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Schwächelnde Antikörper Lieber jetzt boostern – warum Sie nicht auf einen Omikron-Impfstoff warten sollten

Omikron Impfung gegen das Coronavirus
Viele Menschen bekommen in diesen Tagen ihre Booster-Impfung. Experten raten, nicht auf aktualisierte Impfstoffe für die Auffrischung zu warten, sondern sich mit den derzeit verfügbaren Impfstoffen impfen zu lassen. 
© Boris Roessler / DPA
Labordaten bestätigen, was Forschende bereits geahnt hatten: Omikron kann den Antikörpern von Geimpften besser als andere Varianten entgehen. Sollte man mit dem Boostern besser auf aktualisierte Impfstoffe warten? Experten geben eine klare Antwort.

Hohe Infektionszahlen, überlastete Intensivstationen und nun auch noch eine Mutante, gegen die der Antikörper-Schutz von Geimpften deutlich abfällt: Die schlechten Nachrichten scheinen in diesen Tagen der Pandemie kaum abzureißen. Tatsächlich sind die ersten Informationen und Daten, die derzeit aus den Forschungslaboren eintreffen, alles andere als erfreulich. Zeigen sie doch, was Forschende bereits geahnt hatten und nun konkrete Formen annehmen dürfte: Gegen die neuartige Omikron-Variante des Coronavirus wird sehr wahrscheinlich ein aktualisierter, speziell auf diese Mutante zugeschnittener Impfstoff benötigt.

Warum ist das so?

Die zuerst in Südafrika beobachtete Omikron-Variante besitzt zahlreiche Mutationen am Spike-Protein, mit dem das Virus an menschliche Zellen andockt und sie im Anschluss infiziert. Es ist auch jener Teil des Virus, das aktuellen Impfstoffen als sogenanntes Antigen dient. Gegen speziell dieses Antigen baut der Körper nach der Impfung einen Immunschutz auf, unter anderem in Form von Antikörpern, die das Virus im Körper neutralisieren können. Allerdings: Das Antigen der aktuellen Impfstoffe ist auf die Ursprungsvariante des Coronavirus zugeschnitten, nicht auf die Omikron-Variante mit seinen zahlreichen Mutationen.

Forscher konnten nun im Labor beobachten, dass die Antikörper von vollständig Geimpften Schwierigkeiten haben, die Omikron-Variante zu neutralisieren. Der Verlust der sogenannten Neutralisationsaktivität beträgt in etwa das 40-fache im Vergleich zu bisherigen Varianten. Das bedeutet: Es braucht deutlich mehr Antikörper, um das Virus im Labor auszuschalten.

Noch sind aber viele Fragen offen, was das für die Wirksamkeit der Impfstoffe im echten Leben bedeutet. Die Laborergebnisse lassen sich nicht eins zu eins auf den menschlichen Körper übertragen, da die Immunantwort des Körpers wesentlich komplexer ist und nicht allein von Antikörpern abhängt. Forschende gehen derzeit davon aus, dass es wegen der schwächelnden Antikörper-Antwort mehr Omikron-Durchbruchsinfektionen bei Geimpften und Genesenen geben könnte, dass sie aber durch sogenannte T-Zellen weiterhin einen Schutz vor schweren Verläufen haben dürften. T-Zellen bilden neben den Antikörpern eine weitere wichtige Säule des Immunsystems.

Viele Menschen fragen sich derzeit, was die aktuellen Erkenntnisse für die Impfkampagne und die Booster-Impfungen bedeuten. Hier sind sich Expertinnen und Experten einig: Boostern und Impfen bleiben wichtig – auch mit den aktuellen Impfstoffen. Sie empfehlen die dritte Dosis weiterhin uneingeschränkt. Nach dem Booster fährt die Zahl der Antikörper und Immunzellen im Körper wieder hoch und erreicht sogar kurzfristig Werte über dem Niveau der ersten beiden Impfungen. In Deutschland haben bislang mehr als 16,6 Millionen Menschen eine Auffrischimpfung gegen das Coronavirus erhalten.

"Generell lässt sich sagen: Je höher der Antikörper-Titer (Maß für die Anzahl der Antikörper; Anm.d.Red.), desto eher können die Antikörper Omikron auch noch neutralisieren. Das heißt, eine Booster-Impfung erhöht auf jeden Fall auch gegenüber Omikron die Schutzwirkung", schreibt die Frankfurter Virologin Sandra Ciesek auf Twitter. 

"Nicht warten, sondern boostern"

Hinzu kommt: In der aktuellen Winterwelle hat nach wie vor noch die Virusvariante Delta die Oberhand. Gegen diese bieten die aktuellen Impfstoffe einen guten Schutz. Zwar wird erwartet, dass sich Omikron gegen Delta mittelfristig durchsetzen und zur dominanten Variante werden könnte, allerdings sehen Expertinnen und Experten derzeit noch Delta als das drängendere Problem an, gegen das es sich zu wappnen gilt.

News im Video: Wo sich das Coronavirus in Deutschland ausbreitet

Der Immunologe Carsten Watzl rechnet mit angepassten Impfstoffen "frühestens nächstes Jahr im Februar oder März", wie er gegenüber dem "Science Media Center" erklärte. Er empfahl, nicht auf diese Vakzine zu warten, sondern sich "jetzt impfen oder boostern" zu lassen. Auf Twitter warnte er zudem vor den Risiken durch Omikron für Ungeimpfte: "Selbst wenn Geimpfte oder Genesene sich eher mit Omikron anstecken können, Ungeimpfte sind noch weniger geschützt. Die Wahrscheinlichkeit, dass sie sich anstecken und schwer erkranken ist mit Omikron deutlich gestiegen!"

Im Moment sei die Dreifach-Impfung "der beste Schutz", betonte auch der Berliner Virologe Christian Drosten auf Twitter. Neue Impfstoffe werde es erst nach der aktuellen Winterwelle geben. Er riet: "Nicht warten, sondern boostern."


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