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Expertenmeinung Vogelgrippe derzeit ungefährlich für Europa


In China wird die Vogelgrippe immer mehr zu einem Problem. Für Europa kann noch Entwarnung gegeben werden. Alle Fähigkeiten des Erregers seien aber noch nicht bekannt, sagt ein Wissenschaftler.

Eine Ausbreitung der neuen Vogelgrippe nach Europa ist nach Experteneinschätzung derzeit nicht wahrscheinlich. "Die Gefahr, dass das Virus sich über Geflügel bis nach Europa verbreitet, ist nicht besonders groß", sagte der Virologe und Vogelgrippen-Spezialist Prof. Albert Osterhaus (Rotterdam) kurz vor einem Kongress zu Infektionskrankheiten in Berlin der Nachrichtenagentur dpa. Derzeit gebe es auch keine Indizien dafür, dass das Virus tatsächlich von Mensch zu Mensch übertragen werde.

Die WHO hatte vor wenigen Tagen Infektionen dieser Art "in seltenen Fällen" unter engen Familienmitgliedern vermutet, ging jedoch nicht von größeren Übertragungen zwischen Menschen aus. Es sei ein Tiervirus, das auf Menschen überspringen könne, hieß es. Osterhaus ergänzte: "Allerdings hatten 40 Prozent der Erkrankten offenbar keinerlei Kontakt zu Geflügel. Das war beim Vogelgrippeerreger H5N1 damals ähnlich. Wir verstehen die Übertragungswege also noch nicht vollständig."

Gefahr von H7N9 nicht abzuschätzen

Forscher der Universität Zhejiang in Hangzhou hatten mit Hilfe einer Genanalyse bestätigt, dass H7N9-Viren zumindest von Hühnern auf Menschen übertragen werden können. Das Erbgut der Viren eines Patienten ähnelte stark dem von Viren eines infizierten Huhns von einem Geflügelmarkt in China. Die Forscher um Lanjuan Li hatten Proben von Vögeln aus sechs Geflügelmärkten analysiert, wie sie im Fachjournal "Lancet" vom Donnerstag berichten. H7N9-Viren fanden sich in 2 von 5 untersuchten Tauben und 4 von 20 Hühnern, nicht aber in den 57 getesteten Enten und den 4 Wachteln.

Wie gefährlich H7N9 werden könne, sei derzeit schwer einzuschätzen, sagte Osterhaus. "Wir sollten uns jetzt so stark wie möglich auf die Entwicklung von Impfstoffen konzentrieren, vor allem, weil wir nicht genau wissen, ob das Virus nicht doch die Fähigkeit hat, sich sehr viel weiter auszubreiten als bisher."

Entwicklung eines Impfstoffes schon begonnen

"An verschiedenen Orten, auch an unserem Labor, hat die Entwicklung eines Impfstoffes schon begonnen", so Osterhaus. Bis er jedoch gefunden, getestet und schließlich hergestellt sei, würden Monate vergehen. Verfügbare Grippe-Medikamente schienen jedoch anzusprechen. "Das ist beruhigend. Aber wir wissen, dass sich das schnell ändern kann." In China hat der Erreger H7N9 mehr als 100 Menschen infiziert und ist auch in Taiwan aufgetaucht.

Osterhaus gilt als einer der führenden Vogelgrippe-Experten weltweit. Er geriet 2009 allerdings in den Verdacht, enge Verbindungen zu Impfstoffherstellern zu unterhalten. Am Samstag beginnt in Berlin der 23. Europäische Kongress zu Klinischer Mikrobiologie und Infektionskrankheiten (ECCMID). Er dauert bis zum 30. April und es werden mehr als 10 000 Teilnehmer erwartet.

awö/DPA DPA

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