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Nebenwirkungen: Paracetamol geht auf die Leber

Das populäre Schmerzmittel Paracetamol ist in den USA mittlerweile die Hauptursache für akutes Leberversagen. Dabei sei fast die Hälfte aller Fälle auf eine unbeabsichtigte Überdosierung zurückzuführen.

Das haben amerikanische Forscher von der Universität von Texas in Dallas entdeckt. Das auch in Deutschland rezeptfrei erhältliche Mittel wird von Millionen von Amerikanern zur Linderung verschiedenster Schmerzen benutzt, und seine Einnahme galt bisher als relativ unbedenklich. Erst seit den 80er Jahren ist die mögliche schädliche Wirkung von Paracetamol auf die Funktion der Leber bekannt. Über die Forschungsergebnisse von William Lee und seinen Kollegen berichtet das Wissenschaftsmagazin "New Scientist" (10. Dezember, S. 19).

Limitierung der Packungsgröße gefordert

In ihrer Studie untersuchten die Forscher die Daten von insgesamt 662 Patienten mit akutem Leberversagen. Bei 275 von ihnen war dieser lebensbedrohende Zustand eindeutig auf eine Überdosierung des Schmerzmittels zurückzuführen. Viele hatten unbeabsichtigt zu viel Paracetamol eingenommen: Einige hatten etwa drei Tage lang zehn Gramm des Mittels geschluckt, was etwa 20 Pillen täglich entspricht. Die empfohlene Tagesdosis liegt bei maximal acht Stück. Mehrere andere der beobachteten Patienten hatten dagegen zwei verschiedene Präparate eingenommen, die aber beide Paracetamol enthielten, und damit unwissentlich eine Überdosis erzielt.

Die Wissenschaftler verfolgten das weitere Schicksal der Patienten über einen längeren Zeitraum. Die meisten von ihnen überlebten, und zwar acht Prozent dank einer Spenderleber und 65 Prozent ohne Organtransplantation. Die restlichen 27 Prozent aber starben. Angesichts der Studienergebnisse spricht sich William Lee dafür aus, die Packungsgröße von Paracetamol zu limitieren wie es etwa in Großbritannien und auch in Deutschland der Fall ist. Zurzeit könne in den USA nämlich jeder mit einer Packung gleich 500 Pillen erwerben, kritisiert Lee.

DDP

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