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Legalisierung: Kiffen light - so wirkt das legale Cannabis aus der Schweiz

Die Legalisierung von Cannabis ist und bleibt ein Streitthema - nicht nur in Deutschland. Die Schweiz hat einen Mittelweg gewählt: Kiffen ist seit letztem Jahr erlaubt, jedoch mit Einschränkungen. Wir haben einen Experten gefragt, ob das legale Cannabis wirklich so ungefährlich ist.

Von Laila Keuthage

Cannabis

Seit einigen Monaten kann man in der Schweiz ganz legal Cannabis kaufen - zum Beispiel bei "Dr. Green" in Zürich.

"Wer den freien Genuss von befürwortet, nimmt in verantwortungsloser Weise den Tod von tausenden junger Menschen in Kauf", schimpfte Edmund Stoiber 1992 während einer Diskussion über Drogen-Gesetze. 25 Jahre später ist Kiffen noch immer verboten, aber auch Stoiber dürfte inzwischen aufgefallen sein, dass man in den Nachrichten selten von Cannabis-Toten hört.

Cannabis ist der wissenschaftliche Name der weiblichen Hanfpflanze, die fast ausschließlich als Rauschmittel verwendet wird, da die männliche Hanfpflanze eine geringere Wirkstoffkonzentration aufweist. Marihuana ist die weibliche Blüte der Hanfpflanze und Hasch ist das daraus gewonnene, meistens durch bestimmte Beimischungen gestreckte Harz, das geraucht wird. Die vielen verschiedenen Hanfsorten haben auch unterschiedliche Verhältnisse der sogenannten Cannabinoide. Sie sind Bestandteile der Pflanze und jeweils für unterschiedliche Wirkungen bekannt. So wirkt das wohl bekannteste Cannabinoid Tetrahydrocannabidiol (THC) besonders berauschend, während das Cannabinoid Cannabidiol (CBD) angeblich entzündungshemmend und anti-epileptisch wirken soll. 

Cannabis ist der wissenschaftliche Name der weiblichen Hanfpflanze, die fast ausschließlich als Rauschmittel verwendet wird, da die männliche Hanfpflanze eine geringere Wirkstoffkonzentration aufweist. Marihuana ist die weibliche Blüte der Hanfpflanze und Hasch ist das daraus gewonnene, meistens durch bestimmte Beimischungen gestreckte Harz, das geraucht wird. Die vielen verschiedenen Hanfsorten haben auch unterschiedliche Verhältnisse der sogenannten Cannabinoide. Sie sind Bestandteile der Pflanze und jeweils für unterschiedliche Wirkungen bekannt. So wirkt das wohl bekannteste Cannabinoid Tetrahydrocannabidiol (THC) besonders berauschend, während das Cannabinoid Cannabidiol (CBD) angeblich entzündungshemmend und anti-epileptisch wirken soll. 

Kiffen ist in der Gesellschaft angekommen - das ist längst kein Geheimnis mehr. 2015 untersuchte die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) in einer Studie den Cannabis-Konsum von Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Das Ergebnis: 17,7 Prozent der Befragten im Alter von 18 bis 25 Jahren gaben an, während der vorangegangenen zwölf Monate mindestens einmal Cannabis konsumiert zu haben. "Im Jahr 2008 waren es noch 11,8 Prozent", so die BZgA.

Legalisierung in der Schweiz - mit Haken

Der Konsum steigt also, bleibt in aber weiterhin illegal. In unseren Nachbarländern sieht das größtenteils ähnlich aus. Amsterdamer Coffeeshops gelten in den Niederlanden zwar schon lange als Touristenattraktion. Der Cannabis-Konsum ist jedoch auch dort illegal, wird aber bis zu einer bestimmten Grenze nicht geahndet.

Wer ganz legal kiffen will, dürfte neidisch zu unseren Nachbarn in der schielen. Dort machte sich im letzen Sommer der Besitzer eines Rauchershops auf den Weg zur Polizeiwache, um den Beamten eine spezielle Cannabis-Sorte zu präsentieren. Seinem Lieferanten sei es gelungen, den THC-Wert seiner Hanfpflanzen auf unter einen Prozent zu züchten - damit fiele das Cannabis nicht mehr unter das Betäubungsmittelgesetz. Die Polizei stufte ihn zunächst als unglaubwürdig ein und konfiszierte sein Mitbringsel. Doch einige Wochen und Untersuchungen später erhielt der Ladenbesitzer eine positive Rückmeldung: Sein Gras wurde freigegeben. Seitdem ist der Verkauf von Cannabis in der Schweiz legal - unter einer kleinen, aber bedeutenden Bedingung: Der Wert der psychoaktiven Substanz Tetrahydrocannabidiol, kurz THC, darf maximal bei einem Prozent liegen. THC ist der Bestandteil des Cannabis, der hauptsächlich für die berauschende Wirkung der grünen Droge sorgt. Somit soll das legale Cannabis nicht berauschend, sondern lediglich entspannend wirken.

Was steckt im legalen Gras?

 "Die Cannabinoide in den 60er Jahren hatten einen THC-Gehalt von zwei bis fünf Prozent", erklärt Professor Ulrich Preuß, Facharzt für Psychiatrie, Psychotherapie und Suchtmedizin und stellvertretender Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Suchtmedizin. "Die aktuellen Züchtungen enthalten bis zu 20 Prozent THC. Von dem in der Schweiz legalen Cannabis müsste man schon sehr viel konsumieren, um eine Rauschwirkung zu erzielen."

