Medikamenten-Opfer Getötet statt geheilt

Durch Nebenwirkungen von Arzneimitteln verlieren hierzulande mehr Menschen ihr Leben als im Straßenverkehr
Durch Nebenwirkungen von Arzneimitteln verlieren hierzulande mehr Menschen ihr Leben als im Straßenverkehr
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58.000 Menschen sterben in Deutschland jedes Jahr durch Arzneimittel, schätzen Experten. Pillen, Infusionen und Zäpfchen werden falsch verschrieben, zu hoch dosiert, vertauscht. Wenn Ärzte und Patienten ihr Verhalten ändern, könnte die Hälfte aller Medikamenten-Zwischenfälle vermieden werden.
Von Horst Güntheroth

Der Nacken schmerzte fürchterlich, offenbar eine Folge ihres Besuches im Fitness-Studio einige Tage zuvor. Elke Trautmann suchte Hilfe bei einer niedergelassenen Ärztin. Die verschrieb der 39-Jährigen aus dem thüringischen Heiligenstadt Tropfen. Doch das "Ibuprofen" zeigte wenig Wirkung. Als die Schmerzen schlimmer wurden und die Kranke auch nachts nicht zur Ruhe kam, fuhr ihre Tochter sie zum Bereitschaftsdienst ins Krankenhaus. Dort untersuchte sie die Schwester, die den diensthabenden Arzt anrief. Telefonisch verordnete er "Ambene", als Spritze; das Mittel wirkt entzündungshemmend, schmerzlindernd und fiebersenkend. Die Krankenschwester verabreichte die Lösung intramuskulär. Wenige Minuten später sackte Elke Trautmann auf dem Flur zusammen. Kein Reanimierungsversuch half - sie kam nie wieder zu sich.

"Meine Frau starb laut Auskunft des Krankenhauses an einem anaphylaktischen Schock", sagt ihr Ehemann. Das ist eine vehemente allergische Reaktion auf das Medikament, die zum Zusammenbruch des Kreislaufs führt. "Ihr Tod ist für mich unbegreiflich. Warum hat der Arzt sie nicht selbst untersucht? Er hätte ihr das Mittel, das für schwere Nebenwirkungen bekannt ist, nie und nimmer verabreichen lassen dürfen oder hätte sie zumindest über das enorme Risiko aufklären müssen." Schon seit den 1980er Jahren sind Todesfälle mit dem Rheumamittel "Ambene" aktenkundig. Um den erschütternden Schicksalsschlag nicht stillschweigend hinzunehmen, hat sich Uwe Trautmann einen Anwalt genommen, Strafanzeige gegen den Mediziner gestellt und Zivilklage eingereicht: "Ich will, dass der Arzt zur Rechenschaft gezogen wird und so etwas nicht wieder passiert".

"Arzneimittel zu geben ist ein Hochrisikoprozess"

Genau das aber ist der Alltag: Medikamente, die eigentlich Kranken helfen sollten und es auch meistens tun, schädigen zahlreiche Patienten oder bringen sie sogar um. Durch Nebenwirkungen von Arzneimitteln verlieren hierzulande weitaus mehr Menschen ihr Leben als im Straßenverkehr, der pro Jahr knapp 5000 Opfer fordert. Eine verbindliche Statistik, welche Schäden Pillen, Spritzen, Tinkturen und Zäpfchen anrichten, gibt es nicht. Die Dunkelziffer ist enorm. Doch Schätzungen von Experten zufolge könnten allein bis 58.000 Tote jährlich auf das Konto von Medikamenten gehen, andere schwere Schädigungen nicht einkalkuliert.

"Arzneimittel zu geben ist ein Hochrisikoprozess", sagt Daniel Grandt, Medizin-Professor am Klinikum Saarbrücken und Vorstandsmitglied der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft. Die abgedroschene Floskel "Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker" ist bitterernste Mahnung.

