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Ernährung: "Low Carb" ist schlecht fürs Herz

Mit dem Verzicht auf Kohlenhydrate versuchen viele Menschen abzuspecken. Die so genannten Low-Carb-Diäten scheinen aber eine gefährliche Nebenwirkung zu haben: Einer neuen Studie zufolge erhöhen sie das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Fettige Haxe erlaubt, Weintrauben verboten - so sind die Regeln bei Low-Carb-Diäten

Fettige Haxe erlaubt, Weintrauben verboten - so sind die Regeln bei Low-Carb-Diäten

Ob Atkins-Diät, Montignac-Methode oder Glyx-Prinzip - kohlenhydratarme Diäten sind "in". Der Speiseplan dieser so genannten Low-Carb-Diäten unterscheidet sich teilweise deutlich von dem, was den meisten Menschen beim Stichwort "gesunde Ernährung" als erstes einfällt: So sind bei der Atkins-Diät Käse, Fleisch und Eier erlaubt, Brot, Kartoffeln, Nudeln, Reis weitgehend verboten und sogar Obst nur in kleinen Mengen vorgesehen. Kohlenhydrate gelten den Low-Carb-Fans als böse Dickmacher, denn chemisch gesehen sind sie Zuckermoleküle - nimmt der Körper zuviel von ihnen auf, wandelt er sie in Fett um.

Offenbar hat "Low-Carb" aber bisher unbekannte Nebenwirkungen: Schon nach wenigen Wochen kann die fett- und eiweißreiche Kost das Risiko für Herz-Kreislauf-Krankheiten erhöhen. Dies ist das erste Ergebnis einer Untersuchung verschiedener Diäten durch die Universität Göttingen, an der 160 übergewichtige Frauen teilnehmen.

Vitamine fehlen

Bereits vier Wochen nach Beginn der Studie war die Konzentration von so genanntem Homocystein im Blut der "Low-Carb"-Teilnehmerinnen deutlich erhöht. "Homocystein ist ein Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Krankheiten", sagt Thomas Ellrott, stellvertretender Leiter der Ernährungspsychologischen Forschungsstelle an der Hochschule. Ellrot vermutet, dass der Homocystein-Anstieg durch den geringen Verzehr an Obst, Gemüse und Vollkornprodukten verursacht wird. "Diese Lebensmittel sind bei einer 'Low-Carb-Diät' praktisch verboten, enthalten jedoch gerade die für den Abbau von Homocystein wichtigen Vitamine B6 und Folsäure."

Ob man den Anstieg der Homocystein-Konzentration durch künstliche Vitamin-Zugaben und Folsäure zu verhindern kann, lasse sich derzeit allerdings noch nicht sagen. Allen Patientinnen mit erhöhten Werten wurde sicherheitshalber ein Vitaminpräparat verordnet. Im Frühjahr 2006 wollen die Forscher die Teilnehmerinnen abschließend medizinisch untersuchen.

Low-Carb versus Low-Fat

Bislang gibt es keine Untersuchungen zur Wirksamkeit aktuell diskutierter Diät-Ansätze unter deutschen Lebensbedingungen. Um diese Daten zu erhalten, vergleichen die Forscher jetzt die Auswirkungen der "Low-Carb-Diät", bei der maximal 30 Gramm Kohlenhydrate pro Tag aufgenommen werden dürfen, mit zwei fettarmen Ernährungsformen. Bei der "Low-Fat-Diät" dürfen maximal 30 Gramm Fett pro Tag verzehrt werden, bei der "Low-Fat-Diät mit reduzierter glykämischer Last" maximal 30 Gramm Fett und höchstens 50 Gramm so genannte stark blutzuckerwirksame Kohlenhydrate. Den Teilnehmerinnen wurden die Diätformen nach dem Zufallsprinzip zugeteilt. Ausführliche Laboruntersuchungen fanden zu Beginn des Programms und nach einem Monat statt.

Durch die Studie erhoffen sich die Forscher unter anderem Aufschluss darüber, welche Menschen von welchen Diätformen am besten profitieren. Um die Ergebnisse vergleichbar zu machen, erhalten die Frauen ergänzend alle eine identische Betreuung mit medizinischen Untersuchungen, Anleitungen zu einem Bewegungsprogramm und zu Verhaltensänderungen.

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DDP/aun/DDP
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