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Rückenschmerzen: Es ist ein Kreuz

Rückenschmerz hat sich zum Massenleiden entwickelt. Allein 2006 war deutlich mehr als jeder Zweite betroffen. Das Leiden zieht sich durch alle Altersgruppen und sozialen Klassen, plagt Dauersitzer wie sportlich Trainierte. Steckbrief einer Volkskrankheit.

Muss ich mir Sorgen machen, wenn der Rücken schmerzt?

In den meisten Fällen nicht. Rückenbeschwerden gehören zum Leben wie eine Erkältung oder gelegentliches Kopfweh. Oft sind sie harmlos und verschwinden innerhalb weniger Tage von selbst. Sie sollten jedoch einen Arzt aufsuchen, wenn:

> Sie ohne erkennbaren Grund viel Gewicht verloren haben,
> die Beschwerden zusammen mit Fieber oder Nachtschweiß auftreten,
> Sie in den Monaten zuvor eine stärkere Infektion erlitten haben,
> Sie in der Vergangenheit einmal an Krebs erkrankt sind,
> Sie keine vollständige Kontrolle mehr über Blase und Mastdarm haben oder Lähmungserscheinungen in den Beinen auftreten.

Diese Symptome weisen möglicherweise auf eine ernsthafte Erkrankung hin, die ein Mediziner abklären sollte.

Wie viele Menschen in Deutschland leiden unter Rückenschmerzen?

Bei rund 85 Prozent der Deutschen treten im Laufe des Lebens Schmerzen an der Wirbelsäule auf. Allein im vergangenen Jahr litten 62 Prozent der Erwachsenen an solchen Beschwerden. Oft bleibt es bei einmaligen oder seltenen Episoden, doch bei immerhin zwölf Prozent treten die Schmerzen regelmäßig oder sogar dauerhaft auf. Das deutsche Gesundheitssystem kosten die Rückenleiden nach Berechnungen des Statistischen Bundesamtes pro Jahr mehr als acht Milliarden Euro.

Was löst Rückenschmerzen aus?

Körperliche Ursachen, wie zum Beispiel ein Bandscheibenvorfall, können Rückenschmerzen hervorrufen oder begünstigen, aber auch psychische Faktoren wie Stress oder belastende Ereignisse. Bei 90 Prozent der Patienten entdecken die Ärzte keinen klaren Grund, weil die Symptome von verschiedenen Ursachen ausgelöst werden. Mediziner sprechen in diesem Fall von unspezifischen Rückenschmerzen.

Kann ich mich vor Rückenproblemen schützen?

Eine sichere Methode, die vor Wirbelsäulenbeschwerden bewahrt, ist bislang nicht bekannt. Doch Sie können das Risiko senken. Eine entspannte Atmosphäre zu Hause, Zufriedenheit am Arbeitsplatz und eine ausgeglichene Persönlichkeit sind dabei genauso wichtig wie regelmäßige Bewegung. Drei Stunden körperliche Aktivität pro Woche stärken nicht nur Muskeln und Gelenke, sondern entlasten auch die Seele.

Was sollte ich bei akuten Schmerzen tun?

"Stellen Sie Ihre Aktivitäten um, aber stellen Sie sie möglichst nicht ein", sagt Gerd Müller, Orthopäde im Hamburger Rückenzentrum am Michel. Das bedeutet: "Legen Sie sich nicht aufs Sofa, sondern schalten Sie lieber einen oder zwei Gänge zurück, und bewegen Sie sich vorsichtig."

Leichte Medikamente können helfen, die Schmerzen zu überstehen. Legen Sie kalte oder warme Packungen auf die betroffene Stelle. Müller: "Ob Kälte oder Hitze hilft, ist individuell ganz verschieden und sollte ausprobiert werden." Mit bestimmten Übungen entspannen und lockern Sie Ihre Muskeln.

Gibt es falsche Bewegungen?

Noch immer unterscheiden manche Rückenschulen zwischen richtigen und falschen Bewegungen, doch diese Einteilung ist überholt. "Kistenheben aus den Knien, rückengerechtes Sitzen - das ist Unsinn", sagt Gerd Müller. "Die Muskulatur braucht vielfältige Belastungen, damit sie ausgeglichen trainiert wird."

Zwar kann eine ungewohnte Beanspruchung wie zum Beispiel schweres Heben bei einem Umzug gerade bei Untrainierten zu vorübergehenden Schmerzen im Kreuz führen, doch sind ernsthafte Schäden durch solche gelegentlichen Überlastungen nicht zu erwarten.

Wann werden Rückenschmerzen chronisch?

Wenn die Beschwerden trotz angemessener Diagnostik und Behandlung länger als drei Monate anhalten oder häufig in Intervallen wiederkehren. Oft begünstigen psychosoziale Faktoren die Chronifizierung: Probleme bei der Arbeit, Ärger in der Familie, aber auch ängstliches Vermeidungsverhalten und krampfhaftes Durchhalten - all das erhöht die Gefahr, dass aus gelegentlichen Schmerzen ein Dauerleiden wird.

Ist die Wirbelsäule eine Fehlkonstruktion?

"Nein", sagt Gerd Müller. Rund 1,5 Tonnen könne unsere Lendenwirbelsäule tragen, das Gewicht eines Kleinwagens. "Bei einer größeren Belastung brechen die Knochen - die Bandscheiben kriegen Sie so jedoch nicht kaputt."

Helfen Röntgen, CT- und MRT-Bilder bei der Diagnose weiter?

Selten. Nahezu jeder 40-Jährige weist Einrisse in mindestens einem äußeren Bandscheibenring auf, bei 70 Prozent der 50-Jährigen sind Abnutzungserscheinungen auf dem Röntgenbild sichtbar.

Doch längst nicht alle klagen über Schmerzen. Umgekehrt sind bei manchen Patienten mit schweren Rückenleiden keine körperlichen Mängel zu erkennen. Deshalb helfen Röntgen- und Kernspinuntersuchungen nur in besonderen Fällen, zum Beispiel wenn der Arzt eine bestimmte Ursache gezielt aufspüren will.

Wie wichtig ist die rückengerechte Ausstattung am Arbeitsplatz?

Längst nicht so entscheidend, wie es oft dargestellt wird. Natürlich sollten gerade Büroarbeiter Möbel und Arbeitsmittel auf ihre Bedürfnisse und Körpergröße abstimmen. Doch dabei steht vor allem das Wohlfühlen am Arbeitsplatz im Vordergrund. Denn eine entspannte Haltung mindert nicht nur die körperliche Belastung, sondern fördert auch die Zufriedenheit.

Wichtiger als eine perfekte Büroausstattung ist Ihr Verhalten: Achten Sie darauf, nicht stundenlang in einer Position zu verharren und Ihren Körper nicht einseitig zu belasten. Stehen Sie zwischendurch auf, und nutzen Sie jede Gelegenheit zum Bewegen.

Ermitteln Sie Ihr Rücken-Risiko!

Ein kostenloser Test im Internet, der von Wissenschaftlern des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein erarbeitet wurde, gibt Aufschluss über das individuelle Rückenschmerzrisiko. Sie finden den Fragebogen unter www.rueckentest.de

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