Meistens übersteigt der Nutzen das Risiko - aber nicht immer

Jedes Medikament nämlich, das Wirkungen hat, hat auch Nebenwirkungen - das ist eine Grundregel der Pharmakologie. Denn eine Substanz, die geschluckt oder gespritzt wird und an einer bestimmten Stelle im Körper eingreifen soll, geht ins Blut, wird im Organismus verteilt und hinterlässt so auch fern des gewünschten Wirkungsortes Spuren. In der Regel jedoch übersteigt der Nutzen das Risiko. Aber eben nicht immer.

Dafür, dass so viel schief geht, gibt es mehrere Gründe. So ist selbst nach der Zulassung eines Mittels das Wissen über seine Sicherheit keineswegs vollständig - obwohl zuvor Wirkung und Nebenwirkungen an Tausenden von Patienten getestet werden und die Hersteller die Verträglichkeit belegen müssen. Eines von vielen Beispielen: Vioxx. Das zunächst gepriesene und neuartige Schmerzmittel des Konzerns Merck & Co. wurde 2004 zurückgerufen, nachdem sich Todesfälle und chronische Schädigungen durch Herz-Kreislauf-Folgen häuften. Tausende Klagen gegen den Hersteller laufen, allein in Deutschland rechnen Experten mit 7000 Geschädigten.

Vor allem aber ist es Altbekanntes, das immer wieder zur Katastrophe führt. Eine Gefahr, die der Arzt kennt oder kennen sollte, weil in aller Regel der Beipackzettel bereits deutlich davor warnt. Zwar müssen manchmal selbst große Risiken bewusst in Kauf genommen werden, etwa bei einer Chemotherapie, wenn nur mit großem Wagnis überhaupt noch etwas zu gewinnen ist. Doch zu oft passiert etwas beim Umgang mit Pharmazeutika, die prinzipiell bewährt sind und deren Klippen sich problemlos umschiffen ließen. Tagtäglich machen Ärzte beim Verordnen eine Menge Unsinniges und Gefährliches, im Krankenhaus und in der Praxis. "Schätzungsweise fast 20 Prozent aller Medikationen sind fehlerhaft", sagt Dirk Stichtenoth, Professor für Klinische Pharmakologie an der Medizinischen Hochschule Hannover, "meist hat das ganz banale Gründe."

So ist es bereits eine vollkommene Überforderung für den Doktor, im stetig wachsenden Dickicht des Medikamenten-Dschungels den Überblick zu behalten und Detailwissen über jedes einzelne Präparat parat zu haben: Zirka 55.000 zugelassene Arzneien mit 12.000 verschiedenen Wirkstoffen sind auf dem deutschen Markt. Davon sind viele überflüssig, doch es kommt weiterhin immer Neues hinzu. Erschwert wird die Orientierung dadurch, dass der Name der Pille und der ihres Wirkstoffes oft gar nichts miteinander zu tun haben. Immer wieder gibt es Verwechselungen, weil sich vollkommen verschiedene Mittel im Namen oder der Verpackung verblüffend ähneln.

Nicht selten sind die Kranken selbst die Übeltäter

Zudem geschieht es immer wieder, dass der Mediziner die unzutreffende Indikation stellt und das Falsche verordnet, Medikamente zu hoch dosiert, Warnhinweise nicht beachtet, Wirkstoffe statt mit langsam wirkenden Pillen durch schnell wirkende Spritzen verabreicht, bekannte Allergien ignoriert oder Wechselwirkungen mit anderen Arzneien außer Acht lässt. Die Folgen dieser Alltagsschlampereien können tödlich sein.

Doch die Gefahr lauert keineswegs immer nur im weißen Kittel. Nicht selten sind die Kranken selbst die Übeltäter, verschweigen beim Arztbesuch andere Arzneien und Behandlungen, schlucken ohne Verordnung Pillen, die von einem Verwandten übrig blieben oder die ihnen der Bettnachbar im Krankenbett anbietet, erhöhen eigenmächtig die Dosis. Oder legen bei Verschriebenem mit Freiverkäuflichem nach. Da aber kann schnell Fürchterliches passieren, selbst bei Allerweltsmitteln. "Wer beispielweise bei Schmerzen zu lange und zu hochdosiert freiverkäufliche Acetylsalicylsäure nimmt, etwa Aspirin, kann sich damit umbringen", sagt Stichtenoth, "es können sich dann Magengeschwüre bilden, an denen man verbluten kann."

