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Neue Ernährungsempfehlung: Selbst wenig Zucker ist zu viel Zucker

Zu viel Zucker ist ungesund - darüber sind sich Experten einig. Was "zu viel" bedeutet, ist dagegen umstritten. Eine neue Studie zeigt: Die von der WHO empfohlene Menge ist womöglich noch zu hoch.

Lecker, aber ungesund: Genau das ist das Problem mit dem Zucker.

Lecker, aber ungesund: Genau das ist das Problem mit dem Zucker.

Zucker kann zu Herzkrankheiten führen, begünstigt die Entstehung von Diabetes und macht obendrein auch noch dick. Kurzum: Der leckere Süßmacher ist ungesund. Je weniger man davon isst, umso besser. Doch wie viel ist noch im Rahmen? Darüber streiten Gesundheitsexperten schon lange. Früher riet die Weltgesundheitsorganisation (WHO), nicht mehr als zehn Prozent seines täglichen Energiebedarfs mit Zucker zu decken. Die aktuelle Empfehlung lautet fünf Prozent. Bei Frauen wären das etwa fünf bis sechs Teelöffel, bei Frauen sieben bis acht. Für die Zahngesundheit sei das allerdings immer noch zu viel, schreiben Wissenschaftler im Fachmagazin "BMC Public Health": Um Karies zu vermeiden, solle die tägliche Zuckeraufnahme drei Prozent nicht überschreiten.

Die Forscher werteten ältere Studien aus, die untersucht hatten, wie der Zuckerkonsum in einem Land sich auf die Häufigkeit von Karieserkrankungen in der Bevölkerung auswirkt. Dabei stellten sie fest, dass Kinder, die ihren Energieaufnahme zu fünf Prozent mit Zucker decken, doppelt so häufig unter Karies leiden wie Kinder, die gar keinen Zucker essen.

Untermauert wurde das durch ein Vergleich verschiedener Länder: In Nigeria, wo fast gar kein Zucker konsumiert wird, litten nur etwa zwei Prozent der Menschen unter Karies, so die Forscher. In den USA, wo Süßigkeiten fast schon zur Grundnahrung gehören, seien dagegen rund 92 Prozent aller Erwachsenen von Karies betroffen. Daten von Langzeitstudien aus Japan zeigten außerdem, dass die Karieshäufigkeit zurückgeht, wenn der Zuckerkonsum sinkt: Im zweiten Weltkrieg, als die japanische Bevölkerung überhaupt keinen Zucker zur Verfügung hatte, sei die Zahl der Karieserkrankungen plötzlich dramatisch gesunken. Nach dem Krieg sei sie dann wieder angestiegen.

Forscher fordern Zuckersteuer

"Karies ist ein ernstes, weltweites Problem und die Reduzierung des Zuckerkonsums hat einen großen Einfluss darauf", schlussfolgert der Hauptautor Aubrey Sheiham. Karies sei auch ein Kostenproblem: Die Behandlung der Zahnkrankheit mache in Industrienationen zwischen fünf und zehn Prozent der gesamten Gesundheitsausgaben aus. Sheiham und sein Mitautor Philip James fordern daher, dass auch die Politik sich für eine Drosselung des Zuckerkonsums stark macht: Automaten mit Softdrinks oder Süßigkeiten sollten in öffentlichen Gebäuden wie Krankenhäusern und Schulen entfernt werden. Lebensmittel, die mehr als 2,5 Prozent Zucker enthalten, sollten speziell gekennzeichnet werden. Und sogar eine Zuckersteuer sei denkbar.

Aktuell gelingt es vielen Menschen nicht einmal, die zehn-Prozent-Marke einzuhalten. Kein Wunder: Eine gewöhnliche Dose Cola (330 Milliliter) enthält bereits genug Zucker, um fünf Prozent des Energiebedarfs zu decken.

Lydia Klöckner
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