VG-Wort Pixel

Corona-Pandemie Inzidenz in Deutschland steigt stetig – Druck auf Impf-Unwillige wächst

Menschen in einer Fußgängerzone
Viel los auf der Zeil, Frankfurts zentraler Einkaufsmeile.
© Frank Rumpenhorst / Picture Alliance
Noch ist die Inzidenz in Deutschland niedrig, aber die Zahl der Neu-Infektionen nimmt wieder zu – seit Wochen. Die Sorge vor einer vierten Welle nach der Urlaubszeit wächst und die Appelle an Impf-Unwillige werden dringlicher.

Seit Wochen nimmt die Zahl der Corona-Neuinfektionen wieder zu. Damit wächst auch die Bedrohung durch eine vierte Corona-Welle im Herbst als Folge von Urlaub, Delta-Variante des Virus und Impf-Unwilligkeit. Die Sieben-Tage-Inzidenz steigt seit zweieinhalb Wochen kontinuierlich an. Nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) von Samstagmorgen lag sie bei 13,6 – am Vortag betrug der Wert 13,2 und beim jüngsten Tiefststand am 6. Juli 4,9. Demnach meldeten die Gesundheitsämter in Deutschland dem RKI zuletzt binnen eines Tages 1919 Corona-Neuinfektionen. Das geht aus Zahlen vom Samstagmorgen hervor, die den Stand des RKI-Dashboards von 4.35 Uhr wiedergeben. Vor einer Woche hatte der Wert für Deutschland bei 1608 Ansteckungen gelegen. Deutschlandweit wurden nach den neuen Angaben binnen 24 Stunden 28 Todesfälle verzeichnet. Vor einer Woche waren es 22 Tote gewesen.

Appell für das Impfen

Bundesbildungsministerin Anja Karliczek forderte derweil Erwachsene auf, sich gegen Corona impfen zu lassen – auch aus Solidarität gegenüber Kindern und Jugendlichen. "Gerade jetzt, wo die Infektionszahlen wieder ansteigen, sollten sich möglichst alle Erwachsenen mit den Kindern und Jugendlichen solidarisch zeigen, indem nicht geimpfte Personen die Impfangebote wahrnehmen", sagte die CDU-Politikerin den Zeitungen der Funke Mediengruppe. "Die Solidarität der Erwachsenen wäre ein ganz wichtiger Beitrag, um nach den Sommerferien einen regulären Schulbetrieb zu ermöglichen."

Gefahr für Jüngere

Karliczek argumentierte: "Für die jüngeren Kinder ist kein Impfstoff zugelassen, für die Kinder und Jugendlichen ab 12 Jahren wird keine Impfung empfohlen. Darum: Je weniger das Virus unter den Erwachsenen zirkuliert, desto weniger kann es auch für die Jüngeren zu einer Gefahr werden. Auch Kinder und Jugendliche können schwer erkranken, und wir wissen auch noch zu wenig über Long Covid bei Kindern und Jugendlichen."

FDP-Gesundheitspolitikerin Christine Aschenberg-Dugnus forderte beim Onlineportal "Watson" weitere Anstrengungen bei der Impfkampagne: "Es darf nicht vergessen werden, dass der ländliche Raum und die teils langen Fahrtwege auch eine entscheidende Rolle spielen. Deswegen müssen den Menschen in Deutschland dort Impfangebote gemacht werden, wo sie sich aufhalten."

Der Vorsitzende des Weltärztebundes, Frank Ulrich Montgomery, warnte unterdessen vor einem Anstieg der Corona-Inzidenz durch Reiserückkehrer. "Spanien und Italien sind beliebte Urlaubsländer vor allem bei jüngeren Menschen, die oft noch nicht zweimal geimpft sind. Der Viren-Eintrag nach Deutschland aus diesen Ländern wird durch die Reiserückkehrer ganz klar steigen", sagte Montgomery der "Rheinischen Post" (Samstag).

Vierte Welle soll kein "Tsunami" werden

Der Ärztefunktionär forderte, mit konsequenter Quarantäne für ungeimpfte Reiserückkehrer und Einhaltung der Corona-Regeln dafür zu sorgen, dass aus der vierten Welle kein "Tsunami" werde. Auch SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach riet zur Vorsicht. "Derzeit haben wir die Herdenimmunität noch nicht erreicht, deshalb rate ich, weiter vorsichtig zu sein", sagte Lauterbach dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). Das bedeute auch: "Discothekenbesuche nur für Menschen, die geimpft, genesen oder getestet sind und nur mit Maske.

Mit Blick auf das neue Schuljahr fordert die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) die Anschaffung von Luftfiltern für alle Klassenräume in Deutschland. "Wenn die Schulen krisenfest werden sollen und es nach den Sommerferien wieder regelmäßigen Präsenzunterricht geben soll, dann sind Luftfilter– neben einem Hygienekonzept inklusive regelmäßiger Tests - in allen Klassenräumen erforderlich", sagte GEW-Chefin Maike Finnern der "Rheinischen Post" (Samstag).

Der Bund habe zwar endlich ein Förderprogramm auch für mobile Luftfilter aufgesetzt. "Die Förderung ist aber auf die Schulräume der Kinder und Jugendlichen bis zwölf Jahre beschränkt. Das reicht nicht aus, da die hohen Zahlen besonders Jugendliche und junge Erwachsene betreffen", sagte Finnern.

tpo dpa

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker