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Neuro-Enhancement: Doping fürs Gehirn

Lernpillen für schwache Schüler, Aufmerksamkeitstabletten für Manager, Gedächtnispülverchen für Senioren - den Zukunftsvisionen der Pharmaforschung sind kaum Grenzen gesetzt. Die Medikamente für Gesunde sind aber umstritten.

Viele Medikamente, die zur Linderung von Gehirn-Erkrankungen entwickelt wurden, wirken auch bei Gesunden: Sie können die Stimmung heben und die Leistungsfähigkeit des Gehirns steigern. "Neuro-Enhancement" nennen Experten das - eine Art Doping fürs Gehirn, dem nun ein Forschungsteam der Universität Münster auf die Spur kommen will. Denn: Auch wenn für Pharmakonzerne ein riesiger Markt lockt, Nebenwirkungen, ethische Fragen und gesellschaftliche Folgen sind weithin umstritten.

Schon heute lassen sich Gesunde Medikamente verschreiben, die eigentlich zur Behandlung von Alzheimer, von Depressionen, von Aufmerksamkeits- oder Schlafstörungen zugelassen sind. Studenten oder Manager etwa wollen mit diesen Mitteln den Examens- und Arbeitsstress bewältigen. Genaue Zahlen sind nicht bekannt. In den USA gehen Experten von Hunderttausenden von Konsumenten aus. "Es besteht die Vermutung, dass das in Tendenzen auch bei uns stattfindet", sagt Bettina Schöne-Seifert, Medizinethikerin an der Hochschule.

Dopamin hilft beim Erinnern

Die Münsteraner Forscher untersuchen konkret, wie Lernprozesse im Gehirn beschleunigt und verbessert werden können. Ziel ist es, neue Therapien gegen nachlassende Gehirnfunktionen zu entwickeln - allerdings für Schlaganfallpatienten und Demenzkranke. Geprüft wird, ob eine erhöhte Konzentration von Dopamin, einem Botenstoff im Gehirn, zu besseren Gedächtnisleistungen führt. In Vorstudien war der Erfolg von Testpersonen beim Vokabellernen deutlich höher als in einer Kontrollgruppe.

Die Erklärung: "Informationen, die sonst im Gehirn einfach durch ein Sieb fallen, werden durch den erhöhten Dopamin-Spiegel als lohnenswerte Nachrichten besonders gespeichert", erklärt der Neurologe Stefan Knecht, der an dem Projekt beteiligt ist. "Das stupide Vokabeln-Pauken wird dadurch so aufregend wie der Bescheid über eine Beförderung."

Unter US-amerikanischen Studenten soll es bereits verbreitet sein, sich das Pauken durch leistungssteigernde Medikamente zu erleichtern. Durch die Rezeptpflichtigkeit sei der Zugang zu solchen Mitteln in Deutschland aber wesentlich schwieriger, meint Johannes Noth, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Neurologie. Alle Amphetamine unterliegen in Deutschland dem Betäubungsmittelgesetz, erklärt Noth: "Ohne eine entsprechende Diagnose ist es auf legalem Weg fast unmöglich, diese Mittel zu bekommen."

Pharmafirmen wittern riesigen Markt

Welche Nebenwirkungen Gesunde bei der Einnahme dieser Medikamente eingehen, ist bisher kaum erforscht. Auch der Einfluss der Medikamente auf die Persönlichkeit ist umstritten. "Es ist schon möglich, dass solche Mittel einen Menschen weniger authentisch machen", sagt Schöne-Seifert, die auch dem Nationalen Ethikrat angehört. "Wir wissen einfach noch viel zu wenig darüber." Vieles sei reine Zukunftsmusik, die Forschung an zahlreichen neuen Präparaten sei noch in den Anfängen.

Sollte es aber in einigen Jahren Glücks- und Gedächtnispillen mit keinen oder wenigen Nebenwirkungen geben, sei die Wahrscheinlichkeit sehr groß, dass viele Menschen diese Mittel ausprobieren wollen, meint Schöne-Seifert: "Die Pharmaunternehmen wittern da mit Recht einen Riesenmarkt."

Christiane Jacke/DPA / DPA

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