Therapien gegen Sexsucht boomen Dickes Geschäft mit der Lust


Wer süchtig nach Sex ist, leidet sehr darunter, seinen Geschlechtstrieb nicht unter Kontrolle zu haben. In den USA boomen Therapien gegen Sexsucht, obwohl Skeptiker sie als billige Ausrede verspotten. Steckt tatsächlich eine psychische Krankheit dahinter?

Therapien gegen Sexsucht erleben in den USA zurzeit einen Boom. Doch das Leiden, an deren Behandlung spezialisierte Einrichtungen gut zu verdienen scheinen, weckt bei Außenstehenden zunächst nicht besonders viel Verständnis und Mitgefühl, im Gegenteil: In der Öffentlichkeit wird Sexsucht eher belächelt und verspottet. Erst der Fall des Golf-Stars Tiger Woods hat das Phänomen zum weithin diskutierten Thema werden lassen.

"Das Problem greift um sich. Mehr Leute, als wir denken, haben damit zu kämpfen", sagt der Suchtexperte und Buchautor Craig Cross. Tiger Woods habe dem Thema viel Aufmerksamkeit beschert, es bestehe aber schon seit Jahren. Woods hatte in einer öffentlichen Entschuldigung außereheliche Affären zugegeben. US-Medien berichteten über seine Verhältnisse mit Kellnerinnen, Nachtclub-Animateurinnen und einer Pornodarstellerin. Anfang des Jahres ließ er sich in der Pine-Woods-Klinik im Bundesstaat Missouri behandeln. Cross schätzt die Kosten für eine sechswöchige Therapie auf 20.000 bis 40.000 Dollar, was umgerechnet etwa 15.000 bis 30.000 Euro entspricht. Die Kurse bestehen aus Psychotherapie und Gruppengesprächen, manchmal werden auch Medikamente verschrieben. So sollen die Betroffenen mögliche Depressionen in den Griff bekommen und ihren Geschlechtstrieb zügeln lernen.

Sexsucht als Krankheit nicht anerkannt

Einige Experten wie Cross argumentieren, dass Sexsucht bei den Betroffenen dazu führt, dass sie die Kontrolle über den Geschlechtstrieb verlieren und zwanghaft nach sexuellen Kontakten suchen. In seinen Symptomen und Auswirkungen ähnele das Leben von Sexsüchtigen dem von Alkoholikern.

Die Diagnose und Behandlung von Sexsucht ist aber umstritten. Skeptiker spotten, es handle sich bei dabei nur um eine faule Ausrede für notorische Schürzenjäger, und bezweifeln, dass ein ausschweifendes Sexualleben gesundheitlichen Schaden anrichten kann. Nur weil es vielleicht gegen gesellschaftliche Moralvorstellungen verstößt, muss es nicht auch eine behandlungsbedürftige Krankheit sein. Die US-Branchenvereinigung American Psychiatric Association hat Sexsucht bislang jedenfalls nicht als eigenständige Krankheit anerkannt.

Spezialisierte US-Therapeuten wie der Sexsucht-Experte Michael Johnson aus Austin weisen solche Kritik zurück. Sie berichten von der großen Last, als die manche Patienten ihre zügellose Lust empfinden. "Ich habe Leute in der Behandlung, die nicht so bekannt sind wie Tiger Woods, die aber erfolgreich sind und ihre Lebensleistung aufs Spiel setzen", sagt Johnson. "Tiger Woods ist ein Beispiel: Sehen Sie, was er alles riskiert hat." Die Enthüllungen über seine Ausschweifungen brachten ihm viel Ärger mit Sponsoren ein, eine zumindest zeitweilige Unterbrechung seiner Sportkarriere und eine Ehekrise. Der Therapeut Cross sieht eines der größten Probleme darin, dass Sexsucht enge menschliche Bindungen zerstört. "Beziehungen gehen deswegen in die Brüche", betont er.

AFP AFP

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