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Mit Licht gegen Depressionen: Was gegen den Winter-Blues hilft

Werden die Tage kürzer, fallen auch wir in eine Art Winterschlaf - einen Energiesparmodus, den die Evolution erfunden hat. Manchem schlägt die Dunkelheit aufs Gemüt. Die beste Therapie dagegen: Licht!

Von Horst Güntheroth

Spendet auch im tiefsten Winter neue Energie, die Sonne.

Spendet auch im tiefsten Winter neue Energie, die Sonne.

Sonne, wo bist du? Düster ist es am Morgen, und schon nach einem Hauch von Tag dämmert es wieder. Trist. Wir sehnen das Licht herbei. Helligkeit, Energie. Strahlende Frühlings- und Sommertage. Das Wintergrau frisst gute Laune. Am Morgen bleibt die Bettdecke länger über den Ohren. Schlaff hocken wir hinterm Schreibtisch. Gegen den Frust stopfen wir uns ordentlich voll, der Winterspeck wächst. Der Mensch braucht Licht - für Leib und Seele. Das ist mehr als ein kollektives Gefühl, es ist wissenschaftliche Erkenntnis. Dabei fangen Forscher erst an, die Macht des Lichts auf Gemüt und Organismus zu verstehen. Immer wieder entdecken sie Neues über seine Wirkungsweise. Schon glauben die Biologen und Mediziner, dass uns eine cleverere Nutzung von Licht vielfachen Segen bringen könnte. Es ließen sich nicht nur die winterliche Melancholie verjagen und das Wohlbefinden steigern.

Die richtige Dosis, so die Vision der Wissenschaftler, könnte das ganze Jahr über etwa in Schulen und Betrieben für ein besseres Miteinander sorgen. Und vielen Kranken helfen; manches Leid ließe sich mithilfe richtiger Beleuchtung lindern. "Ich sehe eine große Zukunft für die Behandlung mit Licht", sagt Anna Wirz-Justice, Professorin am Zentrum für Chronobiologie an den Psychiatrischen Kliniken der Universität Basel. "Sie kann bei vielen Störungen eine Menge bringen."

Auch Menschen halten "Winterschlaf"

Zu tun hat das alles damit, wie das Licht den Weg in unser Inneres nimmt. Erst Ende des vergangenen Jahrhunderts machten Forscher einen sensationellen Fund. Sie entdeckten eine bis dahin unbekannte Nervenart im Auge. Zellen, die in der Netzhaut sitzen und nicht zum Sehen dienen. Oft funktionieren sie sogar bei Blinden. Wenn Lichtstrahlen auf sie treffen, senden sie Impulse zum "Suprachiasmatischen Kern". So nennen Forscher eine besondere Ansammlung von circa 20 000 eng verknüpften Nervenzellen im Hirn. Der wiederum gibt nur ein Signal weiter, wenn eine bestimmte Mindesthelligkeit vorliegt.

Empfänger ist die Zirbeldrüse, ein erbsengroßes Organ, versteckt an der Basis des Gehirns. Hier vermutete im 17. Jahrhundert der französische Philosoph René Descartes den Sitz der Seele. Wenn der Impuls ausbleibt, produziert die Drüse Melatonin, ein Hormon, das die Reaktionszeit verlangsamt und die Aufmerksamkeit einschränkt. Es stellt den Organismus auf Schlaf. In langen Winternächten steigt die Melatoninproduktion auf ein Vielfaches gegenüber einer Sommernacht. Einige Tiere wie Igel oder Murmeltier fallen so in den Winterschlaf - und auch wir ein wenig -, in einen Energiesparmodus, den die Evolution erfunden hat, damit das Leben die karge und kalte Jahreszeit übersteht.

Vom Winterblues zur Depression

Wie stark der Entzug von Licht auf den Menschen wirkt, hängt von vielen Faktoren ab. Ein entscheidender ist die Dauer der Dunkelheit. Aufschlussreich ist, was Eberhard Kohlberg berichtet. Der Arzt vom Bremerhavener Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung kennt sich am Südzipfel der Erde aus - dort herrscht während unseres Sommers dunkler Winter. Kohlberg betreut die Bewohner der Neumayer-Station in der Antarktis. Jeweils neun Frauen und Männer leben und arbeiten 14 Monate lang in den Labor- und Wohnräumen des deutschen Forschungsstützpunktes auf dem Eisschelf. Sie erforschen Meteorologie und Geophysik, Luftchemie und Meeresakustik. Im Winter ist der Trupp einzig über Telefon und E-Mail mit der Außenwelt verbunden. Kohlberg hat zweimal die düstere Zeit dort verbracht.

