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Nudelprodukte Pferdefleisch-Skandal erreicht Nestlé


Teurer heißt nicht automatisch gut: Die weltgrößte Lebensmittelfirma Nestlé entdeckt in zwei Nudelprodukten Pferde-DNA. Lieferant des Fleisches soll ein deutsches Unternehmen sein.

Der Pferdefleisch-Skandal betrifft nun auch den Lebensmittelriesen Nestlé. Bei Tests sei Pferde-DNA in zwei Nudelprodukten nachgewiesen worden, teilte der Schweizer Konzern mit. Sie seien aus Rindfleisch eines deutschen Zulieferers aus Niedersachsen hergestellt worden. Die in Italien und Spanien verkauften Sorten Buitoni-Rindfleischravioli und Rindfleisch-Tortellini seien daraufhin sofort freiwillig vom Markt genommen worden. Der Anteil von Pferdefleisch habe über einem Prozent gelegen. Auch eine in Frankreich hergestelltes Fertig-Lasagne für Gastronomiebetriebe wurde demnach aus dem Verkehr gezogen.

Der Konzern entschuldigte sich bei seinen Kunden und kündigte an, als Konsequenz höhere Standards einzuführen und die Rückverfolgbarkeit der Zutaten zu verbessern. Eine Gesundheitsgefährdung gehe von den falsch deklarierten Produkten nicht aus.

Aigner sieht noch kein Ende des Skandals

Bundesverbraucherschutzministerin Ilse Aigner schließt nicht aus, dass sich der Skandal noch ausweitet. "Wir gehen davon aus, dass es noch weitere Erkenntnisse gibt, weil die Behörden gerade mit ihren Untersuchungen anfangen. Insofern gehe ich nicht davon aus, dass es heute zu Ende ist", sagte die CSU-Politikerin am Montagabend im SWR.

Nach ihrer Einschätzung sind zur Aufklärung des Skandals grenzüberschreitende Ermittlungen der Justiz nötig. Es sei zu vermuten, dass es sich um ganz legal geschlachtetes Pferdefleisch handele, das dann "irgendwo auf der Strecke umgewidmet" worden sei, sagte Aigner in der ARD-Sendung "Hart aber fair". Dies aufzuklären und zurückzuverfolgen, sei "eine Detektivarbeit".

"Umsetzung ist immer an Frau Aigner gescheitert"

NRW-Verbraucherschutzminister Johannes Remmel (Grüne) attackierte Aigner und forderte eine bessere Kennzeichnung von Fleischprodukten. Dazu habe es schon mehrfach Anläufe gegeben. "Die Umsetzung ist dann immer an der Intervention von Frau Aigner, der Bundesregierung und der Union im Bundestag gescheitert", sagte Remmel den "Ruhr Nachrichten". Die Verbraucher dürften über die Herkunft von Fleischzutaten in verarbeiteten Produkten nicht länger im Unklaren gelassen werden.

Die Verbraucherminister von Bund und Ländern hatten sich am Montag angesichts des aktuellen Skandals auf einen Nationalen Aktionsplan mit einer Verschärfung der Kontrollen und einem Paket gegen Lebensmittelbetrug verständigt. Sie vereinbarten etwa eine zentrale Internetseite mit Informationen über Produktrückrufe. Geprüft werden sollen eine Ausweitung der Meldepflicht für Lebensmittelunternehmen bei einem Verdacht auf Täuschungsfälle sowie höhere Strafen und Geldbußen für Betrüger. Deutschland will sich in der EU für eine Herkunftskennzeichnung für verarbeitete Fleischprodukte einsetzen.

"Aigners Aktionsplan ist ankündigen und nachholen"

Der Verbraucherzentrale Bundesverband kritisierte den Maßnahmenkatalog. "Der Plan verdient den Namen Aktionsplan nicht", sagte Vorstand Gerd Billen dem Sender Phoenix. Es sei viel davon die Rede, dass man etwas prüfen oder sich für etwas einsetzen wolle. "Unter dem Strich ist zu wenig dabei herausgekommen." Auch die Spitzenkandidatin der Grünen für die Bundestagswahl, Katrin Göring-Eckardt, findet den Aktionsplan ungenügend. "ilse aigners aktionsplan ist ankündigen und nachholen. wir brauchen endlich transparenz und ja: andere landwirtschaft!", twitterte Göring-Eckardt.

Aigner wies Vorwürfe zurück, Fehler im Krisenmanagement gemacht zu haben. "Ich muss mir da nichts vorwerfen lassen. Sie können nicht hinter jedem einzelnen Produkt einen Kontrolleur aufstellen, das funktioniert nicht", sagte sie im SWR.

mad/DPA/AFP DPA

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