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Lungenkrankheit: Einen Mann plagt extreme Atemnot - schuld ist sein Bett

Ein Mann bekommt kaum Luft, ist müde und droht schon bei der kleinsten Anstrengung in Ohnmacht zu fallen. Was hat ihn so übel zugerichtet?

Ein Bett von oben

Der Feind lauert manchmal an Stellen, an denen man ihn am wenigsten erwartet. Etwa im Bett, wie im Fall des 43-jährigen Patienten.

Getty Images

Seit drei Monaten geht es dem Mann sehr schlecht: Er ist müde, fühlt sich unwohl und klagt über Atemnot. Sein Hausarzt tippt zunächst auf eine Infektion der Atemwege und schickt ihn wieder nach Hause. Tatsächlich bessern sich die Symptome, nur um dann kurze Zeit später wiederzukehren: Mittlerweile geht es dem 43-Jährigen so schlecht, dass er 14 Tage am Stück auf der Arbeit fehlt.

Zwei Monate nach dem ersten Arzttermin ist an ein normales Alltagsleben nicht mehr zu denken: "Bei körperlicher Anstrengung bekam ich Schwindelanfälle", erinnert sich der britische Patient im Fachblatt "BMJ Case Reports". Geht er ein paar Schritt zu Fuß, hat er das Gefühl, in Ohnmacht zu fallen. Selbst die Treppe in den ersten Stock seiner Wohnung wird zu einem fast unüberwindbaren Hindernis. "Die Treppe ins Schlafzimmer zu nehmen, dauerte eine gute halbe Stunde, da ich nur zwei Stufen nacheinander gehen konnte und mich im Anschluss hinsetzen und ausruhen musste."

Die Ärzte sind alarmiert, weil der Mann so schlecht Luft bekommt. Atemnot ist ein gefährlicher Zustand und kann einige - oft lebensbedrohliche - Auslöser haben, etwa ein akuter Asthmaanfall oder eine Lungenembolie. Die Mediziner stellen den Patienten auf den Kopf, untersuchen sein Blut, röntgen die Lunge und lassen ihn einen Lungenfunktionstest machen. Die Blutwerte des Mannes sind normal. Doch beim Funktionstest fällt auf, dass der Gasaustausch in der Lunge beeinträchtigt ist. Auf dem Röntgenbild der Lunge zeigt sich außerdem ein auffälliges Muster: Bestimmte Abschnitte des Organs wirken auf der Aufnahme eingetrübt. 

Was fehlt dem Patienten?

Die Mediziner um Patrick Liu-Shiu-Cheong vom Victoria-Krankenhaus in Kirkcaldy durchleuchten die Krankheitsgeschichte und den Alltag des Mannes. Jedes Detail kann nun wichtig sein, um die Ursache für das Lungenleiden zu finden. Der Mann ist Nichtraucher. Er führt ein beschauliches Leben und gibt an, mit seiner Frau in einer warmen, trockenen Wohnung zu leben. Die beiden halten einen Hund und eine Katze. Tagsüber arbeitet der 43-Jährige in einem Büro, nach Feierabend spielt er Gitarre und Saxophon in einer Band. Vor kurzem, so erzählt der Mann, haben sich die beiden eine besondere Anschaffung geleistet: eine dicke Daunendecke für das Bett und Kissen, ebenfalls mit Daunen gefüllt. Davor hatte das Paar jahrelang Bettwäsche mit synthetischen Fasern verwendet.

Daunen als Auslöser

Der Arzt wird hellhörig: Daunen? Der Mediziner hat nun einen konkreten Verdacht, woran der Mann leiden könnte. Die Krankheit befällt sonst eigentlich nur Menschen, die Vögel als Haustiere halten oder die Tiere züchten. Die Rede ist von einer sogenannten Vogelhalterlunge, einer Unterform der allergischen Alveolitis. Mehr als jeder zehnte Taubenzüchter erkrankt im Laufe seines Lebens daran.

Unter Alveolen versteht man die Lungenbläschen, in denen der Gasaustausch in der Lunge stattfindet. Sie können sich entzünden, etwa wenn kleinste organische Partikel eingeatmet werden und der Körper darauf allergisch reagiert. Schuld an der Vogelhalterlunge ist ein Protein, das in Vogelfedern vorkommt. Asthmatiker sind für die Krankheit besonders empfänglich. Je länger die bedenklichen Stoffe eingeatmet werden, desto ausgeprägter werden in der Regel die Symptome. Die Entzündung kann sich schließlich auf die gesamte Lunge ausweiten und unbehandelt zu einer Lungenfibrose führen. Dabei wird normales Lungengewebe durch funktionsloses Bindegewebe ersetzt.

Eine Alveolitis äußert sich durch Fieber, Husten, Atemnot und eine schnelle Atmung. Die Symptome treten zeitversetzt nach dem Kontakt mit dem Allergen auf, was die Alveolitis von einem Asthmaanfall unterscheidet. Meist zeigen sich die Beschwerden nach vier bis acht Stunden. Die Therapie besteht darin, das Allergen konsequent zu meiden.

Der Mediziner rät dem Patienten, die Daunenbettwäsche zu entsorgen und verschreibt ihm sicherheitshalber Kortison, das die Entzündung eindämmen soll. Die Beschwerden bessern sich rasant. Schon bald kann der Mann das Kortison wieder absetzen. Nach sechs Monaten ist er komplett beschwerdefrei. Er sei nun wieder ganz der Alte, berichtet der Mann im Fachblatt. "Es beeinträchtigt mich in keinster Weise und mein Leben ist wieder so wie es früher war."

Mit einer Ausnahme: Er schläft fortan nur noch in hypoallergenem Bettzeug.

Quelle: BMJ Case Reports / Lungenärzte im Netz

ikr
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