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Augenblick mal! Was ist mit diesem Auge los?

Auge mit auffälliger Iriskrause
Auffälliges Auge: Um die Pupille scheint sich eine kreisförmige Schnur zu winden
© The New England Journal of Medicine ©2017
Ein chinesischer Arzt staunte nicht schlecht, als er in die Augen seiner Patientin sah: Auf ihrer Iris zeichnete sich eine kreisrunde Struktur ab. Für das Phänomen gibt es eine simple Erklärung. 

Die 37-jährige Frau aus der südchinesischen Stadt Guangzhou litt unter Augenbeschwerden: Sie juckten und tränten. Mit diesen Symptomen ging sie zu einem Augenarzt. Er untersuchte die Frau zunächst routinemäßig. Er maß ihren Augeninnendruck und prüfte, wie ihre Pupillen auf Licht reagierten. Aufgrund der Rötung des Auges tippte er auf eine Bindehautentzündung, die vermutlich durch eine Allergie ausgelöst worden war.

Dennoch bemerkte der Mediziner etwas Besonderes im Auge der Patientin: Um ihre Pupillen zeichneten sich auf beiden Seiten ringförmige Kränze ab. Diese waren zwar nicht der Grund für ihre Beschwerden. Dennoch empfand der Mediziner seinen Fund für so bedeutend, dass er ihn jüngst  im "New England Journal of Medicine" (NEJM) beschrieb.

Die Struktur, die dem Arzt wortwörtlich ins Auge fiel, nennt sich Iriskrause. Für gewöhnlich ist sie nur ein schmaler, kaum sichtbarer Ring. Doch im Fall der chinesischen Patienten ist sie ungewöhnlich stark ausgeprägt und erhaben.

Wulstig erscheinende Iriskrause ist Laune der Natur

Einen vergleichbaren Fall habe auch er bislang nicht gesehen, erklärt Christian Ohrloff, Augenarzt und Sprecher der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft auf Nachfrage des stern. Die Stärke der Ausprägung scheine "sehr selten" zu sein. Es sei aber nicht ungewöhnlich, dass die Iriskrause bei Menschen grundsätzlich verschieden aussieht. "Das reicht von kaum sichtbar bis stark ausgeprägt", so Ohrloff.

Eine eigentliche Aufgabe besitzt die Iriskrause zwar nicht. Sie stellt aber eine optische Trennlinie zwischen zwei Bereichen der Iris dar. Die Iris umschließt die Pupille und regelt den Lichteinfall ins Auge. Bei hellem Licht verkleinert die Iris den Pupillendurchmesser, damit wir nicht geblendet werden. Im Dunkeln vergrößert sie ihn wieder. 

Wann muss man zum Augenarzt?

Ein Grund zur Sorge oder gar krankhaft ist die wulstig erscheinende Krause übrigens nicht, betont Ohrloff. Sie sei vielmehr "eine individuelle Spielart", erklärt der Mediziner. "So wie verschiedene Menschen unterschiedliche Augenfarben besitzen, kann auch die Iriskrause von Mensch zu Mensch unterschiedlich aussehen." Nicht grundlos gelte die Beschaffenheit der Iris als zweiter "Fingerabdruck" des Menschen.

Grundsätzlich sei es jedoch ratsam, bei Auffälligkeiten zum Augenarzt zu gehen, so Ohrloff. Das ist etwa dann der Fall, wenn das Auge schmerzt, gerötet ist oder die Sehleistung nachlässt. Auch Pigmentflecken oder sichtbare Veränderungen des Auges sollten mit einem Arzt abgeklärt werden.

Gegen das Jucken verschrieb der Arzt seiner chinesischen Patienten Medikamente. Außerdem klärte er sie über den Zufallsbefund auf und betonte, dass sie sich keine Sorgen machen müsse.

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