HOME

DR. v. HIRSCHHAUSENS STERN GESUND LEBEN: Hautärztin verrät: So bewahren Sie Ihre Anziehungskraft in jedem Alter

Ist bei älteren Menschen "der Lack ab"? Und muss bei Fältchen immer gleich mit Botox nachgeholfen werden? Eine Dermatologin, ein Autolackierer, eine Visagistin und ein Tattookünstler berichten von ihren Erfahrungen im Umgang mit unserem größten Organ - der Haut.

DR. v. HIRSCHHAUSENS STERN GESUND LEBEN: Unsere ehrliche Haut: "Warum ich mich neuerdings mit Sonnencreme eincreme"

Die Dermatologin: "Wie alt oder jung jemand wirkt, hängt vor allem von seiner Gesamterscheinung ab"

Prof. Dr. Natalie Garcia Bartels, Charité Berlin

Prof. Dr. Natalie Garcia Bartels, Charité Berlin


Neulich saß eine Frau in meiner Praxis, etwa 60 Jahre alt. Sie sah toll aus. Klar hat man ihr das Alter angesehen, trotzdem wirkte sie frisch, fast jugendlich – ohne Unterspritzung mit Botox und . Im Gegenteil: Ihre Falten standen ihr richtig gut zu Gesicht. Alles an ihr war stimmig: ihre Kleidung, ihre Frisur, ihre Gestik. Gleichzeitig strahlte sie von innen. Ich habe ihre Lebensfreude und Zufriedenheit förmlich körperlich gespürt.

Sicher bestimmen unsere Lebensweise und die Gene, wie schnell die Gesichtshaut erschlafft. Doch wie alt oder jung jemand wirkt, hängt vor allem von seiner Gesamterscheinung ab: Gepflegte Haare und Hände, ein modisches Outfit, ein gewinnendes Lächeln sind entscheidend für die individuelle Ausstrahlung und das Auftreten. Die Attraktivitätsforschung bezieht heute nicht ohne Grund den Geruch, die Stimme und Gestik einer Person in ihre Untersuchungen ein.

Jeder kann etwas aus sich machen: mit einer Frisur, die zu den Gesichtsproportionen passt und Kleidung, die den Typ unterstreicht. Dazu ein ehrliches Lächeln. Das Gute an diesen Erkenntnissen: Wir haben die Chance, unsere in jedem Alter zu bewahren, ganz ohne Spritze. Wer wirklich etwas machen lassen will, dem rate ich, gezielt ausgewählte Gesichtspartien zu behandeln, die Zornesfalte vielleicht. Würden wir Hautärzte alle Falten "wegbügeln", blieben starre, emotionslose Gesichter zurück – die nachgewiesenermaßen unsympathisch wirken.

Mit der Gesichtsmimik wecken wir dagegen positive Gefühle beim Gegenüber: Freude und Empathie machen uns attraktiv, menschlich und nahbar. Bei meiner eigenen Hautpflege bin ich oft nachlässiger, als ich es meinen Patienten zugestehen würde. Weil ich ein heller Hauttyp bin und zu Sonnenbrand neige, ist Sonnenschutz für mich ein Muss. Morgens benutze ich meist eine getönte Tagescreme mit Lichtschutzfaktor.

Bei Pflegecremes achte ich auf Bausteine, die der Feuchtigkeit verleihen und eine gewisse Anti-Aging-Wirkung haben sollen: Hyaluronsäure, Retinol oder Vitamin C. Bei konsequenter Anwendung kann dies langfristig ein frischeres Hautbild bewirken.

Der Tattookünstler: "Viele wollen mit dem Tattoo nicht nur sich, sondern ihr Leben verändern"

Luke Atkinson, Tätowierer des traditionellen japanischen Stils, leitet das Studio "Checker Demon" in Stuttgart, checkerdemon- tattoos.de

Luke Atkinson, Tätowierer des traditionellen japanischen Stils, leitet das Studio "Checker Demon" in Stuttgart, checkerdemon- tattoos.de


Früher trugen Leute , um zu provozieren, sich abzugrenzen – wie ich als Punk. Mittlerweile tragen viele Tattoos, um dazuzugehören. Als ich vor mehr als 30 Jahren begann, hatten viele Kunden Tattoos, um sie unter der Kleidung zu verstecken. Heute wollen immer mehr immer größere Werke, manche lassen sich die Hände, den kompletten Arm oder den Hals tätowieren. Das mache ich nicht. Oft gehen die Erwartungen weit über das Tattoo hinaus. Viele wollen damit nicht nur sich verändern, sondern ihr Leben.

Die meisten machen sich Tausende Gedanken, haben genaue Ideen und Wünsche, die ich auf ihren Körper übersetzen soll. Doch ich bin kein Kopiergerät. Total beliebige Tattoos mache ich nicht, gemeinsam mit den Kunden entwickle ich persönliche Motive, die zu ihnen passen. Letztlich will jeder eine Verschönerung.

Wenn ein Tattoo nicht umsetzbar ist oder ein Motiv nicht passt, weil es viel zu klein oder überladen ist, sage ich das meinen Kunden ehrlich. Ich will zeitlose Kunstwerke gestalten, nicht nur für den Moment. Sie müssen zum Träger passen, auch Jahrzehnte später.

Wenn jemand extrem unsicher wirkt, rate ich ihm, sich nochmals Gedanken zu machen. Schließlich habe ich Verantwortung für die Haut meiner Kunden. Viele fragen sich: Was ist, wenn mir mein Tattoo im Alter nicht mehr gefällt? Dann frage ich: Was ist, wenn ich in 30 Jahren in den Spiegel gucke und mir gefällt mein Gesicht nicht mehr? Es bleibt dennoch ein Teil von mir. Ein richtig gutes Tattoo lässt sich erst später erkennen, wenn es nach Jahren immer noch toll aussieht. Haut verändert sich und mit ihr das Tattoo.

