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Diäten im Check Individuell und streng: So sinnvoll ist Metabolic Balance

Diäten im stern-Check: Frau hält roten Apfel in der Hand
Ab der zweiten Phase gelten bei Metabolic Balance acht wichtige Regeln. Eine davon: Jeden Tag einen Apfel essen (Symbolbild)
© Bildagentur-online / McPhoto / Picture Alliance
Eine Ernährung, die auf den eigenen Stoffwechsel abgestimmt ist – kann das funktionieren? Wie alltagstauglich ist die kalorienreduzierte Mischkost? Das Ernährungskonzept im stern-Check.
Von Christine Kirchhoff

Metabolic Balance ist im Grunde keine Diät im herkömmlichen Sinn, sondern ein Ernährungskonzept, das auf den individuellen Stoffwechsel abgestimmt ist, sagt der deutsche Internist und Ernährungsmediziner Wolf Funfack, der das Konzept im Jahr 2002 gemeinsam mit Silvia Bürkle, Ingenieurin für Lebensmitteltechnik, entwickelt hat. Dafür braucht jeder Abnehmwillige einen individuellen Ernährungsplan, den ein Berater mithilfe von Angaben zu persönlichen Vorlieben, Abneigungen, Krankheiten oder Unverträglichkeiten sowie diverser Blutwerte erstellt. Mit diesem Plan sollen Fettpolster schwinden und Vitalität sowie Gesundheit bis ins hohe Alter erhalten bleiben. Nach einem Vorgespräch kann man den Ernährungsplan auch online erwerben, nach einem Vorgespräch. Die Beratung erfolgt dann telefonisch oder über die Metabolic Balance App, die es für Android und iOS-Betriebssysteme gibt.

Alle Infos zur App und den Download-Link gibt's hier

Metabolic Balance: Lösung für das Insulinproblem?

Das Konzept stützt sich – wie andere Ernährungs- und Abnehmkonzepte auch – vor allem auf das Insulinproblem: Weil in unserer Kultur zu viele Kohlenhydrate verzehrt werden, schwankt der Blutzuckerspiegel häufig, schnellt hoch und fällt wieder ab, was Heißhungerattacken auslösen kann und Übergewicht begünstigt. Denn beim Verzehr von Kohlenhydraten geschieht folgendes: Die Kohlenhydrate werden in eine Zuckerart, die Glukose, umgewandelt. Die Bauchspeicheldrüse schüttet daraufhin Insulin aus, um den Zucker in die Zellen zu bringen – diese gewinnen aus dem Zucker ihre Energie. Bei einem ständigen Überangebot greifen die Zellen nicht mehr auf Fett als weiteren Energielieferanten zurück. Das Fett kann somit nicht abgebaut werden und wird eingelagert. So entwickeln sich Zivilisationskrankheiten wie Diabetes Typ 2, Übergewicht und zu hohe Blutfettwerte. In der strengen Diätphase des Programms sind daher kaum Kohlenhydrate erlaubt.

Das Prinzip von Metabolic Balance

Auf Basis von 36 ermittelten Blutwerten und persönlichen Angaben zu Vorlieben, Abneigungen, Krankheiten und Unverträglichkeiten erstellt ein PC-Programm einen individuellen Ernährungsplan. Wie genau das ernährungswissenschaftlich funktioniert, können sich Experten nicht erklären, da der Erfinder Wolf Funfack seine "Geheimformel" nicht verrät. Bekannt ist nur, dass mithilfe der Daten Lebensmittel ausgewählt werden, die dazu beitragen sollen, den individuellen Hormonhaushalt und den Stoffwechsel wieder zu harmonisieren.

