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Studie aus Australien Prostatakrebs durch HPV? Zusammenhang laut Forschern "sehr wahrscheinlich"

HPV Prostatakrebs: Viren unter einem Elektronenmikroskop
Humane Papillomviren (HPV) unter einem Elektronenmikroskop
© CAVALLINI JAMES / Picture Alliance
Humane Papillomviren - kurz HPV - können bei Frauen Gebärmutterhalskrebs auslösen. Eine neue Studie bringt die Viren nun auch in Zusammenhang mit Prostatakrebs bei Männern. Was steckt dahinter?

Humane Papillomviren (HPV) kennen viele Menschen als Auslöser von Gebärmutterhalskrebs bei Frauen. Und bald auch der Prostata? Zwei australische Wissenschaftler haben 26 Studien zu dem Thema ausgewertet und kommen zu dem Schluss: HP-Viren könnten auch eine ursächliche Rolle beim Entstehen dieser Krebsart spielen – dies sei sogar "sehr wahrscheinlich". Über ihre Ergebnisse berichten sie im Fachblatt "Infectious Agents and Cancer". 

Von HPV gibt es verschiedene Virusvarianten, die ein Merkmal eint: Sie werden beim Sex übertragen. Zwar können Kondome das Risiko einer Ansteckung senken, verhindern können sie diese aber nicht immer. Bekannt ist, dass eine Infektion mit bestimmten Virusvarianten das Risiko für Krebs erhöht – nicht nur am Gebärmutterhals, sondern auch an After, Penis oder im Mund und Rachen. Zum Schutz vor gefährlichen Virusvarianten gibt es eine Impfung. Sie wird in Deutschland gleichermaßen für Mädchen wie auch Jungen empfohlen.

Prostatakrebs gehört zu den häufigsten Krebsarten bei Männern in Deutschland. Jährlich erkranken rund 59.000 Menschen neu an bösartigen Wucherungen der sogenannten Vorsteherdrüse. Die meisten von ihnen sind in einem fortgeschrittenen Lebensalter, das Durchschnittsalter zum Zeitpunkt der Diagnose liegt bei 72 Jahren. Obwohl die Krebsart weit verbreitet ist, ist wenig über ihre Entstehung bekannt. Experten vermuten, dass eine erbliche Vorbelastung eine Rolle spielen könnte. 

Nun bringt das Wissenschaftler-Duo der "School of Biotechnology and Biomolecular Science" in Sydney erneut HP-Viren als möglichen Auslöser ins Gespräch. Die Diskussion ist nicht neu, der Zusammenhang wird seit mehreren Jahren intensiv untersucht. Die Forscher vermuten, dass eine HPV-Infektion die Krebsentstehung über Elemente des Immunsystems auslösen könnte. Möglicherweise könnten dabei auch andere Erreger eine Rolle spielen, die mit den HP-Viren interagierten. Nach Ansicht der Forscher ist die Rolle von HPV bei Prostatakrebs sehr komplex und unterscheide sich deutlich von der Gebärmutterhalskrebs-Entstehung.

Der wohl wichtigste Hinweis für die These sei, dass HP-Viren des Hochrisiko-Typs bei Prostatakrebs "signifikant" häufiger auftreten würden als in gesundem Prostatagewebe, schreiben die Forscher. 

"Ein stichhaltiger wissenschaftlicher Beweis fehlt"

Prof. Michael Muders, Pathologe und Direktor des Rudolf-Becker-Labors für Prostatakarzinomforschung, verweist auf ähnliche Studien, die diesen Zusammenhang nahelegen. Angesichts der aktuellen Studie warnt er jedoch vor voreiligen Schlüssen. Bislang gebe es noch keinen Beweis dafür, dass HP-Viren eine ursächliche Rolle bei Prostatakrebs spielen, betont er. Einen solchen könnten beispielsweise Versuche mit Zellkulturen oder auch Tierexperimente liefern. Entsprechende Daten seien bislang aber nicht publiziert.

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"Auch in dem aktuellen, hier vorliegenden Review wird ein Zusammenhang zwischen einer HPV-Infektion und Prostatakarzinom nur aufgrund von Assoziationen nahegelegt", so Muders. "Dabei wurden stringentere Kriterien als in den früheren Metaanalysen angewandt. Trotzdem fehlt immer noch ein stichhaltiger wissenschaftlicher Beweis, auf dessen Grundlage weitere Handlungsempfehlungen ausgesprochen werden können."

Impfung gegen HPV

HPV sei nur einer von vielen Krankheitserregern, die eine Rolle bei Prostatakrebs spielen könnten, betonen die australischen Forscher. Dennoch seien sie der einzige Erreger, gegen den es einen Impfstoff gebe. Aus diesem Grund sei es wichtig, den Zusammenhang näher zu untersuchen. Ob und wie eine Impfung der Entstehung von Prostatakrebs vorbeugen könnte, ist jedoch noch völlig unklar.

Laut Michael Muders könne die Studie der grundsätzlichen Impfempfehlung "mehr Nachdruck verleihen". Die Impfung diene aus medizinischer Sicht der Prävention von Gebärmutterhalskrebs aber auch von Tumoren im Mund- und Rachenbereich. "Leider ist in Deutschland diese Art der Prävention nicht so verbreitet wie zum Beispiel in skandinavischen Ländern", so Muders. "Hier besteht eindeutig Handlungsbedarf."

Die Ständige Impfkommission (Stiko) empfiehlt die HPV-Impfung für Jungen und Mädchen im Alter von 9 bis 14 Jahren. Eine versäumte Impfung sollte demnach so früh wie möglich nachgeholt werden, "spätestens bis zum Alter von 17 Jahren" und idealerweise vor dem ersten Sexualkontakt, heißt es in einem Faktenblatt. Gegebenenfalls kann es nach der Impfung zu kurzfristigen Nebenwirkungen wie Kopfschmerzen, Schwindel oder Abgeschlagenheit kommen. Auch kann sich die Einstichstelle röten, anschwellen oder schmerzen.

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Quellen: Infectious Agents and Cancer / Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) / Deutsches Krebsforschungszentrum / Robert Koch-Institut (RKI)

ikr

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