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Herz-Kreislauf-Erkrankungen: Die neue Pest

Herzinfarkte und Schlaganfälle sind heutzutage weltweit die häufigsten Todesursachen. Wissenschaftler sprechen von einer Pandemie, die "tödlicher ist als die Pest im Mittelalter".

Herz-Kreislauf-Krankheiten bedrohen vor allem in den westlichen Ländern zunehmend die Gesundheit. Während Infektionskrankheiten zurückgingen, seien diese Krankheiten immer öfter Ursache für Todesfälle und Behinderungen, sagt der Präsident der Europäischen Kardiologenvereinigung (ESC), Jean-Pierre Bassand.

"Unser gesamter Planet wird von einer Pandemie (Epidemie großen Ausmaßes) kardiovaskulärer Krankheiten erschüttert, die weit tödlicher ist als die Pest im Mittelalter", warnte Bassand. Herzinfarkte und Schlaganfälle seien schon jetzt weltweit die häufigsten Todesursachen, die Tendenz sei weiter steigend.

Rauchen wird eine der häufigsten Todesursachen werden

Als besondere Risikofaktoren hob Bassand das Rauchen sowie Übergewicht hervor. Auf der ganzen Welt werde geraucht. "Obwohl die Zahl der Raucher in den westlichen Ländern allmählich abnimmt, steigt sie in Asien und vielen Entwicklungsländern permanent an", erläuterte der Mediziner. "Wir rechnen damit, dass Rauchen eine der häufigsten Todesursachen im Jahr 2020 sein wird." Dann werde das Rauchen für rund acht Millionen Todesfälle pro Jahr verantwortlich sein. Auch das Übergewicht entwickle sich mehr und mehr zu einem weltweiten Phänomen. Hier sei ebenfalls eine globale Strategie erforderlich, forderte Bassand.

Bei 90 Prozent aller Fälle ist der Herzinfarkt vorhersehbar

Die allermeisten Herzinfarkte sind vorhersehbar. Anhand von neun leicht messbaren Faktoren könne das Risiko zu 90 Prozent vorhergesagt werden, ergab die internationale Untersuchung "Interheart". Bisher sei man davon ausgegangen, dass nur 50 Prozent des Risikos prognostiziert werden könnten, sagte der Studienkoordinator Salim Yusuf aus Kanada. Die Studie ergab weiter, dass sich allein mit einer Änderung des Lebensstils die Infarkt-Gefahr um 80 Prozent verringern lasse.

Die wichtigsten Risikofaktoren für einen Herzinfarkt sind der Studie "Interheart" zufolge Rauchen und ein abnormes Verhältnis der verschiedenen Blutfette. Diese beiden Faktoren ermöglichten schon die Prognose von zwei Dritteln aller Herzinfarkte. Weitere Risikofaktoren seien hoher Blutdruck, Diabetes, Bauchfett, Stress, fehlende tägliche Bewegung und fehlender Konsum von Obst und Gemüse. Geringe Alkoholmengen sollen dagegen eine Schutzwirkung haben.

Dunkle Schokolade stärkt die Blutgefäße

"Es scheint, als ob diese Risikofaktoren für praktisch jede Region, jede ethnische Gruppe, für Frauen und Männern sowie für Junge und Alte gelten", sagte Studienleiter Yusuf. "Das bedeutet, dass wir in der Lage sein sollten, die Mehrheit der Herzinfarkte in jüngeren Jahren zu verhindern." An der Studie nahmen 30.000 Menschen aus aller Welt teil.

Gute Nachrichten für Schoko-Fans kommen aus Griechenland: Dunkle Schokolade stärkt nach einer Studie die Blutgefäße. Der Effekt nach 100 Gramm dunkler Schokolade habe bei den Studienteilnehmern mehr als drei Stunden angehalten. Noch reichten die Ergebnisse aber nicht aus, um sagen zu können, dass Kakao Herz-Kreislauf-Erkrankungen wirklich reduziere. Zudem könne dauernder Schokoladenkonsum zu Gewichtszunahme führen - und diese stelle wiederum ein Risiko dar.

Interaktive Infografik: Herz & Kreislauf

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DPA / DPA
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