Dauerkopfschmerz durch regelmäßige Tablettendosis

Freiverkäufliche Schmerzmittel bereiten ohnehin größte Sorgen. Riesenberge davon futtern Geplagte allein gegen Volkskrankheit Nummer eins im Lande: Kopfschmerz. 54 Prozent der Bevölkerung leiden darunter, 2,4 Millionen Menschen täglich. "Doch wer mehr als zehn Tage im Monat solche Mittel einnimmt, bei dem setzt eine Wirkumkehr ein", berichtet Professor Hartmut Göbel, Chefarzt der Schmerzklinik in Kiel, "dann entsteht paradoxerweise überhaupt erst ein Dauerkopfschmerz, den der Betroffene mit noch höheren Tablettendosen bekämpft." Konsequenz: Der Patient kommt nicht los vom Medikament, schwere Schädigungen oder gar das Versagen der Nieren können die Folgen sein. Die Europäische Gesellschaft für Dialyse und Transplantation schätzt, dass allein 10 bis 25 Prozent aller Nierenversagen und Dialysen die Folge übermäßigen Schmerzmittelgebrauchs sind.

Von all dem Medikamenten-Unheil ist eine Bevölkerungsgruppe besonders gebeutelt: die Alten. Denn wer betagt ist, den plagen meist vielerlei Gebrechen. So schluckt ein Senior nicht selten ein Dutzend und mehr Pillen. Dabei ist manch tüteliger Alter bei der Einnahme seiner Medizin-Batterie überfordert. Und selbst wenn die Hürde überwunden ist, mit schwindendem Seh- und Hörsinn die runden Dinger zu unterscheiden und die komplizierten Arzt-Anweisungen zur Einnahme jeder einzelnen Pille richtig zu befolgen, droht Ungemach: Mit der Menge verabreichter Arzneien wächst die Gefahr heimtückischer Wechselwirkungen, können sich zum Beispiel die Wirkstoffe gefährlich verstärken.

Von all dem Medikamenten-Unheil ist vor allem eine Bevölkerungsgruppe gebeutelt: die Älteren
Von all dem Medikamenten-Unheil ist vor allem eine Bevölkerungsgruppe gebeutelt: die Älteren
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Zu allem Übel leiden alte Menschen häufig unter einer eingeschränkten Funktion der Nieren und der anderen Ausscheidungsorgane. So reichert sich die Chemie im Körper an. Das niedrige Körpergewicht vieler Greise und die Tatsache, dass sie oft zu wenig trinken, verstärkt das noch. Tragischerweise interpretieren Ärzte gerade bei Alten, wenn sie zudem noch dement sind und sich nicht recht artikulieren können, Nebenwirkungen leicht als neue Erkrankungen - und für die gibt es dann wieder Medikamente. Ein Teufelskreis.

"Als Jugendlicher besuchte ich regelmäßig meine Oma", erzählt Professor Martin Wehling vom Zentrum für Gerontopharmakologie in Mannheim, "sie klagte ständig über Beschwerden, gegen die sie diverse Pillen nahm." Weil die Großmutter einen zu hohen Blutdruck hatte, bekam sie ein Mittel zur Entwässerung und eine herzstärkendes Medikament. Da sie zudem unter permanenter Übelkeit litt und im Kopf durcheinander war, hatte ihr Hausarzt auch dagegen Tabletten verschrieben. "Eines Tages jedoch saß sie plötzlich gut gelaunt auf dem Sofa, es ging ihr bestens", berichtet Wehling. "Da fragte ich sie, ob der Arzt nun endlich das richtige Mittel gefunden habe? 'Nee, mein Junge', antwortete sie, 'der Doktor ist gestorben'."

