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US-Studie Corona-Schutz durch Impfung mit mRNA-Vakzin hält wohl über Jahre

Impfung gegen das Coronavirus
1, 2 und 3: Ist eine Auffrischimpfung für einen anhaltenden Corona-Schutz nötig?
© Bloomberg Creative / Getty Images
Die Impfung gegen das Coronavirus gilt als stärkstes Werkzeug, um die Pandemie zu beenden. Aber wie lange hält der Schutz? Eine neue US-Studie stellt den mRNA-Vakzinen nun ein gutes Zeugnis aus. Auffrischimpfungen sind aber nicht vom Tisch.

Wie lange schützt eine Impfung gegen das Coronavirus – Wochen, Monate, Jahre? Ein US-Forscherteam ist dieser Frage nachgegangen, die Ergebnisse der Studie wurden jetzt im renommierten Fachblatt "Nature" veröffentlicht. Demnach deuten die Ergebnisse darauf hin, dass die Mehrheit der Menschen, die mit einem mRNA-Impfstoff geimpft wurde, von einem langfristigen Immunschutz profitieren, der über Jahre anhalten könnte. Auffrischimpfungen wären dann möglicherweise für viele gar nicht notwendig. Vokabeln wie "könnte" und "möglicherweise" kommen allerdings nicht von ungefähr.

An der Studie nahmen 41 Menschen teil, die vollständig mit dem mRNA-Vakzin von Biontech/Pfizer geimpft wurden. Acht von ihnen hatten bereits eine Corona-Infektion hinter sich. Bei 14 Personen entnahm das Team nach der Erstimpfung innerhalb von 15 Wochen mehrmals Proben aus den Lymphknoten. Dort werden die Gedächtniszellen in dem sogenannten Keimzentrum darauf "trainiert", das Coronavirus zu identifizieren und dieses zu bekämpfen. Das Forscherteam fand heraus, dass dieses Keimzentrum bei allen 14 Probanden auch 15 Wochen nach der Erstimpfung noch gut arbeitete, die Anzahl der Gedächtniszellen nicht abgenommen hatte. "Die Tatsache, dass die Reaktionen fast vier Monate nach der Impfung anhielten – das ist ein sehr, sehr gutes Zeichen", sagte Immunologe und Studienleiter Ali Ellebedy der "New York Times".

Auffrischimpfung nicht vom Tisch

Doch geht es um dauerhafte Immunität, spielen viele Faktoren eine Rolle. Die Ergebnisse, welche die Wissenschaftler:innen vorlegten, beziehen sich ausschließlich auf mRNA-Impfstoffe und die aktuellen Corona-Varianten. Der Studie zufolge haben Menschen, die eine Corona-Infektion durchgemacht haben und zusätzlich geimpft sind, wohl keine Auffrischimpfung nötig. Bei älteren Menschen, Menschen mit schwachem Immunsystem oder solchen, die Medikamente nehmen, welche das Immunsystem schwächen, wird eine Booster-Impfung aber eventuell doch notwendig sein.

Eine solche Impfung habe dann aber, das ist die gute Nachricht, wahrscheinlich die gleiche Wirkung wie eine vorherige Virusinfektion, sagte Ellebedy. Die Drittimpfung sei sogar "wahrscheinlich besser" als eine durchgemachte Infektion. Hinweise aus vorangegangenen Studien legten nahe, dass die Gedächtniszellen, die nach der Impfung produziert werden, vielfältiger seien. Das wiederum könne bedeuten, dass diese Zellen besser gegen Varianten gewappnet seien, als die, die durch eine natürliche Immunität entstehen. Solche Auffrischimpfungen, eventuell sogar jährlich ähnlich der Grippe-Impfung, stehen schon länger als Option im Raum.

Einer der elementaren Einflussfaktoren auf den Immunschutz bleibt die Wandlungsfähigkeit des Virus. Die Sorge ist, dass sich das Virus irgendwann so verändert, dass es die Immunität umgehen und somit auch den Impfschutz aushebeln kann. Dann würde auch der wohl gute Immunschutz gegen die aktuellen Corona-Varianten nichts mehr nutzen. Zwar sind inzwischen neben dem Wildtyp längst diverse Mutanten im Umlauf, doch noch ist der gefürchtete Fall nicht eingetroffen. Das größte Sorgenkind aktuell: die Delta-Variante, die in Großbritannien bereits vorherrschend ist und sich auch in Deutschland ausbreitet. Sollte eine Anpassung des Impfstoffs nötig werden, wäre dies laut Herstellern bei mRNA-Vakzinen in sechs Wochen möglich. Derzeit sieht zumindest Hersteller Biontech/Pfizer für eine Änderung des Impfstoffs keinen Bedarf. 

Anpassung des Impfstoffs

Der Vektor-Impfstoff-Hersteller Astrazeneca hat an seinem Impfstoff bereits eine Anpassung vorgenommen. Gemeinsam mit der Universität Oxford startete das Unternehmen jetzt mit neuen Studien zur Wirksamkeit des abgewandelten Impfstoffs gegen die Beta-Variante des Coronavirus. Es sei wichtig, sich auf Veränderungen beim Coronavirus vorzubereiten und somit der Pandemie "einen Schritt voraus zu sein", erklärte der Direktor der Oxford Vaccine Group, Andrew Pollar, am Sonntag. 

An den klinischen Studien der Phasen II und III mit dem leicht veränderten Auffrischimpfstoff sollen rund 2250 Teilnehmer aus Großbritannien, Südafrika, Brasilien und Polen teilnehmen. Erste Daten werden noch in diesem Jahr erwartet. Davon unabhängig scheint auch eine zweimalige Impfung mit dem Original-Astrazeneca-Vakzin nach bisherigen Stand einen längeren Zeitraum Schutz bieten, wie Forscher:innen jüngst in einer Studie feststellten. Außerdem fanden sie heraus, dass zudem durch eine Auffrischimpfung eine hohe Immunreaktion erzeugt wird.

Delta setzt Urlaubsländern zu: Kommt Testpflicht für alle Reise-Rückkehrer?

Im Mai hatte die britische Regierung erstmals mit klinischen Studien zur Wirksamkeit einer Auffrischimpfung mit bestehenden Covid-Impfstoffen begonnen. Und auch in den USA führt das U.S. National Institute of Allergy and Infectious Diseases (NIAID) eine Studie durch, um festzustellen, ob es notwendig ist, alle derzeit zugelassenen Impfungen mit einer weiteren Dosis des Impfstoffs von Moderna zu verstärken.

Inzwischen erwägen Experten hinsichtlich der sich ausbreitenden Delta-Variante auch die Notwendigkeit einer zweiten Impfstoffdosis mit einem mRNA-Vakzin für alle, die in den USA mit dem Vakzin von Johnson&Johnson geimpft wurden, wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtete. Es gebe keinen Zweifel, dass die Menschen, die den J&J-Impfstoff erhalten, weniger gegen Krankheiten geschützt sind als diejenigen, die zwei Dosen der anderen Impfungen erhalten, sagte Stanford-Professor Dr. Michael Lin. Fundierte Daten darüber, wie gut der Impfstoff gegen die Variante schützt, fehlen noch.

Quellen: Nature, New York Times, Reuters, dpa

tpo

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