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Teure Mineralien: Was Zeolithe zur Entgiftung taugen

Zeolithe können fiese Gerüche und sogar Gifte binden. Da liegt es nahe, dass die Mineralien nicht nur im Katzenklo wirksam sind, sondern auch im menschlichen Körper - oder?

Von Nicole Heißmann

Wäre der Kampf um unsere Gesundheit ein Western, hätten "freie Radikale" die Rolle der notorischen Schurken. Ihr Name steht für aggressive Sauerstoffmoleküle, die ständig beim Stoffwechsel anfallen und unsere Zellen unter Dauerfeuer nehmen. Umweltgifte, Rauchen oder Alkohol setzen im Körper Heerscharen davon frei. Das fördert chronische Krankheiten wie Herzleiden oder Krebs.

Im Western würde der Sheriff eingreifen und die Stadt vom Gesindel befreien. Das übernehmen im Körper zum Glück entgiftende Enzyme und Vitamine. Ziemlich effektiv sogar. Verstärkung bekommen sollen sie jetzt angeblich von einer Gruppe Mineralien: Findige Geschäftsleute vermarkten neuerdings Zeolithe zur Entgiftung von innen. Man soll sich die aluminiumhaltigen Kieselsäuresalze zum Beispiel in den Joghurt rühren, als Pulver zu 60 Euro das Kilo. Auch in Form von Kapseln oder Salben sind sie erhältlich. Mal werden sie als Medizinprodukt angeboten, mal ohne nähere Bezeichnung. Einen Wirksamkeitsnachweis müssen Hersteller in keinem Fall erbringen.

Zeolithe sind Vulkangesteine: Manche sehen aus wie weiße Seeigel. Außerdem sind sie von einnehmendem Wesen und binden andere Substanzen an sich: In ihrem porösen Inneren verbirgt sich ein Labyrinth winziger Kanäle, in denen Wasser und andere Substanzen hängen bleiben. Man kann das Wasser aus ihnen herauskochen. Daher ihr Name: Zeolith kommt aus dem Altgriechischen und heißt "siedender Stein".

Kekse mit Zeolith

Im Waschpulver fischen Zeolithe schwer lösliches Kalzium aus dem Wasser und beugen Kalkbelägen vor. Gerüche im Katzenklo und Gifte in Industrieabwässern lassen sich ebenfalls mithilfe von Zeolithen binden. Klingt also erst mal plausibel, dass sie auch Ausputzer im Körper spielen sollen. So behauptet ein Werbetext, Zeolithe bänden freie Radikale im Verdauungstrakt, außerdem giftige Schwermetalle wie Blei und radioaktives Cäsium. Es wird angedeutet, dass die Mineralien vor Krebs, Parkinson, Herzinfarkt und vorzeitigem Altern schützen könnten.

Allerdings bewegt man sich dabei auf dünnem Eis. Es gibt zwar eine Reihe bunter Experimente mit Zeolithen: Swimmingpools in der Nähe des Unglückskraftwerks Fukushima wurden damit von radioaktivem Cäsium gereinigt. Krebszellen im Reagenzglas wachsen langsamer, wenn man diese Mineralien dazugibt, im Tierfutter binden sie Blei und Schimmelpilzgifte. In Bulgarien wurden nach Tschernobyl sogar Kekse mit Zeolith verteilt, um die Menschen vor Radioaktivität zu schützen.

Trotzdem hat nie jemand systematisch an Menschen untersucht, wie viel Zeolith man schlucken muss, um sich wovon auch immer zu entgiften. Es gibt keine Patientenstudien dazu, vor welchen Krankheiten die Mineralien schützen. Immerhin scheint sich abzuzeichnen, dass man sich daran wohl nicht vergiften wird. Man wird nur um ein paar Euro ärmer - und scheidet das Pulver wieder aus.

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