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Fachbeitrag: Neues Organ oder kein neues Organ – Mediziner entdecken unbekannte Körperstruktur

Das Gewebe kennen die Mediziner, unbekannt aber war, dass es mit Flüssigkeit gefüllt ist und möglicherweise Stoffe transportiert. Experten streiten nun darum, ob die Struktur ein neues Organ ist.

Interstitium

Das Interstitium ist hier unter der oberen Hautschicht zu sehen

DPA

Mediziner haben im Körper ein Netzwerk entdeckt, das den Organismus durchzieht und möglicherweise an der Ausbreitung von Krebs beteiligt ist. Es gehört zum sogenannten Interstitium, einem Zwischengewebe, das etwa unter der Haut liegt aber auch Lungen, Verdauungstrakt und Harnwege auskleidet. Zwar war das Interstitium als festes Gewebe schon bekannt. Doch nun berichten US-Forscher im Fachblatt "Scientific Reports" von einem Netz mit Hohlräumen darin, die Flüssigkeit enthalten und den Körper durchziehen. Ein deutscher Experte spricht von einer wichtigen Erkenntnis, ein Organ könne man dies aber nicht nennen.

Kein dichtes Gewebe wie bislang gedacht

Die Hohlräume waren den Forschern zufolge bisher unentdeckt geblieben, weil die chemische Fixierung von Gewebeproben zwar Zellelemente und Strukturen bewahrt, ihnen aber viel Flüssigkeit entzieht, sodass das Netzwerk kollabiert. Daher gingen Forscher bisher davon aus, dass es sich um dichtes Gewebe handele, nicht um Hohlräume, die mit Flüssigkeit gefüllt sind.

"Der durch die Fixierung entstandene Kollaps hat dafür gesorgt, dass das flüssigkeitsgefüllte Gewebe, das den ganzen Körper durchzieht, jahrzehntelang in Biopsieproben fest erschien", sagt Studienleiter Neil Theise vom Mount Sinai Beth Israel Medical Center in New York.

"Die Entdeckung ist sicherlich wichtig, aber es handelt sich nicht um ein neues Organ", sagt Christian Trautwein von der Uniklinik RWTH Aachen. "Das Interstitium ist eine Grenzschicht an der Oberfläche vieler Organe und anderer Körperbereiche, die für Elastizität sorgt." Der Sprecher der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) vermutet, dass das Netz nicht nur als mechanischer Puffer dient, sondern auch eine Abwehrfunktion hat und Stoffe durch den Körper transportiert.

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nik/DPA
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