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Hautkrebsrisiko : Die elf gefährlichsten Sonnenschutz-Mythen

Doppelt eingecremt hält länger, vorbräunen im Solarium schützt die Haut. Diese und andere falsche Fakten über Sonnenschutz halten sich hartnäckig - wir decken die gefährlichsten Irrglauben auf.


1. Wasserfest bedeutet, dass der Schutz im Wasser voll erhalten bleibt

"Wasserfest" dürfen Produkte bezeichnet werden, wenn nach etwa einer halben Stunde im Wasser der Schutz noch zu mindestens 50 Prozent erhalten ist. Doch nicht alle Produkte halten das Versprechen, wie die Stiftung Warentest zeigte. Nach dem Baden sollte daher mit Creme nachgelegt werden. Nicht zuletzt, weil nochmal rund 80 Prozent der Sonnenmilch beim Abtrocknen im Handtuch haften bleibt. 

2. Öfter eingecremt heißt längerer Schutz

Je nach Hauttyp kann ein Mensch zwischen fünf und 30 Minuten an der Sonne sein, ohne einen Sonnenbrand zu riskieren. Multipliziert

man diese Eigenschutzzeit mit dem Lichtschutzfaktor, ergibt sich jene Dauer, die wir uns mit Sonnenschutz der Sonne aussetzen können. Beispiel: Ein Mensch mit heller Haut und einer Eigenschutzzeit von zehn Minuten verwendet eine Sonnencreme mit LSF 30. Damit darf er fünf Stunden in der Sonne verbringen. Das erneute Auftragen der Creme ändert an dieser Schutzzeit aber nichts, sie wird lediglich aufrechterhalten. 

3. Je höher der Lichtschutzfaktor, desto besser der Schutz

Das stimmt - zumindest für Produkte mit einem LSF bis 50. Jenseits der 50 ist kein nennenswerter Mehrwert zu verzeichnen. In Deutschland findet man daher lediglich die Kennzeichnung 50+.  Im Ausland aber werben Hersteller mit Lichtschutzfaktoren bis zu 100, was bedeuten würde , dass man 100 Mal so lange in der Sonne bleiben kann wie ohne Schutz. "Das ist vollkommen unrealistisch", sagt Uwe Trefzer, Hautarzt am Dermatologikum Berlin. 

4. Klamotten halten Strahlen fern

Ganz klar: Ein T-Shirt ist besser als gar kein Schutz. Doch auch Textilien halten nicht die gesamte UV-Strahlung fern. In einer Untersuchung der Ruhr-Universität Bochum wurden Sommerklamotten auf ihre UV-Durchlässigkeit geprüft. Das Ergebnis: fast die Hälfte wies einen LSF unter 15 auf. Kleider aus Baumwolle, Leinen, Viskose und Modal bieten den geringsten Schutz - sie sind aber gerade im Sommer wegen ihrer Luftigkeit besonders beliebt. Chemische Fasern wie Polyester bieten immerhin einen Lichtschutzfaktor um die 30. Eine weitere Rolle spielt die Farbe. Eine Faustregel lautet: je dunkler die Farbe, desto höher der UV-Schutz des Stoffes. 

5. Wolken, Schatten und Wasser schützen vor Strahlung

Der Himmel ist bewölkt, also kann die Sonnencreme im Schrank bleiben? Falsch! 70 bis 90 Prozent der UV-Strahlung dringen durch Wolken. 50 Prozent der Strahlung erreichen uns laut Dermatologe Trefzer im Schatten. Und auch beim Baden ist die Sonnenbrandgefahr nicht gebannt. In normaler Schwimmtiefe gelangen noch 60 Prozent Strahlung auf die Haut. Weil das Wasser kühlt, wird die Strahlung meist unterschätzt. Sonnenschutz empfiehlt sich auch auf Autofahrten. Die Autoscheibe hält zwar die kurzwelligen UVB-Strahlen, die für die Pigmentanregung und Sonnenbrand sorgen, ab. Die langwelligen UVA-Strahlen, die vor allem für Hautalterung verantwortlich sind, dringen aber hindurch. Hinter Glas werden wir also nicht braun oder rot, dafür alt.

