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"Crazy – Leben mit psychischen Erkrankungen": Kaputt im Kopf – und das Leben ist plötzlich nicht mehr so, wie es einmal war

Wenn ein Mensch psychisch erkrankt, hat das unmittelbare Auswirkungen auf seine Familie. Die Angehörigen übernehmen Aufgaben, die der oder die Kranke zuvor allein bewältigen konnte. Manchmal zerbricht dabei, was einst ein glückliches Gefüge war.

Spitz' Mutter hat Blessuren im Gesicht an Kinn und Augenbraue

Die New Yorker Fotografin Melissa Spitz widmet ihre Arbeit "You Have Nothing to Worry About" dem Gefühlsleben ihrer schwer psychisch erkrankten Mutter. Die Fotografien sind über einen Zeitraum von zehn Jahren entstanden und zeigen Spitz' Mutter in verschiedenen Stadien der Erkrankung, in ihren Hoch- und Tiefphasen.

Mehr als jeder vierte Erwachsene leidet in seinem Leben mindestens an einer psychischen Störung, ergab eine britische Stude 2015. Doch über das zu sprechen, was eigentlich zum Alltag gehört, kommt für viele Menschen noch immer nicht infrage: Zu lange war eine geistige Erkrankung auch mit Scham behaftet, zu genau sind die Erinnerungen an Zeiten, in denen Betroffene kategorisch aus der Gesellschaft ausgeschlossen worden sind. Wenn Schwerkranke nicht ohne permanente medizinische Betreuung auskommen, werden sie in der Psychiatrie untergebracht, doch um diese Fälle geht es in der Ausstellung "Crazy – Leben mit psychischen Erkrankungen" nicht. Ab dem 15. Februar zeigt f³ freiraum für fotografie in Berlin Bilder von vier Fotografinnen und einem Fotografen, die sich mit psychischen Erkrankungen beschäftigt haben. Aus unterschiedlichen Gründen, die von Betroffenheit innerhalb der eigenen Familie reichen bis zu persönlicher Neugier.

Wir sollten uns mit psychischen Erkrankungen besser vertraut machen

Die Arbeiten aus Deutschland, Spanien, Großbritannien und den USA ähneln sich nur in einem Punkt: dem Respekt vor den Erkrankten. Wenn mehr als ein Viertel der Menschen einmal oder öfter unter psychischen Erkrankungen leiden, wird es Zeit, diese Beschwerden nicht länger zu tabuisieren. Die Krankheiten gehören ebenso zum Leben wie das Genesen und das Gesundsein. Spätestens wenn etwa ein Elternteil von einer Altersdemenz betroffen ist, wird der Umgang mit dem Thema zum Alltag. Denn die Erkrankten brauchen Hilfe, sie können ihr Leben nicht mehr allein bewältigen. Das hat für die Angehörigen massive Konsequenzen, es kostet mehr als ein bisschen Freizeit, einen Menschen zu versorgen und zu betreuen.

Auch wenn der Umgang mit Depressionen, Bulimie oder Angststörungen in den letzten Jahren offener geworden ist, wohl auch, weil fast jeder Betroffene im Freundeskreis hat, gibt es noch immer gesellschaftliche Vorbehalte. Mit der Ausstellung "Crazy – Leben mit psychischen Erkrankungen" kann ein liebevollerer Blick auf Menschen entstehen, die von einer solchen Erkrankung betroffen sind. Sie sind Teil der Gesellschaft und kein Makel. Krankheit gehört zum Leben.

Ausstellung: 15. Februar – 21. April 2019
Eröffnung: Donnerstag, 14. Februar 2019, 19 Uhr
Ort: f³ – freiraum für fotografie, Waldemarstraße 17, 10179 Berlin

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