Das THC-arme Cannabis wird auch CBD-Cannabis genannt. Was sich hinter der Abkürzung verbirgt, erklärt Preuß: "In einer Cannabis-Sorte können bis zu 500 Substanzen enthalten sein, darunter mehr als 100 Cannabinoide. Eines davon ist Cannabidiol, kurz CBD. Potentiell schädliche Effekte wie halluzinatorische Effekte oder Euphorisierung werden eher über das THC vermittelt. Dem CBD wird dagegen eine anxiolytische - also angstlösende und antipsychotische - Wirkung zugeschrieben. Das bedeutet, es ist eher günstig, wenn eine Cannabissorte mehr von dieser Substanz enthält." Das heiße aber nicht, dass die CBD-Variante unbedenklich oder gar gesund sei, warnt Preuß. "Viele körperliche Schäden entstehen über die Begleitstoffe, vor allem beim Rauchen. Und da gibt es beim Cannabis sehr große Überlappungen mit Tabak. Das ist ganz sicher gesundheitlich bedenklich."

Das Geschäft mit dem legalen Cannabis boomt

Das THC-arme Cannabis fällt zwar nicht unter das Betäubungsmittelgesetz - doch das nutze laut Preuß vor allem dem Händler: "Somit kann man natürlich auch sehr viel mehr verkaufen." Denn wenn der Kunde große Mengen konsumieren muss, um eine Wirkung zu spüren, nützt das vor allem einem: dem Hersteller. "Der Verbraucher hat das Gefühl etwas legales zu konsumieren, was irgendwas mit Cannabinoiden zu tun hat, das reizt ihn", so Preuß. Und die Rechnung scheint aufzugehen - die legalen Cannabis-Shops boomen. In Zürich gibt es mittlerweile zahlreiche Läden, die etwa "Dr. Green" oder "Green Passion" heißen, mit Bioqualität werben und Cannabis-Sorten wie "Colorado Light" oder "Greenhouse Haze" ganz hip in Weck-Gläsern präsentieren. Cannabis ist kein Schmuddelkind mehr, sondern salonfähig geworden. Zehn Euro müssen die Kunden für ein Gramm ungefähr bezahlen. Das angeblich gesunde trifft den Nerv der Zeit. Der Betreiber von Dr. Green gab an, monatlich Cannabis im Wert von bis zu 90.000 Euro zu vertreiben. 

Schwaches Gras nicht risikofrei

Als Suchtmediziner weiß Preuß die Gefahren einzuschätzen. "Mit dem Suchtverhalten bei THC-armem Cannabis kann es sich ähnlich verhalten wie bei dem Konsum von sogenannten Light-Zigaretten. Das steigert eher den Konsum, weil der Konsument mehr braucht, um eine Wirkung zu verspüren. Generell ist die Gefahr einer Abhängigkeit von Cannabis in etwa so einzuschätzen wie beim Alkoholkonsum - etwa einer von zehn Konsumenten entwickelt eine Konsumstörung, das bedeutet schädlicher Gebrauch oder Abhängigkeit. Somit ist Cannabis keinesfalls risikolos, besondere Gefahren bestehen aber insbesondere bei regelmäßigem Konsum bereits im Kindes- und Jugendalter, was zu langfristigen psychischen Schäden führen kann."

Ein Problem sieht Preuß in der unterschätzten Wirkung: "Wenn man sehr viel vom THC-armen Cannabis konsumiert, kann man durchaus auch davon eine Dosis erreichen, die kognitive Einschränkungen mit sich bringt." Da ein solches Produkt dazu verleitet, mehr zu konsumieren, schließt der Experte nicht aus, dass es potenziell gefährlich ist, nach dem Konsum Auto zu fahren oder Maschinen zu bedienen. "Grenzwerte, die bei Verkehrstauglichkeit-Verfahren verwandt werden, erreicht man bei ausreichendem Konsum der 'legalen' Substanz sicherlich auch irgendwann - auch wenn dafür sehr viel konsumiert werden muss", so Preuß.

Kompromiss-Legalisierung bald auch in Deutschland?

Doch nicht nur im Straßenverkehr, sondern auch bei allgemeinen Kontrollen kann das schweizerische Produkt Probleme bereiten: Die Polizei kann das legale Cannabis auf den ersten Blick nicht vom illegalen unterscheiden. Wer keine Lust hat, sein Gras von den Behörden einschicken und untersuchen zu lassen, muss die Quittung jederzeit dabei haben.

Viele Cannabis-Konsumenten hoffen wahrscheinlich auf eine ähnliche Regelung für Deutschland. Doch der Experte betrachtet eine solche Entwicklung als eher unwahrscheinlich: "Aktuell ist die Mehrheit der Bevölkerung immer noch gegen eine Legalisierung und die Politik konzentriert sich momentan auf die medizinische Verwendung. Ich sehe da erst einmal keine Veränderung auf uns zukommen." Stattdessen schlägt Preuß eine andere Regelung vor: "Ein möglicher Lösungsansatz wäre die kontrollierte Freigabe von Cannabis unter strikter Berücksichtigung des Jugendschutzes. Dies setzt allerdings eine politische und gesamtgesellschaftliche Diskussion - am besten europaweit - voraus."



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