6. Junge Haut steckt einen Sonnenbrand gut weg

Im Gegenteil: Kinderhaut ist besonders gefährdet, da viele Schutzmechanismen der Haut noch nicht fertig ausgebildet sind. "Vor allem schwere Sonnenbrände können zu Hautkrebs führen", so Trefzer. Wer sein Sonnenkonto überzieht, zahlt die Zinsen meist erst 20 bis 30 Jahre später. Kinder sollten daher unbedingt vor zu viel Sonne geschützt werden. Trefzer rät zu Sonnenmilch sowie textilem Sonnenschutz (Hut, langärmelige Kleidung, Sonnenbrille, spezielle Strandkleidung für Kleinkinder), und dazu, die heißeste Zeit des Tages zwischen 11 und 15 Uhr zu meiden. 

7. Wer keinen Sonnenbrand hat, bekommt auch keinen Hautkrebs

Selbst wer nie einen Sonnenbrand bekommt, sich aber über Jahre der UV-Strahlung aussetzt, kann an Hautkrebs erkranken. Auch der Glaube, dass Sonnencreme zuverlässig vor Melanomen schützt, ist falsch. Bislang belegt keine Studie den vollen Schutz von Sonnenprodukten. Sonnenmilch steht daher nur an dritter Stelle der Schutzmaßnahmen. Wer auf Nummer sicher gehen möchte, sollte lange Kleidung tragen oder die Sonne - vor allem in der Mittagszeit - meiden. 

8. Sonnenschutz braucht man nur im Urlaub

Das glauben laut einer Studie der Uni Erlangen tatsächlich viele Menschen und verzichten daher außerhalb der Ferienzeit auf Sonnenschutz. Vor allem für Kinder geht diese Rechnung aber nicht auf: Sie halten sich über das ganze Jahr viel im Freien auf, wovon nur ein geringer Teil auf die Urlaubszeit entfällt. Doch auch Erwachsene, die sich in der Mittagspause nur kurz sonnen, sollten sich schützen. Die Haut vergisst keinen Sonnenstrahl, lautet ein Grundsatz. Ein weiterer besagt: 80 Prozent der sichtbaren Hautalterung gehen auf UV-Strahlung zurück. 

9. Vorbräunen im Solarium schützt die Haut beim späteren Sonnenbad

UVB-Strahlen verdicken die Hornhaut und schützen die Haut so vor der Sonne. Zu viel UVB-Strahlung schädigt die Haut allerdings und führt zu Sonnenbränden. Da die meisten Geräte jedoch mit UVA-Strahlen arbeiten, die zwar bräunen, aber nicht zum Hautschutz beitragen, bringt ein Solarium-Besuch vor dem ersten Strandtag nichts. Im Gegenteil: Er schädigt die Haut nur zusätzlich. Die Behauptung, Solarien seien gesünder als die echte Sonne es ist, stammt aus einer Zeit, als man über UVA-Strahlen noch nicht genug wusste. Heute ist bekannt, dass auch sie zur Hautkrebsbildung beitragen können - und in jedem Fall die Haut altern lassen. Daher sollte bei einer Sonnencreme auch darauf geachtet werden, dass sie Schutz vor UVB- und UVA-Strahlung bietet. 

10. Die Sonnencreme vom letzten Jahr tut's noch

Sonnenschutzmittel werden seltener benutzt als andere Kosmetikprodukte. Sie halten aber in der Regel trotzdem nicht länger. Angebrochene Flaschen oder Tuben sollten innerhalb von sechs Monaten aufgebraucht und kühl gelagert werden. Da man beim Gebrauch von Sonnencreme klotzen statt kleckern sollte, dürfte eine Tube spätestens nach dem Sommer ohnehin leer sein. Eine Faustregel lautet: Mit 300 Milliliter kommt eine Einzelperson etwa eine Woche aus. Um den angegebenen Lichtschutzfaktor zu erreichen, braucht es zwei Milligramm pro Quadratzentimeter Haut. 

11. Guter Sonnenschutz kostet

Muss es immer das teure Produkt sein? Oder tut es auch das billigere aus dem Drogeriemarkt? "Es gibt keinen Zusammenhang zwischen Preis und Qualität. Die Angabe des Lichtschutzfaktors ist normiert. Somit muss der Lichtschutz eines billigen Produktes derselbe sein wie der eines teuren", sagt Uwe Trefzer. Wer auf Nummer sicher gehen will, kann sich an den Ergebnissen von Stiftung Warentest orientieren. 

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