Metabolic Balance setzt sich aus vier Phasen zusammen:

  • Phase 1: Entlastungsphase
  • Phase 2: Strenge Umstellungsphase (mit oder ohne Öl)
  • Phase 3: Gelockerte Umstellungsphase
  • Phase 4: Erhaltungsphase

Phase 1 dauert zwei Tage. In dieser Zeit soll der Körper auf die neue Ernährungsweise vorbereitet werden. Daher wird – wie etwa zu Beginn einer Fastenkur – zunächst der Darm vollständig entleert, um mögliche Heißhungerattacken zu vermeiden. Außerdem bekommt der Körper nur leichte Kost zu essen, etwa morgens nur das halbe Frühstück, mittags eine Gemüsesuppe und ein Apfel und abends rohes, gedünstetes oder gekochtes Gemüse. Oder der Abnehmwillige isst einen ganzen Tag lang nur ein Lebensmittel, etwa Kartoffeln, Gemüse oder Reis.

Phase 2 wird als die "strenge Umstellungsphase" bezeichnet. Sie dauert mindestens zwei Wochen und erfordert viel Disziplin. Innerhalb dieses Zeitraumes gelten die acht Ernährungsregeln (siehe Details), die unter anderem festlegen, wie viele Mahlzeiten wann und in welchen Abständen gegessen werden sollten. Außerdem dürfen nur die im individuellen Ernährungsplan angegebenen Lebensmittel verzehrt werden: So sind für den einen etwa Hüttenkäse und Mangos erlaubt, wogegen ein anderer zu Schafskäse und Brombeeren greifen darf. Pro Tag nehmen die Abnehmwilligen drei kohlenhydratarme und eiweißreiche Mahlzeiten in Form von Fisch, Eiern, Milchprodukten und magerem Fleisch zu sich. Als Beilage gibt es Gemüse; die typischen Sättigungsbeilagen wie Nudeln, Reis oder Kartoffeln sind verboten. Die Mengen, die auf dem Teller landen, sind stark begrenzt. Aufgrund der geringen Kalorienzahl, die in dieser Phase konsumiert wird, nehmen viele mit Metabolic Balance gut ab.

In Phase 3, der "gelockerten Umstellungsphase", testen die Teilnehmer, wie sie auf bestimmte Nahrungsmittel reagieren. Bei einer der drei Mahlzeiten pro Tag sind nun auch wieder mehr Kohlenhydrate wie Nudeln oder Reis erlaubt. Zusätzlich dürfen sie an sogenannten Schummeltagen die strikte Mengenvorgabe ignorieren. Auch Alkohol in Form von Wein und Bier ist dann erlaubt. Ab jetzt wird auch Bewegung empfohlen.

Phase 4 ist die "Erhaltungshase", sie soll den bisher erreichten Erfolg sichern: Die Dauer dieser Phase ist nicht begrenzt. Wer irgendwann wieder ein paar Pfunde zu viel auf den Rippen hat, kann Funfack zufolge einfach für ein paar Tage in die "strenge Phase" zurückkehren.

Metabolic Balance: Die Feinheiten entscheiden

Neben der individuellen Lebensmittelauswahl sind acht einfache Regeln zu befolgen – sie gelten ab der zweiten Phase.

Regel 1 – Am Tag sind genau drei Mahlzeiten erlaubt

Regel 2 – zwischen den Mahlzeiten müssen mindestens fünf Stunden liegen, weil Zwischengerichte und Snacks Stoffwechselvorgänge stören und so Heißhungerattacken begünstigen würden.

Regel 3 – Eine Mahlzeit soll nicht länger als 60 Minuten dauern.

Regel 4 – Jede Mahlzeit sollte mit ein bis zwei Bissen Eiweiß beginnen. Dadurch treten nach Ansicht der Metabolic-Balance-Verfechter zuerst die Verdauungsenzyme auf den Plan, die die Eiweiße spalten. Werden erst danach die "ungünstigen" Kohlenhydrate verzehrt, werde die Insulinproduktion mit zeitlicher Verzögerung angeregt, Heißhungerattacken sollen so ausbleiben.