"Auch damit kann man sich umbringen"

Später - als Mediziner - hat der Enkel herausgefunden, dass seine Oma unter einer Überdosierung und schleichenden Vergiftung durch das häufig verabreichte Mittel Digitalis litt und dass ihre Verwirrtheit Folge davon war. Darüber hinaus hatte der Hausarzt noch eine Reihe weitere Fehler gemacht. "Natürlich darf das Beispiel nicht dazu verleiten, einfach alle Medikamente abzusetzen", sagt Wehling, "auch damit kann man sich umbringen".

In seiner "gerontopharmakologischen Sprechstunde", die der Professor an der Mannheimer Uniklinik eingerichtet hat, sieht er immer wieder erschreckende Fälle von Falschmedikationen. So warnt er explizit vor der oft unzureichenden Versorgung der Senioren mit Arzneien gegen Bluthochdruck, "dabei werden gerade die im Alter gut vertragen." Auf der anderen Seite würden Benzodiazepine und andere das Hirn beeinflussende Medikamente, auch moderne Antidepressiva, zu häufig verschrieben. "Viele Beruhigungsmittel werden nur benutzt, um Alte in Heimen ruhig zu stellen", wettert er, "doch auf ihr Konto gehen ungezählte Tote. Betagte Menschen, die diese Mittel schlucken, neigen zu Stürzen. Wer aber stürzt, bricht sich schnell den Oberschenkelhals. Dann bekommt er im Krankenhausbett eine Lungenentzündung oder Lungenembolie. Die aber überleben viele nicht."

Die Politik muss sich des Themas annehmen

Ob bei Alt und oder Jung - die Pillengefahr ist minderbar. "Etwa die Hälfte aller Medikamenten-Zwischenfälle können vermieden werden", sagt der Hannoveraner Stichtenoth, "nämlich all jene, die eindeutig Fehler von Ärzten und Patienten sind." So sollte jeder Betroffene energisch nachfragen, wenn er Zweifelhaftes in der Apotheke kauft oder wenn er glaubt, dass sein Arzt etwas falsch macht. Beispielweise den Arzneimittelberatungsdienst des Instituts für Klinische Pharmakologie der Uni Dresden anrufen (0351-4585049) - ein kostenloser Service für jedermann.

Darüber hinaus ist die Politik in der Pflicht. Unbedingt muss sich das Bundesgesundheitsministerium des Themas entschiedener annehmen. Zwar liegt dort ein "Aktionsplan zur Verbesserung der Arzneimitteltherapiesicherheit in Deutschland", in dem es um ein ganzes Bündel von Strategien geht - doch gerade mal 450.000 Euro machte das Ministerium in diesem Jahr für die Forschungen zur Arzneimitteltherapiesicherheit locker. Auch die Rolle des Bonner Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) gilt es, zu überdenken.

Auch bei den Ärzten muss sich einiges ändern, eine Hilfe kann die "elektronische Gesundheitskarte" werden
Auch bei den Ärzten muss sich einiges ändern, eine Hilfe kann die "elektronische Gesundheitskarte" werden
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Die Behörde, die 1975 nach dem Contergan-Schock gegründet wurde, ist für die Zulassung von Medikamenten nach dem Arzneimittelgesetz verantwortlich. Die Experten der Abteilung "Pharmakovagilanz" führen ein zentrales Register. Darin wird gesammelt, welche Zwischenfälle die Ärzte im Land trotz richtiger Anwendung einer Arznei den Pharmaunternehmen melden. Sie müssen - wenn sie schwerwiegend sind - unverzüglich, spätestens jedoch innerhalb von 15 Tagen an das Institut weitergeben werden. "Im Schnitt haben wir ständig 50 bis 60 Risikobewertungsverfahren in Arbeit", berichtet Ulrich Hagemann, Leiter der Abteilung, "und ein gutes Dutzend mal im Jahr müssen Firmen auf unsere Anordnung etwas ändern."

