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Kritische Reaktionen Spahn kann sich Karneval während Corona "nicht vorstellen" – Jecken halten dagegen

Person in Karnevalskostüm und mit Mundschutz
Twitter-User äußerten sich unter dem Hashtag #Karneval zwar in der Mehrzahl zu einer möglichen Karnevals-Absage zustimmend, von Einstimmigkeit kann jedoch keine Rede sein (Symbolbild)
© Epiximages / iStockphoto / Getty Images
Der deutsche Gesundheitsminister bezweifelt mit Blick auf die Corona-Krise, dass Karneval im kommenden Winter möglich sein wird. Kölns Karnevalisten, der Moderator Bernd Stelter und etliche Social-Media-Nutzer sehen das anders.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hat sich wegen der Corona-Pandemie skeptisch geäußert, ob im kommenden Winter Karneval stattfinden kann. Wie die "Rheinische Post" ("RP") berichtet, sagte der CDU-Politiker am Dienstag in einer Telefonkonferenz des Gesundheitsausschusses: "Ich war selbst Kinderprinz und komme aus einer Karnevalshochburg. Ich weiß also, wie wichtig Karneval für viele Millionen Deutsche ist. Aber: Ich kann mir Karneval in diesem Winter, mitten in der Pandemie, schlicht nicht vorstellen. Das ist bitter, aber so ist es."

Die "RP" beruft sich auf Angaben aus Teilnehmerkreisen. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur (DPA) war Spahn von Mitgliedern des Ausschusses nach seinen Äußerungen zu Familienfeiern und Festen gefragt worden und was dies mit Blick auf den Karneval bedeute. Spahn hatte angeregt, wegen des Ansteckungsrisikos noch einmal über die erlaubte Größe privater Feste zu sprechen.

Frühzeitige Karnevalsabsage "wenig zielführend"

Das Festkomitee Kölner Karneval sprach sich gegen eine Absage des Karnevals schon zum jetzigen Zeitpunkt aus. "Man muss nicht heute das verbieten, was in einem halben Jahr stattfinden soll", sagte Michael Kramp, Sprecher des Festkomitees, des Dachverbands der meisten Kölner Karnevalsvereine. "Eine pauschale Absage mehrere Monate vor der Session halten wir für wenig zielführend", ergänzte der Präsident des Festkomitees, Christoph Kuckelkorn.

Eine Absage wäre für die Hochburgen "ein wirtschaftliches Desaster", sagte der Präsident des Bundes Deutscher Karneval, Karl-Ludwig Fess, der "Rheinischen Post". Er forderte Spahn auf, den Bundesverband und Regionalvertreter zu einem Runden Tisch einzuladen. "Die Gesundheit steht an erster Stelle, auch bei uns Karnevalisten", so Fess, "aber bevor Veranstaltungen abgesagt werden, muss es darüber Gespräche geben."

Die Kölner Karnevalisten wollten nicht um jeden Preis feiern, betonte Kramp. Sollte die Zahl der Infizierungen in nächster Zeit weiter zunehmen und die Corona-Schutzverordnung wieder verschärft werden, etwa so, dass sich nur noch Gruppen von bis zu zehn Menschen treffen dürften, dann seien Karnevalsfeiern natürlich nicht möglich. Das könne man aber derzeit noch nicht absehen, sagte Kramp.

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© Andreas Rentz / Getty Images

Karnevalsabsage zu kurz gegriffen

Der Komiker und Fernsehmoderator Bernd Stelter ist gegen eine generelle Karnevalsabsage. "Karneval kann man nicht absagen, das ist Teil des Kalenders", sagte der 59-Jährige am Mittwoch der DPA. "Was man absagen kann, sind Veranstaltungen. Da muss man mal ein bisschen kreativ sein. Einfach so wie früher 10.000 Mann in die Kölnarena, alle schunkeln, bützen und singen laut, das wird sicher nicht funktionieren, das ist völlig klar."

Andererseits sei Karneval aber "auch ein Ausdruck der Lebensfreude, und Lebensfreude haben wir im Moment mal wirklich zu wenig". Deswegen solle man sich schon fragen: "Was kann man denn machen? Nur einfach sagen 'Es ist verboten', reicht da nicht aus."

Für viele Künstler wäre eine komplett ausgefallene Karnevalssession außerdem existenzgefährdend. "Ich mach das jetzt seit 30 Jahren. Wenn das meine Existenz gefährden würde, dann hätte ich ganz viel falsch gemacht in den letzten Jahren", sagte Stelter. "Ich werde daran nicht pleite gehen. Aber junge Kollegen, die das vielleicht erst seit ein, zwei, drei Jahren machen oder auch die ganzen Technikfirmen, für die sieht das ganz, ganz böse aus."

Twitter-User äußerten sich unter dem Hashtag #Karneval zwar in der Mehrzahl einer möglichen Karnevals-Absage zustimmend, von Einstimmigkeit kann jedoch keine Rede sein. Bemängelt wird beispielsweise von User "Otto Normalverbraucher", dass, wenn es schon wieder Flugreisen, Demos, vollbesetzte Klassenräume und bald auch wieder Zuschauer in Fußballstadien gebe, eine Komplettabsage von Karnevalsfeiern unverständlich sei. Auch stören sich User an der Pauschalität von Spahns Aussage. Zumindest in kleineren Ortschaften würde ein Karnevalsumzug sicher kein erhöhtes Infektionsrisiko darstellen, schrieb etwa Userin Franzini.

km / <br/> DPA

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