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MaiLab-Video Intensivpfleger erzählt: So schlimm sind die Arbeitsbedingungen in der Pflege

Ricardo Lange
Intensivpfleger Ricardo Lange: "Man muss wissen, dass man immer emotional erpressbar ist"
© Kay Nietfeld / Picture Alliance
Intensivpfleger Ricardo Lange hat im Gespräch mit Mai Thi Nguyen-Kim schonungslos über die Arbeitsbedingungen in seinem Job gesprochen. Er sagt: "Sobald ich kann, bin ich aus diesem Beruf weg." 

Die Corona-Krise hat viel Aufmerksamkeit auf die Situation der Pflege in Deutschland gelenkt. Auch der stern engagiert sich für eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen und hat eine Pflege-Petition unter dem Titel "Pflege braucht Würde" beim Deutschen Bundestag eingereicht, die mehr als 250.000 Menschen unterschrieben haben. Doch noch sind – trotz aller Versprechen aus der Politik – kaum Fortschritte zu sehen. Das zeigt auch ein neues Video der Wissenschaftsjournalistin und Youtuberin Mai Thi Nguyen-Kim.

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Nguyen-Kim, die auf ihrem Youtube-Kanal vor allem naturwissenschaftliche Themen erklärt und dafür im vergangenen Jahr unter anderem mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet wurde, stellt die Lage mit drastischen Worten dar: Die Situation habe sich zwar im Vergleich zum Höhepunkt der Corona-Krise entspannt, sei aber dennoch "einfach nur noch scheiße". Viele Pflegekräfte sind mit den Arbeitsbedingungen und der Bezahlung in ihrem Berufsfeld extrem unzufrieden und denken über einen Ausstieg nach.

Schlechte Bezahlung, kaum Sozialleben, niedriges Ansehen 

Auch Intensivpfleger Ricardo Lange sagt: "Sobald ich kann, bin ich aus diesem Beruf weg." Lange hatte während der Pandemie immer wieder auf die prekäre Situation in der Pflege aufmerksam gemacht, unter anderem in Talkshows oder der Bundespressekonferenz. Mittlerweile, da die Corona-Situation abgeflaut ist, verliert die Öffentlichkeit jedoch wieder mehr und mehr das Interesse an dem Thema, so seine Beobachtung. Die Missstände aber, die es auch schon vor der Pandemie gab, bleiben bestehen. 

Schon lange werden Arbeitskräfte in der Pflege unterdurchschnittlich bezahlt und sind zudem auch weniger angesehen, wie Nguyen-Kim zeigt: "Hier liegt ein Ungleichgewicht vor, das zu Frust und Unzufriedenheit führt." Dabei leisten Pflegekräfte nicht nur Arbeit, die für die Gesellschaft extrem wichtig ist, sondern verrichten ihren Job auch oft unter großer Belastung. "Man weiß gar nicht mehr, wie man das alles schaffen soll", berichtet Intensivpfleger Lange, der sich oft um drei oder vier schwerkranke Patient:innen gleichzeitig kümmern muss – statt, wie eigentlich vorgegeben, um zwei. Oft müsse er auch an freien Wochenende einspringen: "Man gibt sein eigenes Sozialleben auf, um den Patienten helfen zu können."

Für Pfleger:innen ist es allerdings auch schwer, sich dem zu entziehen, erzählt Lange: "Man muss wissen, dass man immer emotional erpressbar ist, weil man eine Verantwortung für Leben und Gesundheit von Menschen hat, die auf unsere Hilfe angewiesen sind."

Mai Thi Nguyen-Kim: "Politik muss an die Arbeitsbedingungen ran"

All das wird in der Gesellschaft jedoch viel zu selten gesehen. Lange fordert von sich und seinen Kolleg:innen, in der Öffentlichkeit selbstbewusster aufzutreten: "Wir haben auch eine Gesundheit und ein Privatleben. Erst wenn wir uns selbst wertschätzen, können wir das auch von anderen einfordern." Die Bezahlung hält er, gemessen an der Verantwortung, die er und andere Pflegekräfte in ihrem Beruf tragen, für "nicht angemessen". Für Lange ist auch die schlechte Entlohnung ein Grund für den Personalmangel in der Pflege. Auch er selbst denkt über einen Berufswechsel nach – oft zweifelt der Brandenburger an seinem Job: "Ich möchte mich um schwerstkranke Menschen kümmern. Wenn ich aber meinen eigenen Anspruch verraten muss und mit ansehen muss, wie Patienten darunter leiden, dann frage ich mich häufig schon: Wo ist der Sinn deiner Arbeit?"

Pflege-Petition: Franziska Böhler

Das Fazit von Mai Thi Nguyen-Kim: "Hier muss endlich die Politik an die Arbeitsbedingungen ran." So fordert der stern mit seiner Pflege-Petition unter anderem mehr Zeit für Patient:innen, eine Aufwertung des Berufsbildes durch höhere Gehälter und bessere Karrierechancen sowie eine konsequente Abkehr von Profitdenken und ökonomischen Fehlanreizen. 

Quelle:  MaiLab auf Youtube

epp

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