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Abnehmen Intervallfasten: Studie stellt Gewichtsverlust infrage

Intervallfasten und Abnehmen: Ein voll gedeckter Tisch mit Käse und Wein
Intervallfasten: Am bekanntesten ist die 16:8-Methode
© Foxys_forest_manufacture / Getty Images
Intervallfasten ist beliebt. Doch in einer Studie nahmen Fastende kaum ab. Wie ist das möglich? Ein Problem könnte der Zeitpunkt der Nahrungsaufnahme gewesen sein.

Statt Kalorien Stunden zählen und gesünder leben: Intervallfasten stellt das in Aussicht. Die bekannteste Methode setzt auf das 16:8-Prinzip. In einem Zeitfenster von 16 Stunden sind kalorienhaltige Getränke und Essen tabu. In den anschließenden acht Stunden darf dagegen gegessen werden, ohne eine spezielle Diät einhalten zu müssen. Einige Fastende berichten etwa von positiven Effekten auf ihr Wohlbefinden, sie fühlen sich fitter und leistungsfähiger. Nebenbei wird durch den Nahrungsentzug die Autophagie, der Selbstreinigungsprozess des Körpers, angestoßen. Wie aber sieht es mit der Gewichtsabnahme aus, auf die viele Fastende hoffen? Hilft Intervallfasten auch effektiv beim Abnehmen?

US-amerikanische Wissenschaftler sind dieser Frage in einer Studie nachgegangen und kommen zu einem ernüchternden Ergebnis. Menschen, die nach der 16:8-Methode fasteten, nahmen im Vergleich zu einer Kontrollgruppe kaum mehr ab. Zudem verloren sie mehr Muskelmasse als erwartet. Für beide Ergebnisse könnte es Erklärungen geben, die mit der Studie selbst zu tun haben.

So lief die Studie ab

Um die Effekte des Intervallfastens zu untersuchen, teilten Forscher eine Gruppe von 141 übergewichtigen Erwachsenen in zwei Lager auf: Die eine Hälfte war angehalten, drei Mahlzeiten über den Tag verteilt zu essen. Die andere sollte fasten und die Nahrungsaufnahme auf ein Zeitfenster von acht Stunden am Tag begrenzen. Essen war nur zwischen der Mittagszeit und acht Uhr abends erlaubt. Vor und nach diesem Zeitfenster gab es nur kalorienarme Getränke wie ungesüßten Tee oder schwarzen Kaffee. Eine Beratung in Ernährungsfragen erhielt weder die eine, noch die andere Gruppe.

Drei Monate aßen die Teilnehmer nach den Vorgaben. Nicht jeder Proband hielt durch, einige brachen die Studie vorzeitig ab. Am Ende bekamen die Forscher Angaben von 116 Erwachsenen. Zusätzlich hatte es für 50 Teilnehmer die Möglichkeit gegeben, Laborwerte wie Blutfette, Blutzucker sowie die Muskel- und Fettmasse untersuchen zu lassen. 46 Teilnehmer machten von dem Angebot Gebrauch.

Die Ergebnisse

Zwar nahmen die Intervallfastenden im Schnitt geringfügig mehr ab (minus 0,94 Kilogramm) als die Kontrollgruppe (minus 0,68 Kilogramm). Doch war dieser Unterschied aus statistischer Sicht nicht bedeutend. Auch gab es kaum Unterschiede bei den Laborwerten. Allein: Die Fastenden hatten mehr Muskelmasse als erwartet verloren. Wie kann das sein?

Studienautor Ethan Weiss, Kardiologe an der University of California, glaubt, dass das ausgelassene Frühstück dabei eine Rolle spielen könnte, wie er im Gespräch mit der "New York Times" verriet. Möglicherweise hatten die fastenden Teilnehmer weniger Protein als die Vergleichsgruppe aufgenommen, was den Muskelverlust erklären könnte. Ein Muskelabbau ist grundsätzlich nicht erwünscht, da Muskeln langfristig dabei helfen, ein gesundes Gewicht zu halten.

Ein weiteres Problem könnte der Zeitpunkt der Nahrungsaufnahme gewesen sein: In einer älteren Studie konnten Forscher zeigen, dass frühe Mahlzeiten besser verstoffwechselt werden und den Blutzucker- und Insulinspiegel bei Testpersonen im Vergleich zum Abendessen weniger stark ansteigen lassen. Die Forscher kommen daher zu dem Schluss, dass ein ausgiebiges Frühstück einem üppigen Abendessen vorgezogen werden sollte, "um Übergewicht oder Blutzuckerspitzen zu vermeiden."

In der Intervallfasten-Studie waren die Teilnehmer jedoch angehalten, das Frühstück wegzulassen, was zur Folge hatte, dass sie eher spät am Tag aßen. Interessanterweise gab es zwischen den Gruppen auch keine Unterschiede in der Menge der aufgenommenen Kalorien. Mit anderen Worten: Beide Gruppen aßen gleich viel. Dabei gehen Experten davon aus, dass beim zeitlich begrenzten Fasten tendenziell weniger Kalorien aufgenommen werden, was auch zur Gewichtsabnahme beitragen kann. 

"Es könnte sein, dass die Vorteile des Intervallfastens geringer sind als gedacht, oder dass man bessere Ergebnisse erzielt, wenn man früher am Tag isst", sagt Ernährungsexpertin Courtney Peterson mit Blick auf die aktuelle Studie. Peterson forscht zu den Effekten von Intervallfasten und war selbst nicht an der Publikation beteiligt. Ein abschließendes Urteil über die Vor- beziehungsweise Nachteile der Methode ist ihrer Meinung nach noch nicht möglich. "Das Gericht tagt noch."

Eines zeigt die Studie dagegen deutlich: Wer Intervallfasten als Abnehmmethode nutzen möchte, sollte sich nicht allein auf die Wirkung der Zeitfenster verlassen. Möglicherweise spielen die Menge der aufgenommenen Kalorien wie auch der Zeitpunkt der Nahrungsaufnahme eine größere Rolle als bislang angenommen. 

Quelle: Jama Internal Medicine / New York Times

ikr

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