"Zwar ist die Stimmungslage der Bewohner in diesen Monaten individuell unterschiedlich", sagt er. "Doch deutlich ist, dass die Arbeit fast allen dann schwerer von der Hand geht, sie sind antriebsloser, Zwischenmenschliches funktioniert nicht mehr so gut." Intelligenz- und Motivationstests, an denen die Forscher zu verschiedenen Jahreszeiten teilnahmen, zeigten im antarktischen Winter deutlich niedrigere Werte. "Alle freuen sich sehr, wenn nach zwei Monaten Dunkelheit das Sonnenlicht wiederkommt."

Der Winterblues kann bei einigen Menschen zu dermaßen großer Verstimmung führen, dass Mediziner eine regelrechte Depression diagnostizieren. "Seasonal Affective Disorder" (SAD) nennen sie das Krankheitsbild: Stärker noch als der Himmel verfinstert sich die Stimmung, Ängste und Traurigkeit machen sich breit. Oft ziehen sich Betroffene von Kollegen und Freunden zurück. Bis sich im Frühling alles wie von allein bessert. Ungefähr vier Prozent der Menschen in unseren Breiten geht es so. Mehr Älteren als Jüngeren, mehr Frauen als Männern. Im Norden meist häufiger als im Süden.

Spazierengehen schafft bessere Laune

Je nördlicher auf dem Globus, desto mehr Depressionen - so einfach jedoch ist es nicht. So sind zum Beispiel Studien aus Norwegen höchst widersprüchlich. Im Januar 1992 untersuchten Arne Holte, Professor für Klinische Psychologie an der Universität Tromsø, und sein Team 6313 Landsleute. Ergebnis: Jeder Fünfte hatte eine SAD, wobei die Häufigkeit Richtung Nordkap zunahm. Sein Kollege Vidje Hansen von der Uniklinik in Tromsø hingegen leugnet das Krankheitsbild. Der Psychiater glaubt, dass es eine Erfindung amerikanischer Ärzte sei. "Seit 1980 haben wir 30 000 Leute nach ihren Problemen in der Winterzeit befragt", sagt er. "Ein Fünftel leidet unter Schlafstörungen und dauernder Müdigkeit, aber für Depressionen fanden wir keine Anzeichen."

Wie heftig das winterliche Seelentief kommt, so das Fazit der Forscher, dafür sind auch persönliche Empfindlichkeiten ausschlaggebend. Zudem glauben einige Wissenschaftler, dass Gene, herausgebildet durch viele Jahrtausende Anpassung, einen starken Einfluss haben. Auch kulturelle Faktoren sind wichtig, etwa wie sehr das gesellschaftliche Leben im Herbst und Winter in geschlossenen Räumen oder im Freien stattfindet. Till Roenneberg, Professor am Institut für Medizinische Psychologie in München, hält SAD ohnehin für "hochmoderne Pathologie". Wenn wir noch in Wald und Feld jagten, sagt er, gäbe es das Leiden nicht. "Wir leben heute immer drinnen - und damit ständig an einer Schwelle von zu wenig Licht."

Auf alle Fälle gilt für die Trübsalblasenden: Nicht in der Stube hocken! Möglichst viele Stunden tagsüber im Freien zubringen. "Mindestens einmal täglich eine halbe Stunde spazieren gehen", empfiehlt Anna Wirz-Justice von der Universität in Basel. "Am besten morgens, auch bei Regen, Schnee oder Bewölkung." Selbst bei Schmuddelwetter bekommt man dort noch die zehnfache Lichtmenge dessen, was man im Büro oder der Wohnung hat. Die Belohnung fürs Aufraffen: Die Zirbeldrüse drosselt die Melatoninproduktion und regt die Ausschüttung des Hormons Serotonin an. Das hebt die Laune.

