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Lebensmittel-Werbung: Sind Stars wie Justin Timberlake mitschuldig am Übergewicht von Kindern?

Für Popstars sind Werbeverträge mit Lebensmittelkonzernen lukrativ. Laut einer US-Studie sind die beworbenen Produkte jedoch oftmals wahre Kalorien- und Zuckerbomben. Das hat Konsequenzen  – vor allem für junge Fans. 

Justin Timberlake singt auf der ESC-Bühne.

Justin Timberlake performt live beim Eurovision Song Contest (ESC). Der US-Star hat für die Konzerne "McDonald's" und "Pepsi" geworben.

Für Teenager sind Popstars Vorbilder, denen sie so nah wie möglich sein wollen. Sie kaufen sich das neue Parfum ihres Lieblingssängers, shoppen Fan-Artikel und kleben ihr Zimmer mit Postern zu. Produkte, die von Stars beworben werden, stehen bei der jungen Fangemeinde hoch im Kurs. Das Problem: Die angepriesenen Lebensmittel und Getränke sind meist alles andere als kindgerecht – sondern ziemlich ungesund.

Zu diesem Ergebnis kommen Forscher der "New York University School of Medicine". Das Team um Wissenschaftlerin Marie Bragg hat die Werbedeals von 163 berühmten US-Stars analysiert, darunter Katy Perry, Justin Timberlake, Usher und Snoop Dogg. 65 dieser Popstars hatten in den Jahren von 2000 bis 2014 Werbedeals mit Lebensmittel- und Getränkemarken. Justin Timberlake warb etwa für "Pepsi" und "McDonald's", Usher hatte einen Deal mit "Twix", und Rapper Snoop Dogg pries das koffeinhaltige Getränk "Monster Energy" an.

Bragg und ihr Team untersuchten den Kalorien-, Nährstoff- und Zuckergehalt der beworbenen Produkte – und kamen zu einem ernüchternden Ergebnis: 21 von 26 beworbenen Lebensmitteln enthielten reichlich Kalorien und im Gegenzug kaum Nährstoffe. Von 69 beworbenen Getränken waren 49 mit Zucker gesüßt und damit auch alles andere als gesund. Limonaden, Junkfood und Süßigkeiten wurden insgesamt am häufigsten beworben. Keiner der Stars machte Werbung für Früchte, Gemüse oder Vollkornprodukte – Lebensmittel, die allgemein als gesund angesehen werden.  Die Ergebnisse ihrer Untersuchung veröffentlichten die Forscher im Fachblatt "Pediatrics".

Haben werbende Popstars eine Mitschuld am Übergewicht von Kindern?

Insbesondere Zucker ist in den letzten Jahren in Verruf geraten: Er gilt als Hauptauslöser für Übergewicht und soll Diabetes Typ 2 begünstigen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt daher, weniger als zehn Prozent der täglichen Kalorienmenge durch zugesetzte Zucker aus Lebensmitteln, Getränken und Honig aufzunehmen. 

Die Forscher um Marie Bragg glauben, dass werbende Popstars dazu beitragen könnten, dass immer mehr Minderjährige mit Übergewicht zu kämpfen haben: "Übergewicht bei Kindern und Jugendlichen ist landesweit ein großes Problem. Deswegen ist es wichtig, darauf aufmerksam zu machen, wie Konzerne Stars benutzen, um ihre ungesunden Produkte zu vertreiben", erklärt Bragg in einer Mitteilung zu der Studie. "Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass Lebensmittelwerbung dazu führen kann, dass zu viel gegessen wird. Und die Lebensmittelindustrie gibt jährlich 1,8 Milliarden Dollar für Werbung aus, die sich gezielt an Jugendliche richtet."

Anstatt für Junkfood zu werben, sollten Stars ihre Popularität besser nutzen, um sich für eine gesunde Lebensweise stark zu machen, empfehlen die Forscher. "Ihre Beliebtheit unter Jugendlichen macht sie zu souveränen Vermittlern eines positiven Rollen-Bildes", glaubt Co-Autorin Alysa N. Miller.

Auch hierzulande kritisieren Verbraucherschützer Lebensmittel-Werbung, die sich gezielt an Kinder und Jugendliche richtet. Foodwatch hat im vergangenen Jahr 281 speziell für Kinder entwickelte Produkte getestet und den Großteil als zu fettig oder zu süß eingestuft. Nur 29 Produkte konnten die Kriterien der Weltgesundheitsorganisation (WHO) für ausgewogene Lebensmittel einhalten.


ikr

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