HOME

Missstände im Krankenhaus: Offener Brief an Merkel: Der bewegende Hilferuf einer Krankenschwester

Überarbeitete Krankenpfleger und zu wenig Zeit für Patienten: Auf Facebook übt eine Krankenschwester harsche Kritik am Gesundheitssystem - und landet damit einen viralen Facebook-Hit.

Krankenschwester schreibt offenen Brief an Merkel

Zu wenig Zeit für Patienten, übermüdete Pflegekräfte: Auf Facebook kritisiert eine Krankenschwester die Missstände im Gesundheitswesen

Jana L. muss sich bereits längere Zeit mit dem Gedanken getragen haben, an die Öffentlichkeit zu gehen und ihrem Ärger Luft zu machen. Man merkt das an der Art und Weise, wie sie ihr Schreiben verfasst hat. Es wirkt fast atemlos. Auf Facebook hat die Krankenschwester vor zwei Tagen einen offenen Brief veröffentlicht, adressiert an Angela Merkel. Darin übt sie harsche Kritik am Gesundheitswesen.

Was sie dazu bewogen hat? Jana L. gibt an, seit über 20 Jahren an einem Universitätsklinikum zu arbeiten, dessen Namen sie nicht veröffentlicht sehen möchte. Dort habe sie auch ihre Ausbildung absolviert. "Der Mensch stand stets im Mittelpunkt meines Handelns", schreibt sie auf ihrem privaten Facebook-Account. "Wahrung der Menschenwürde, trotz oftmals widriger Umstände, war für mich das oberste Gebot." Doch in den letzten Jahren habe sie nicht mehr nach diesen selbst gesetzten Maßstäben arbeiten können. Der Grund: Das Gesundheitssystem in seiner bestehenden Form mache es quasi unmöglich, sich noch wirklich um die erkrankten menschen zu kümmern.

In ihrem Schreiben prangert die Krankenschwester gleich mehrere Missstände an:

1. Patienten sind zu Kostenfaktoren verkommen

"Eine menschenwürdige Arbeit zu verrichten (ist) nicht mehr möglich. Patienten sind zu Wirtschaftsfaktoren geworden, sind Fallzahlen und Kostenfaktoren. Patienten werden zu früh entlassen, da ihre Finanzierung nicht gewährleistet ist. Wohl dem, der keine Leistungen im Krankenhaus in Anspruch nehmen muss. Denn jeder Aufenthalt könnte im Moment zur tödlichen Falle werden."

2. Ausufernde Bürokratie

"Dokumentationen, die zur Abrechnung dienen, behindern meine Arbeit und fressen Zeit, die ich früher FÜR die Patienten hatte."

3. Überarbeitetes Personal, das sich selbst überlassen wird

"Arbeitszeitgesetze werden aufgrund von fehlender Finanzierung der Personalstellen nicht eingehalten. Gefährliche Pflege (bedingt durch Personalmangel) bringt jeden an seine noch leistbare Grenze. Der Nachwuchs bleibt aus, und diejenigen, die sich zu dieser Ausbildung entschlossen haben, scheiden viel zu früh aus dem Berufsleben aus, werden während ihrer Ausbildung nur unzureichend betreut und viel zu oft allein gelassen." Sie glaubt: "Überarbeitete und übermüdete Pflegekräfte, die nur noch versuchen, den größten Schaden abzuwenden, sind alltägliche Bilder in jeder Klinik in Deutschland."

4. Fehlender Wille zu Reformen

Gewandt an Bundeskanzlerin Angela Merkel schreibt sie: "Über eine Million Pflegekräfte arbeiten und leiden in Ihrem Land. Wir versorgen die Schwächsten in unserer Gesellschaft, geben jenen Hilfe und Unterstützung, die krank oder auch alt geworden sind. Glauben Sie nicht, dass hier eine umfassende Reform nötig ist?"

Mit ihren ehrlichen Worten hat die Krankenschwester einen Nerv getroffen. Ihr Post wurde bereits rund 30.000-mal geteilt und mehr als 4000-mal kommentiert. Viele Menschen zollen der Frau ihren Respekt: "Wahre Worte. Wir reden hier über eines unserer höchsten Güter, die Gesundheit, die es zu schützen gilt - auf beiden Seiten", schreibt etwa eine Userin.

So schmutzig sind deutsche Kliniken



ikr

Wissenscommunity