"Licht ist ein Medikament"

Wen eine richtig schwere Winterdepression erwischt hat, dem raten die Experten zu einer Extradosis, zur regelrechten Lichttherapie. Dabei machen speziell entwickelte Lampen die kurzen Tage künstlich freundlicher. Eine solche Behandlung wird von einer Reihe Praxen und Kliniken angeboten, oft lässt sie sich mit fachkundiger Anleitung auch zu Hause durchführen. Zwei bis vier Wochen lang sitzt der Patient täglich eine halbe Stunde vor einer großflächigen Leuchtstoffröhre ohne UV-Strahlung - deren Wellenlängen würden dem Auge schaden. "Meist schon nach drei bis vier Tagen bessert sich das Befinden", sagt Anna Wirz-Justice.

Die Lichttherapie wirke auch bei anderen Formen von Depressionen, so berichtet die Forscherin. Das wollen sie und ihre Kollegen nun untersuchen. "Light is a drug", sagt sie - Licht ist ein Medikament. Das zeigte sich beispielsweise eindrucksvoll, als Mediziner die Krankenakten in mehreren psychiatrischen Kliniken durchforsteten. Von den depressiven Patienten konnten jeweils die früher nach Hause, die auf einer hellen Seite untergebracht waren. Erstaunliches entdeckten Wissenschaftler auch in Schulen: Licht macht die Jugendlichen wacher und leistungsfähiger. Die Münchner Lampenfirma Osram baute künstliche Himmel aus blauen und weißen LED-Leuchten an die Decke zweier Klassenzimmer. Dann wurden die Leistungen der Schüler mit jenen verglichen, die in dunkleren Räumen erbracht wurden. Ergebnis: Die Strahler erhöhten die Aufmerksamkeit und Merkfähigkeit und beschleunigten das Denken.

Dabei geht es auch natürlicher, etwa mit "Lichtpausen" in der Arbeitszeit, damit man unterm wirklichen Himmel auftanken kann. Angestellte der Schweizer Einzelhandelskette Migros, die im Untergeschoss des Züricher Hauptbahnhofs stundenlang ohne jegliches Tageslicht arbeiten müssen, dürfen täglich 40 Minuten in die Helligkeit nach draußen - und nach einem Urteil des Züricher Verwaltungsgerichts muss Migros die Pausen sogar bezahlen.

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kann man sich gegen eine maßnahme vom jobcenter wehren?
hallo. ich bin quasi arbeitsunfähig seit meinem 18ten lebensjahr. ich wiege 200 kg und habe eine betreuung weil ich sonst gar nichts schaffen würde. sie bringt mich zu terminen und begleitet mich zu arzt besuchen. das einzige was ich noch alleine kann ist einkaufen und das auch nur weil es nunmal lebensnotwendig ist ,jedoch bin ich danach total erschöpft und fertig.ich kann keine 200 meter mehr laufen.und mal ganz abgesehen von meiner körperlich verfassung leide ich seit meiner kindheit an starken depressionen,borderline,panikattacken,einer traumatischen belastungsstörung und angstzuständen. ich bin demnach körperlich sowie auch psychisch ziemlich fertig. gestern war ich beim amtsarzt zur begutachtung sowie auch einmal vor 2 jahren. und die ärztin sagt mir ernsthaft,das es zumindest köperlich nicht ausreichen würde das ich weiterhin krank geschrieben werden kann und sagte,das eine maßnahme sicherlich gut sein kann.und das obwohl ich bereits sagte,das ich körperlich unfähig bin irgendwas alleine zu schaffen und ,meine betreuerin mich überallhin begleiten muss.(ich habe kein auto)ich bin vollkommen entsesetzt und habe nun angst das sie mich in eine maßnahme stecvken welche ich einfach nicht schaffe und sie mir dann das minum an geld nehmen welches ich bekomme und ich dann verhungernd und auf der starße leben muss,eben weil es ein ding der unmöglichkeit für mich darstellt.kann man sich da irgendwie wehren?sie sagt sie findet ich sei zu jung um berentet zu werden (28).ich habe gerade wirklich angst.kann man einen menschen zwingen etwas für ihn unmögliches zu tun?ich hab das gefühl die wollen irgendeine quote erfüllen und solange man die arme bewegen kann,ist man arbeitsfähig...hilfe :(