieber zum Frühstück etwas Stärke-haltiges essen: Nudeln – oder, wer das am Morgen nicht mag, Müsli. In der Stärke ist Glukose in Makromolekülen gebunden und wird im Körper allmählich freigesetzt. So versorgt man sein Hirn über Stunden mit Energie. Und am Mittag sollte man statt Gyros mit Pommes lieber Seefisch mit Reis essen. Dazu ausreichend trinken und ein bisschen Obst und Gemüse – das wäre optimal für einen geistig anspruchsvollen Tag.

Man hört, sogenanntes L-Tyrosin sei eine Art Wundermittel fürs Gehirn…

Das ist eine nicht-essentielle Aminosäure, die unter anderem eine Vorstufe für Botenstoffe wie Dopamin und Noradrenalin bildet, die das Hirn aktivieren. Davon – wie von so vielen anderen angepriesenen Stoffen – bietet eine ausgewogene Ernährung aber ohnehin genug. Eine Extraportion bringt da nichts außer einem Loch im Portemonnaie.

Diese und über 60 weitere spannende Fragen finden Sie im aktuellen Heft P.M. Fragen & Antworten Ausgabe 5/17. Jetzt im Handel.

Das Cover der Zeitschrift P.M. Fragen & Antworten im April 2017

Themen in diesem Artikel

Wissenscommunity