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"Yasminelle" Ihr Herz blieb stehen – wegen der Anti-Baby-Pille? 36-Jährige will 200.000 Euro Schmerzensgeld von Bayer

Die 31-jährige Felicitas Rohrer hält eine Packung der Yasminelle-Pille in die Kamera
Felicitas Rohrer will nach eigenen Angaben rund 200 000 Euro Schadensersatz und Schmerzensgeld von dem Pharmaunternehmen Bayer (Bild von 2015)
© Patrick Seeger / Picture Alliance / DPA
Für eine junge Frau ist mit 25 Jahren plötzlich alles anders: Felicitas Rohrer erleidet eine Lungenembolie, hat einen Herzstillstand und stirbt beinahe. Sie macht eine Verhütungspille von Bayer dafür verantwortlich – und klagt. 2018 verlor sie in der ersten Instanz, nun geht sie in Berufung.

Das Oberlandesgericht Karlsruhe verhandelte am Dienstag in Freiburg in Berufung über die Schadenersatzklage einer Frau gegen den Pharmavertreiber Bayer Vital GmbH. Der Rechtsstreit um mögliche Gesundheitsgefahren durch die Einnahme der Verhütungspille "Yasminelle" beschäftigt damit bereits die zweite Instanz.

Die Klägerin aus dem Ortenaukreis erlitt im Juli 2009 eine beidseitige Lungenembolie sowie einen Kreislaufzusammenbruch mit Herzstillstand und entging nur knapp dem Tod. Die mittlerweile 36-Jährige führt das auf die Einnahme der Verhütungspille "Yasminelle" mit dem Wirkstoff Drospirenon zurück. Dieses Präparat gehört zu den Verhütungspillen der sogenannten vierten Generation, die immer wieder wegen erhöhter Thrombose-Risiken in der Kritik stehen.

Die Verteidigung von Bayer sucht nach anderen möglichen Ursachen

Nach Angaben des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) erleiden bei Einnahme des Wirkstoffs Drospirenon etwa neun bis zwölf von 10.000 Frauen innerhalb eines Jahres eine venöse Thromboembolie. Bei der Einnahme einer Pille der sogenannten ersten Generation sind es nur fünf bis sieben. Das Institut empfiehlt Ärzten mittlerweile, insbesondere für Erstanwenderinnen und Anwenderinnen unter 30 Jahren, bevorzugt Pillen der ersten und zweiten Generation zu verschreiben, also jene Pillen "mit dem bekannten geringsten Risiko für venöse Thromboembolien".

In der Verhandlung in Freiburg wurde ein Sachverständiger unter anderem dazu befragt, ob die Gesundheitsschäden der Frau auch auf andere Faktoren als auf die Einnahme der Pille zurückzuführen sein könnten – etwa auf einen Langstreckenflug der Klägerin Monate zuvor. Darauf zielt die Bayer-Verteidigung ab: Wenn das Unternehmen sicher nachweisen kann, dass im konkreten Einzelfall andere Faktoren als das Medikament geeignet gewesen sein können, die Gesundheitsschäden zu verursachen, haftet es nicht, wie ein Gerichtssprecher erläuterte. Eine Entscheidung soll am 25. Juni verkündet werden.

PTBS, Panikattacken, Depressionen – die Klägerin leidet noch heute

Für Felicitas Rohrer geht es um viel. "Ich werde nie wieder zu meinem alten Körper kommen", sagte die heute 36-Jährige kurz vor dem Prozesstag. "Man wacht mit 25 aus dem Koma auf und kann gar nichts mehr." Heute leide sie unter einer posttraumatischen Belastungsstörung, Panikattacken und Depressionen und müsse ihren Alltag nach der Krankheit ausrichten. Das Verfahren sei zudem ein sogenannter Beispielprozess. Sollte das Gericht zu ihren Gunsten entscheiden, könne das viele Klagen weiterer "Yasminelle"-Geschädigter gegen Bayer nach sich ziehen. 2018 war die Frau mit ihrer Schadenersatzklage vor dem Landgericht Waldshut-Tiengen gescheitert.

Rita Maglio und Jana Pfenning

Die Bayer Vital GmbH hält die Ansprüche der Klägerin für unbegründet. Niedrig dosierte kombinierte orale Kontrazeptiva wie "Yasminelle" wiesen bei bestimmungsgemäßer Einnahme ein positives Nutzen-Risiko-Profil auf. Die Pille "Yasminelle" und ihr Wirkstoff Drospirenon wurden nach Bayer-Angaben von der ehemaligen Schering AG entwickelt. Seit diese von Bayer übernommen wurde, gehört "Yasminelle" demnach zum Bayer-Portfolio und wird heute von Jenapharm, einem Bayer-Tochterunternehmen, vertrieben.

In den USA musste Bayern schon zahlen

In den USA hat Bayer wegen Drospirenon-haltigen Präparaten bereits hohe Vergleichszahlungen leisten müssen. 10.600 Anspruchstellerinnen erhielten dort wegen Erkrankungen infolge von venösen Blutgerinnseln insgesamt rund 2,1 Milliarden US-Dollar, wie das Leverkusener Unternehmen mitteilte. Eine Haftung sei aber nicht anerkannt worden. Im Zusammenhang mit den Präparaten sind nach Bayer-Angaben noch weitere Verfahren anhängig: zwei in den USA und "weniger als zehn" in Ländern außerhalb der USA und Kanada, davon zwei in Deutschland.

mkb DPA

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