Regel 5 – Bei jeder Mahlzeit ist nur eine Eiweißart erlaubt, wobei es bei jeder der drei Mahlzeiten am Tag eine andere Eiweißart sein sollte.

Regel 6 – Nach 21 Uhr wird nichts mehr gegessen.

Regel 7 – Jeder Teilnehmer täglich eine gewisse Menge an Wasser trinken – 35 Milliliter pro Kilogramm Körpergewicht über den Tag verteilt. Was sehr viel ist. Selbst bei Normalgewichtigen kommen zwei bis drei Liter zusammen. Tee und Kaffee gibt es nur zum beziehungsweise kurz nach dem Essen.

Regel 8 – Ein Apfel pro Tag ist Pflicht.

Metabolic Balance ist nicht gerade günstig: Blutuntersuchung und Ernährungsplan kosten etwa 360 Euro. Je nachdem, welche Zusatzleistungen der Berater anbietet, variiert der Preis.

Die Metabolic Balance GmbH bietet Schulungen an, die Interessenten ohne bestimmte Vorkenntnisse für etwa 1000 Euro zu Betreuern ausbilden. Ärzten und Heilpraktikern wird eine verkürzte Ausbildung angeboten. In ihrer Funktion sind die Betreuer dann für die Beratung der Abnehmwilligen zuständig. Diese Ausbildung sei nicht ausreichend, um eine kompetente Ernährungsberatung zu gewährleisten, kritisieren Experten.

Metabolic Balance im Praxis-Check

Das Essen variiert in den verschiedenen Phasen: In der zweiten Phase gibt es morgens beispielsweise 200 Gramm Naturjoghurt und einen Apfel. Abgewogene 125 Gramm Geflügel mit 130 Gramm Spinat dürfen mittags gegessen werden. Zum Abendessen landen 135 Gramm Dorsch und 140 Gramm Fenchel auf dem Teller.

Ein Minus: Gemeinsames Kochen ist in der strengen zweiten Phase nahezu unmöglich, da viele Lebensmittel verboten sind und Mengen exakt abgewogen werden müssen. Selbst wenn sich mehrere Abnehmwillige zusammentun, können sie aufgrund ihrer individuellen Ernährungspläne häufig nicht dasselbe essen. Restaurantbesuche passen erst ab Phase drei wieder in den Plan – an den "Schummeltagen".

Wissenschaftliche Einschätzung

"Die Theorien des Metabolic-Balance-Konzepts sind wissenschaftlich nicht begründet", sagt Ernährungsexpertin Ursel Wahrburg. So seien weder der Bluttest noch die verschiedenen Theorien zu den Eiweißen nachvollziehbar.

Ähnlich sieht das auch die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen: "Unterstellt man, dass einmalig ermittelte Blutwerte tatsächlich aussagekräftig sind, so besteht trotzdem kein wissenschaftlich belegter Zusammenhang zwischen den ermittelten Blutwerten und einer Gewichtsreduktion." Die Ernährungsregeln seien fragwürdig, die Lebensmittelzuweisungen nicht nachvollziehbar. "Die Gewichtsabnahme kommt allein durch die Kalorienbeschränkung zustande", so das Urteil der Verbraucherschützer. Da man die wenig abwechslungsreiche Kost kaum durchhalten könne, sei der Jojo-Effekt vorprogrammiert.

Fazit

Im Prinzip steckt hinter Metabolic Balance eine kalorienreduzierte Mischkost mit erhöhtem Eiweiß- und reduziertem Kohlenhydratanteil. Damit lässt sich durchaus abnehmen, wie auch andere Ansätze zeigen. Allerdings ist diese Ernährungsform im Alltag oft schwierig durchzuführen: Die langen Pausen zwischen den Mahlzeiten bereiten vielen Teilnehmern Mühe. Außerdem ist das Programm teuer. Da die Theorien einer ernährungswissenschaftlichen Überprüfung nicht standhalten, raten Experten von dieser Diät ab.

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