Die Visagistin: "Ich helfe Menschen, in ihre Rolle vor der Kamera zu schlüpfen"

Sabine Kalten, Hamburg brautzauberin-hamburg.de

Sabine Kalten, Hamburg brautzauberin-hamburg.de

Ich arbeite viel für Talkshows wie zum Beispiel Markus Lanz. Vor Auftritten helfe ich Menschen, in ihre Rolle zu schlüpfen. Mit Make-up und Hairstyling sorge ich dafür, dass sie sich wohlfühlen und vor der gut zur Geltung kommen.

90 Prozent der Männer wollen am liebsten gar nichts, nur abpudern, damit sie nicht so glänzen, etwas Gel für die Haare. So auch Eckart von Hirschhausen, den ich auch schon für die Talkshow von Markus Lanz auf meinem Stuhl hatte. Frauen, vor allem die prominenten, wissen sehr genau wie sie sich in Szene setzen wollen.

Heute werden nicht mehr so dicke Schichten aufgetragen, die neue HD-Technik beim Fernsehen ist gnadenlos: Man sieht jede Falte und jede Pore. Da sind nicht nur gute Kosmetikprodukte gefragt, sondern mein Können. Für ein gutes Make-up brauche ich etwa eine Stunde. Aber oft muss es beim Fernsehen schneller gehen. Ich trage mit dem Pinsel auf, aber am besten verbindet sich Make-Up von Haut zu Haut, also mit den Händen.

Seit 13 Jahren arbeite ich auch als als Brautstylistin. Die jungen Frauen möchten an ihrer Hochzeit vor allem eins: Prinzessin sein. Die meisten wünschen sich einen dezenten, natürlichen Look und eine verspielte Hochsteckfrisur, bloß nicht zu streng. Ich bin zufrieden, wenn eine Frau zu mir sagt: "Ja, das bin ich, so fühle ich mich in meiner Haut wohl."

Meine Tipps für eine schöne Haut: ausreichend Schlaf, viel frische Luft, gesunde Ernährung, Sonnenschutz und nicht Rauchen! Tabak verengt die Gefäße, Alkohol erweitert sie – beides ist Gift für die Haut. Der Spruch: "Die Haut ist der Spiegel der Seele" stimmt, das beobachte ich immer wieder – Frust und Traurigkeit lassen sich nicht einfach wegschminken.

Der Autolackierer: "Unser Slogan: Wir lackieren alles, außer Nägel"

Hakan Karadiken ist gelernter Kfz-Mechaniker und Inhaber des Lackierzentrums "Haka" in Hamburg-Bergedorf, autohaka.de

Hakan Karadiken ist gelernter Kfz-Mechaniker und Inhaber des Lackierzentrums "Haka" in Hamburg-Bergedorf, autohaka.de


Für viele meiner Kunden ist die Karosserie ihr zweites Selbst, das makellos aussehen muss. Die wollen beim Aussteigen bewundert werden. Und sie fühlen sich auch innerlich besser, wenn ihr Auto glänzt. Ein Stammkunde von mir ist ein älterer Golffahrer, der kommt bei jeder noch so winzigen Delle, die ihm eine Kastanie geschlagen hat.

Nach meiner Erfahrung ist es vor allem Älteren und Frauen wichtig, dass ihr Auto gepflegt aussieht. Die Frauen wollen nicht, dass Leute an der Ampel Kratzer an der Tür sehen und "typisch Frau" denken, obwohl die vielleicht ihr Mann reingefahren hat. Und die Älteren wollen nicht, dass die Nachbarin sie beim Einparken beobachtet und brüllt: "Mensch, Herr Jansen, wie sieht Ihr Auto denn schon wieder aus?"

Ältere haben ja nicht mehr so unter Kontrolle, wie sich ihr Körper verändert. Da soll wenigstens der Lack frisch aussehen. Das Altern des eigenen Autos lässt sich besser aufhalten. Ich habe Kunden, denen ihr Auto offensichtlich wichtiger ist als ihr Äußeres. Das ist aber die Ausnahme. Die Peniblen erkennt man meistens an ihren Händen. Wenn die Hände gecremt sind, die Nägel perfekt geschnitten, dann soll auch das Auto blitzeblank sein. Meistens sind auch deren Schuhe wie geleckt.

Wie beim Schminken gibt es einen Trend zur Dezenz, zur Natürlichkeit. Grelle Autos sieht man kaum noch. 70 Prozent unserer Farben sind Silber oder Schwarz. Und alle wollen jetzt matte Wagen, matte Felgen. Die meisten Aufträge haben wir im April und Mai. Wenn die Leute auf der Straße wieder Haut zeigen, wenn sie kurze Hosen und Kleider tragen, dann muss auch die Motorhaube leuchten, dann muss das Heck glitzern.

Grad gestern kam ein Cabriofahrer um die 50, der hatte seine Lebensversicherung gekündigt und wollte es sich richtig gönnen. Und hat erst mal seine Stoßstange neu lackieren lassen für ‘nen Tausender. So ist das halt: Die Deutschen pflegen ihre Autos wie ihre Haut. Oder noch mehr. Narben und Falten machen Menschen interessant. Und auch ein paar Kratzer und Beulen am Auto sind schon okay. Aber Rost geht gar nicht. Rostpickel breiten sich aus wie ein Krebstumor. Der muss weg. 

Wissenscommunity