Doch genügt das? Wolfgang Becker-Brüser vom Berliner "arznei-telegramm" fordert, dass nicht nur Ärzte, sondern auch die Verbraucher selbst die Möglichkeit bekommen müssten, Nebenwirkungen zu melden. "Zudem fehlt jegliche Transparenz bei der Behörde, als Arzt oder Patient gibt es keine Möglichkeit, dort die aktuelle Datenlage zu abzufragen", sagt er. Und es gibt noch andere Kritik. "Die Behörde erteilt Zulassungen aufgrund von Studien-Daten, die der Hersteller vorlegt", klagt der Bremer Klinische Pharmakologe Peter Schönhöfer, "dabei ist schon mehrfach publiziert worden, dass selbst schwerwiegende oder bedrohliche Risiken beschönigt oder ganz verschwiegen werden."

Elektronische Helfer für die Ärzte

Zudem muss sich bei den Ärzten eine Menge ändern. Eine große Hilfe für die Doktoren in Klinik und Praxis kann dabei die geplante elektronische Gesundheitskarte werden. Auf ihrem Chip sollen alle eingenommenen Medikamente des Besitzers gespeichert werden - dann weiß jeder Behandler was der Patient einnimmt und kann gefährliche Wechselwirkungen umgehen. Darüber hinaus plädiert Daniel Grandt, Professor für Innere Medizin am Klinikum in Saarbrücken, für eine "elektronische Verordungsunterstützung", die im Computer des Arztes installiert ist. Das Programm soll beim Verschreiben Risiken checken und bei Gefahr Alarm schlagen. In einigen Praxen, Krankenhäusern und Apotheken sind die Helfer bereits aktiv.

Doch Software allein wird's nicht wuppen. "Die Ausbildung von Medizinstudenten in klinischer Pharmakologie muss unbedingt weiter verbessert werden", fordert der Hannoveraner Dirk Stichtenoth, "auch die Fortbildung zu diesem Thema muss intensiviert werden." Außerdem gilt es, endlich eine grundlegend neue "Fehlerkultur" in der Ärzteschaft zu installieren. Schweigen, vertuschen, abstreiten heißt zu oft die Devise, noch immer ist das Selbstverständnis von Großartigkeit und Unfehlbarkeit weit verbreitet, und ist die Angst vor Konsequenzen groß. Doch nur wenn Fehler eingestanden werden, kann daraus gelernt, können sie beim nächsten Mal verhindert werden.

Mehr Zeit beim Verordnen

All das jedoch wird nur etwas nutzen, wenn der Arzt in Zukunft mehr Zeit hat beim Verordnen von Medikamenten - mehr als die derzeit durchschnittlich knapp sieben Minuten für Anamese, Untersuchung, Diagnose, Arzneimittelverschreibung und Aufklärung. Würde sich derzeit ein niedergelassener Mediziner die nötige Ruhe nehmen, wäre er bald pleite - zu gering ist die Vergütung der Kasse für diese Leistung. Nur mehr Lohn dafür kann das ändern. Doch die Folge wären höhere Kassenbeiträge für alle.

Möglicherweise jedoch können die Krankenversicherungen diese Mehrausgaben oder zumindest einen Teil davon durch das finanzieren, was sie durch weniger Medikationsfehler einsparen würden. Das nämlich ist enorm. Auf mindestens 500 bis 600 Millionen Euro jährlich schätzen Experten die Kosten, die allein dadurch entstehen, dass Patienten aufgrund schwerwiegender Arzneimittelnebenwirkungen in Krankenhäusern behandelt werden müssen.

Dieses Sparpotenzial lässt Versicherungen aktiv werden. So überprüft etwa die Gmüder Ersatzkasse Rezepte systematisch auf Unsinniges und Riskantes. Wenn dabei die Auswerter sehen, dass in einer Praxis Auffälliges passiert, schicken sie dem Doktor einen Brief mit entsprechendem Hinweis. "Manche reagieren gereizt und fühlen sich in ihrer Therapiefreiheit angegriffen", sagt Arzneimittelexperte Gerd Glaeske, dessen Bremer Institut die Arbeit macht, "doch etwa 40 Prozent der Ärzte ändern daraufhin ihr Verordnungsverhalten."


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