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Hohe Infektionsrate: Ebola-Experte wirft WHO schwere Versäumnisse vor

Die Weltgesundheitsorganisation hat laut Ebola-Experte Peter Piot viel zu spät auf die Epidemie reagiert. Der Entdecker der Krankheit warnt vor noch weit schlimmeren Folgen.

Der Mediziner Peter Piot gilt als Mitentdecker des Ebola-Virus. Er kritisiert die WHO, zu spät auf den Ausbruch in Afrika reagiert zu haben.

Der Mediziner Peter Piot gilt als Mitentdecker des Ebola-Virus. Er kritisiert die WHO, zu spät auf den Ausbruch in Afrika reagiert zu haben.

Die Epidemie im Westen Afrikas hat seit Ausbruch beispiellose Ausmaße angenommen: Über 1400 Tote, darunter 120 Ärzte, Pfleger und andere Helfer, wie die Weltgesundheitsorganisation (WHO) am Dienstag in Genf mitteilte. Vor allem die auffällig häufige Ansteckung von medizinischen Helfern veranlasste den Ebola-Mitentdecker Peter Piot, die UN-Organisation harsch zu kritisieren.

Schon im März sei gewarnt worden, dass sich seit Dezember 2013 eine Ebola-Epidemie entwickelt habe, sagte Piot der Zeitung "Libération". "Ungeachtet von Anforderungen durch MSF (Ärzte ohne Grenzen) ist die WHO nicht vor Juli aufgewacht", kritisierte der Mikrobiologe, der das Ebola-Virus 1976 im damaligen Zaire entdeckte. "Inzwischen hat sie die Führung übernommen, aber das kam spät." Der 65-jährige Belgier warnte, dass die Epidemie noch weit schlimmere Folgen haben könne als bisher.

Kein Flugverkehr, keine Hilfe

Der Ausbruch des Virus setze sich ungebrochen fort. Für die Bekämpfung der Seuche sei eine "globale Partnerschaft" nötig, an der sich alle Staaten beteiligen, betonen die UN. Die WHO führt die hohe und ungebremst fortschreitende Infektionsrate unter anderem auf mangelnde Schutzausrüstung wie Mundschutz oder Handschuhe zurück sowie auf die zum Teil völlig chaotischen Situationen vor Ort. Helfer seien schwer überlastet, was das Fehlerrisiko und die Ansteckungsgefahr erhöhe.

Internationale Flüge wurden aufgrund der Epidemie gestrichen, wodurch Helfer und Hilfsgüter nur sehr schwer in die betroffenen Regionen gelangten, sagte der UN-Koordinator für Hilfsoperationen in Sierra Leone, David McLachlan-Karr, bei einer Pressekonferenz in Freetown. Die Ausweitung der UN- Hilfsmaßnahmen sei aber an die Wiederaufnahme der Flüge geknüpft.

Für westliche Länder sieht Peter Piot jedoch keine ernste Gefahr. Es sei möglich, dass einzelne Fälle von Ebola auftreten. Moderne Gesundheitssysteme könnten damit aber fertig werden. Ebola-Viren würden sich keineswegs so leicht verbreiten wie etwa Grippe-Erreger.

mh/DPA / DPA

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