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Greenpeace: Gen-Leinsamen in vielen Lebensmitteln

Greenpeace hat den gentechnisch veränderten Leinsamen nun auch in Lebensmitteln wie Brötchen und Müsli nachgewiesen. Die Umweltorganisation spricht von einem "Skandal", - die Rufe nach einer lückenlosen Aufklärung des Falls werden lauter.

Die Umweltorganisation Greenpeace hat gentechnisch veränderten Leinsamen in Brötchen, Müsli und Backmischungen auch in Hamburg entdeckt. Die Lebensmittel waren am Mittwoch stichprobenartig in Märkten von Edeka, Rewe, Rossmann und Schlecker gekauft und von einem Speziallabor untersucht worden. Der gefundene Gen-Leinsamen sei in der Europäischen Union (EU) weder zum Anbau noch als Lebensmittel zugelassen. Greenpeace fordert die betroffenen Supermärkte auf, die gentechnisch veränderten Produkte sofort aus den Regalen zu nehmen.

"Einmal in die Natur freigesetzt, verbreiten sich Gen-Pflanzen unkontrolliert", sagte Greenpeace-Sprecherin Stefanie Hundsdorfer. Dieser Fund zeige, dass Lebensmittel nur dann frei von Gentechnik bleiben, wenn der Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen weltweit verboten wird. Die entdeckte Gen-Leinsaat CDC Triffid enthalte ein Resistenz-Gen gegen das Antibiotikum Kanamycin. Es könne nicht ausgeschlossen werden, dass die Resistenz auf Bakterien übertragen wird. Eine solche Übertragung gefährde die Wirksamkeit des Antibiotikums auch beim Menschen.

600.000 Tonnen in EU importiert

Allein im Jahr 2006 wurden laut Greenpeace 600.000 Tonnen Leinsamen in die EU importiert, rund 70 Prozent davon aus Kanada. Dort werde er seit 2001 offiziell nicht mehr angebaut. "Es ist ein Skandal, dass die Gen-Saat dennoch hier bei uns ins Essen gelangen konnte", sagt Hundsdorfer.

Die Organisation Foodwatch verlangte von den Behörden, "unverzüglich Ross und Reiter zu nennen". Eine Sprecherin sagte der "Neuen Osnabrücker Zeitung", der Bürger habe einen Anspruch darauf zu erfahren, in welchen Produkten der in der EU nicht zugelassene gentechnisch veränderte Leinsamen enthalten sei.

Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) fordert verstärkte Kontrollen, mehr Transparenz und eine intensivere gesellschaftspolitische Diskussion über Gentechnik. "So lange die Risiken von gentechnisch veränderten Sorten nicht geklärt und ausgeschlossen sind, lehnen wir jedweden Anbau und Handel ab", sagte der NGG-Vorsitzende Franz-Josef Möllenberg.

Europaweites Problem

Das baden-württembergische Verbraucherschutzministerium hatte am Donnerstag den Fund von gentechnisch verändertem Leinsamen bekanntgegeben. Nach Worten von Ressortchef Peter Hauk (CDU) handelt es sich dabei um ein europaweites Problem. Der vermutlich aus Kanada stammende Leinsamen ist in der EU nicht zugelassen. Eine Gesundheitsgefahr für Verbraucher besteht nach Angaben des Ministeriums aber nicht. Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) hatte an die Länder appelliert, die gentechnisch veränderten Körner so schnell wie möglich aus dem Handel zu nehmen.

AP/DPA / AP / DPA

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