Kontaktallergien Gefährliche Berührungen


Man kann ihnen kaum entgehen, sie stecken in T-Shirts, in Pflastern, in Brillen, in Waschmitteln und selbst in Getränken: die Auslöser für Kontaktallergien. Millionen Deutsche leiden deshalb an Hautentzündungen.
Von Sönke Wiese

Rissige Hände, Ekzeme, juckende Hautausschläge: Zeichen einer Kontaktallergie. Mindestens sechs Millionen Menschen sind in Deutschland davon betroffen. Manche Experten gehen sogar davon aus, dass rund 30 Prozent der Bevölkerung eine Kontaktallergie haben. Viele Patienten wissen nicht, auf welche Stoffe sie allergisch reagieren.

Kontaktallergien entstehen durch Berührung mit einer bestimmten Substanz. Plötzlich bricht die Allergie aus, das kann in jedem Alter geschehen. Meistens verschlimmert sie sich im Laufe der Zeit. Oft besteht sie lebenslang, und den Patienten bleibt nichts anderes übrig, als die Produkte zu meiden, die die Allergene enthalten.

Und das ist manchmal gar nicht so einfach: Nickel zum Beispiel, häufigster Auslöser für eine Kontaktallergie, kann in Schmuck, Geldmünzen, Knöpfen, Töpfen, Besteck, Büroklammern und Gürtelschnallen vorkommen.

Der Hautarzt Dr. Tilmann Oppel hat in Zusammenarbeit mit der Universität Göttingen eine Liste der häufigsten Kontaktreizungen vorgelegt - und der Gegenstände, die die fraglichen Inhaltsstoffe enthalten. Bei Günther Jauch im stern TV-Studio beantwortet Oppel am Mittwoch ab 22.15 Uhr die wichtigsten Fragen der Zuschauer zum Thema Kontaktallergien.

Was sind Kontaktallergien?

Als Kontaktallergie bezeichnen Mediziner eine Sonderform der Allergie: Sie tritt auf, wenn die Haut oder die Schleimhaut mit Substanzen in Berührung kommen, denen gegenüber eine Sensibilisierung besteht. Auf der Haut entsteht dann eine Entzündung.

Wie häufig kommen Kontaktallergien vor?

Schätzungen gehen davon aus, dass sieben bis neun Prozent der Deutschen - ca. sechs Millionen Menschen - von Kontaktallergien betroffen sind.

Wie entstehen Kontaktallergien?

Beim ersten Kontakt mit einem Allergen geschieht scheinbar noch nichts, doch das Immunsystem reagiert bereits: Es wappnet sich gegen den Stoff und sensibilisiert die Haut. Bei der nächsten Berührung kommt es dann zur Entzündung: Der Körper versucht, das Allergen abzuwehren.

Oft löst erst Feuchtigkeit, zum Beispiel Schweiß, die für die Allergie verantwortlichen Ionen aus aus den Stoffen, wie etwa T-Shirts oder Gürtelschnallen. So haben manche Allergiker auch nur im Sommer Probleme mit Allergieschüben; wenn kein Schweiß die Ionen auf die Haut überträgt, kommt es auch zu keiner Reaktion.

Sensibilisierungen gegenüber bestimmten Stoffen bestehen meistens viele Jahre, manchmal auch lebenslang. Berührungen mit den Allergenen sollten vermieden werden. Kommt der Körper nämlich regelmäßig in Kontakt mit dem Stoff, kann die Allergie chronisch werden.

Welches Allergen löst die meisten Allergien aus?

Nickel steht klar an der Spitze: 17 Prozent der Kontaktallergien gehen auf das Metall zurück. Nickel ist vielen Produkten des Alltags enthalten, zum Beispiel in Knöpfen, Besteck, Brillen, Schmuck. An zweiter Stelle kommt ein Duftstoffmix (knapp 13 Prozent), der in Parfum, Waschmittel und Zahnpasta vorkommen kann. Auf Platz drei rangiert Perubalsam (knapp 10 Prozent), es ist mitunter in Cola, Tee und Tabak enthalten.

Die komplette Liste der Top-Ten-Allergene und der Produkte, in denen sie vorkommen, finden Sie hier .

In welchen Produkten kommen Allergene vor?

Im Alltag kann man potenziellen Allergenen kaum entkommen: Sie kommen in Töpfen, Besteck, Scheren, Schlüssel, Büroklammern genauso vor wie in Seifen, Zahnpasta, Kleidung, Klopapier, Pflastern und Cola vor.

In der Top-Ten-Liste finden Sie alle Produkte, die Allergene enthalten können.

Welche Auswirkungen können Kontaktallergien haben?

Ekzeme, Juckreiz, Brennen, Bläschen- und Schuppenbildung auf den betroffenen Stellen sind mögliche allergische Reaktionen. Weil die entzündete Haut häufig nässt, ergibt sich außerdem ein guter Nährboden für Pilze und Bakterien. Infektionen neben der Kontaktallergie sind die Folge.

Wie wird eine Kontaktallergie behandelt?

Wird der Kontakt mit dem die Allergie auslösenden Stoff vermieden, heilen leichte Entzündungen gewöhnlicherweise von allein wieder ab. Salben und Cremes sowie eine fettende Körperpflege helfen der Haut dabei. Hautärzte können das Allergen durch Tests ermitteln.

In schweren Fällen müssen möglicherweise Kortisontabletten oder andere Entzündungshemmer eingenommen werden, eventuell auch parallel auftretende Pilz- und Bakterieninfektionen behandelt werden.


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